Ein Helferkreis für Asylbewerber in Burgoberbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.08.2023 12:45

Ein Helferkreis für Asylbewerber in Burgoberbach

Waren erfreut über die vielen Freiwilligen, die sich für einen Helferkreis meldeten (von links): Klaus Miosga, Carolin Emmert, Alexander Barnowski, Manfred Riedel, Gerhard Rammler und Christine Krüger. (Foto: Andrea Walke)
Waren erfreut über die vielen Freiwilligen, die sich für einen Helferkreis meldeten (von links): Klaus Miosga, Carolin Emmert, Alexander Barnowski, Manfred Riedel, Gerhard Rammler und Christine Krüger. (Foto: Andrea Walke)
Waren erfreut über die vielen Freiwilligen, die sich für einen Helferkreis meldeten (von links): Klaus Miosga, Carolin Emmert, Alexander Barnowski, Manfred Riedel, Gerhard Rammler und Christine Krüger. (Foto: Andrea Walke)

Als konstruktiv hat sich ein „Runder Tisch“ in der Grundschule Burgoberbach erwiesen: Noch am selben Abend formierte sich ein Helferkreis zur Unterstützung der erwarteten Asylbewerber. Am 1. September sollen die ersten von 20 Geflüchteten ankommen und in das Anwesen Wassertrüdinger Straße 13 einziehen.

Rund 40 Bürger kamen zur Veranstaltung. Ziel war, Ehrenamtliche zu vernetzen und Arbeitsgruppen zu bilden. Leider sind die Bedürfnisse der Ankommenden schwer einzuschätzen, da man bezüglich ihrer Zusammensetzung noch immer völlig im Dunkeln tappt.

Zugewiesen werden kaum Familien

Wie Bürgermeister Gerhard Rammler nach einem Telefonat mit dem Landratsamt feststellte: „Ich kann Ihnen heute noch nicht sagen, wer am 1. September im Bus nach Burgoberbach sitzt.“ Erst zwei bis drei Tage vorher gibt es dazu eine Aussage. Einstellen müsse man sich jedoch eher auf junge Männer. „Es werden fast keine Familien zugewiesen.“

Bei Fragen oder Problemen können sich die Helfer jederzeit ans Landratsamt wenden, versicherte die dortige Integrationslotsin Carolin Emmert. „Unsere Aufgabe ist eine Scharnierfunktion zwischen Ehrenamt und Hauptamt.“ Am Landratsamt ist auch das Unterkunftsmanagement angesiedelt, das für die Abläufe in den angemieteten Gebäuden verantwortlich ist. Die Ausstattung mit Betten, Ofen und Waschmaschine ist Sache der Behörde.

Eine Frau wollte wissen, ab wann Asylbewerber berechtigt sind, Deutschkurse zu besuchen und wie diese organisiert werden. Sobald der Geflüchtete einen Status und Papiere habe, könne er sich an einen Träger wenden, um einen Integrationskurs zu besuchen, antwortete Carolin Emmert. „Ganz wichtig: Dieses Anrecht verfällt nach einem Jahr.“ Leider seien die Wartezeiten derzeit sehr lange.

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Manfred Riedel, der Leiter des Unterstützungskreises „Sicherer Hafen“ in Neuendettelsau regte an, selbst Sprachkurse zu organisieren und auch später beim Spracherwerb zu unterstützen. „Unsere Erfahrung ist, dass es ergänzend zu den Sprachkursen Nachhilfe braucht.“ Afghanische Frauen hätten in ihrer Heimat oft keine Schule besucht und müssten erst das Alphabet und die Schrift lernen. „Es macht aber viel Spaß, mit den Menschen Deutsch zu lernen“, versicherte er. „Man bekommt ganz viel zurück.“

Christine Krüger vom Helferkreis Neuses bestätigte, dass man nicht unbedingt Lehrer sein muss, um beim Spracherwerb zu helfen. Vieles könne man sich aneignen. „Wir wachsen an den Aufgaben“, motivierte sie. „Wenn man sich ein bisschen reinhängt, dann geht das.“ In Neuendettelsau betreuen die Ehrenamtlichen rund 400 Geflüchtete. Manfred Riedel konnte deshalb aus seiner Erfahrung viele praktische Tipps an die Hand geben.

Spenden über Pfandzettel sammeln

Spenden könnten generiert werden, indem man im Supermarkt eine Box für Pfandzettel aufstellt. So könnten die Bürger ihr Flaschenpfand unbürokratisch spenden. In Neuendettelsau habe man auf diese Weise 2000 Euro zusammenbekommen. Auch ein Sachspendenlager sollte eingerichtet werden.

Es sei sinnvoll, in den Unterkünften, Wlan zu organisieren, damit die Geflüchteten zum Beispiel an Online-Kursen teilnehmen und Kontakt zu ihren Familien halten können.

Wichtig sei, die Menschen beim Ausfüllen von Anträgen zu unterstützen und persönlich bei Behördengängen zu begleiten. Gerade am Anfang müssten wichtige Anträge gestellt werden. Die Geflüchteten müssten sich auch sofort bei der Gemeinde anmelden, um eine Steuernummer zu bekommen. Erst dann können sie ein Basiskonto eröffnen.

Wenn die Asylbewerber ankommen, haben sie nichts. Man müsse für den ersten Tag Verpflegung organisieren und dann zeitnah mit ihnen einkaufen gehen, so Riedel. Da es einige Wochen dauert, bis vom Jobcenter Geld ausgezahlt wird, müssen Einkaufsgutscheine für Nahrung organisiert werden. Bürgermeister Rammler sagte dem Helferkreis zu, dass die Kommune bei der Finanzierung der Einkäufe einspringt.

Für wichtig hält Riedel eine regelmäßige Hauskonferenz mit den Bewohnern, in der Probleme wie fehlende Mülltrennung oder Störung der Nachtruhe angesprochen werden. „Die kommen ja aus einer anderen Kultur.“ Vieles müssten sie erst lernen.

Spontan gründeten sich in der Schulaula erste Arbeitsgruppen zu den Themen Schule/Bildung/Sprache, Behörden, Sport/Freizeit, Hardware/Software/Wlan, Alltagspraxis/Einkaufen und ein Fahrdienst. Ein fettes Lob gab es dafür von Manfred Riedel: „Burgoberbach ist echt klasse – wie ihr loslegt.“ Bürgermeister Rammler bot an, den Sitzungssaal des Rathauses für Treffen der Helfergruppen zur Verfügung zu stellen.

Geflüchtete kommen „tröpfchenweise“

Für alle überraschend war schließlich die Randbemerkung Riedels, dass kaum alle 20 Asylbewerber auf einmal ankommen werden, sondern aus Erfahrung „tröpfchenweise“ über mehrere Wochen oder Monate eintreffen. Diese Information sorgte für eine gewisse Erleichterung, da die Organisation entzerrt wird.

Etwas Mut sprach den Helfern Kreisrat Klaus Miosga, der vom Kreistag bestellte Integrationsbeauftragte, zu: „Macht euch nicht verrückt und lasst die Leute mitarbeiten.“ Sie müssten verstehen, dass man in Deutschland auch Dinge selbst tun muss. „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei das Motto. „Gerne unterstützen, aber auch selber machen lassen.“


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
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