Der Münchsteinacher Teilort Altershausen war bisher für sein Jagdmuseum bekannt. Jetzt kommt noch eine zweite Attraktion dazu: die Werksammlung des bedeutenden Stuttgarter Künstlers Herbert Gebauer. Barbara Gebauer und Johann Popp haben hierfür ein ganzes Haus eingerichtet.
„Es war der Wunsch meines Vaters, dass die Sammlung zusammenbleibt“, sagt Barbara Gebauer, seit einem Vierteljahrhundert die Lebensgefährtin des gebürtigen Altershauseners Johann Popp. Dieses Anliegen wollten sie, ihr Bruder und zwei Nichten ihm erfüllen. Nun haben die Nachkommen bei Gebauers Lebensgefährten Johann Popp ein ganzes Haus dafür eingerichtet. Mitten im Steigerwald. In Altershausen.
Im Jahr 2021 war Baubeginn, jetzt ist das im finnischen Blockbaustil gebaute Haus fertig – mit offenem Dachstuhl, so dass die Werke perfekt in Szene gesetzt werden können. Es dürfte das erste private Kunstmuseum im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sein.
Herbert Gebauer, der die Kunstakademie in Stuttgart besucht hatte, ist bereits 2010 gestorben. Er hinterließ moderne Bronzeplastiken. Der Physiker Johann Popp, der zuletzt in der Schweiz lebte und auf der ganzen Welt für die Sicherheit von Kraftwerken zuständig war, lernte „den feinfühligen Mann“ durch Barbara Gebauer kennen.
„Seine Kunst finde ich wunderschön“, sagt er. Die in sich verschlungenen Plastiken mit fantasievollen Titeln wie „Aufstrebendes Formspiel“, „Tanzende Schleife“ oder „Konkav-Konvex“ sprachen ihn sofort an. Auch die professionelle Verarbeitung der Bronze – teils auch von Gips und Blei, teils mit Patina bearbeitet oder zu Hochglanz poliert – schätzt Johann Popp sehr.
Viele der Plastiken von Herbert Gebauer entstanden erst in kleiner Version, wurden dann etwa mit einem Meter Höhe gegossen – und nicht selten folgten später Werke in Fünf-Meter-Größe. Viele sind im Raum Stuttgart zu finden. Sie wurden von Schulen in Auftrag gegeben – die Kinder tummeln sich gerne in so einem Exponat. Ein meterlanges Tauziehen ziert ein Chefbüro, eine Nachbildung ist in Altershausen zu sehen. Und die Skulptur „Durchbruch“ ist in einem Park an einer Stadtbahnhaltestelle in der schwäbischen Metropole zu finden.
Ein Kranich wurde von einem Kindergarten beauftragt, eine Frauenfigur für einen japanischen Garten. Die Liste ist lang und die Auftraggeber sind sehr interessant. Etwa 40 Exponate – einige wurden extra für die Kunstsammlung nachgebildet – sind in Altershausen ausgestellt. Auch moderne Gemälde, Acryl auf Holz.
Bleibende Denkmäler hinterlassen hatte Herbert Gebauer vor allem durch Schrifttafeln, Gedenksteine und Grabsteine. 40 Jahre lang hatte der Künstler übrigens nach Angaben seiner Tochter ein sehr schönes Atelier in Stuttgart, das zuvor der Maler Friedrich Zundel genutzt hatte. Dieser war mit Paula Bosch, der Tochter von Firmengründer Robert Bosch, verheiratet. Wie Barbara Gebauer erzählt, war Zundel zuvor mit der Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin verheiratet – alles keine Unbekannten in der deutschen Geschichte.
Als Paula Zundel und ihr Sohn ein Museum in Tübingen einrichteten, war das schöne Atelier in Stuttgart frei geworden. Die Bosch-Tochter wollte dort wieder einen Künstler wirken sehen. Das war eben der Vater von Barbara Gebauer. Nun rückt die Werkschau weiter.
Geladenen Gästen wird die Kunstsammlung bereits am Dienstag, 29. Oktober, gezeigt, darunter Landratsstellvertreter Reinhard Streng und der Münchsteinacher Bürgermeister Jürgen Riedel. Mit von der Partie ist auch der Historiker Dr. Wolfgang Mück. Er wird die Eröffnungsansprache halten. Der Neustädter Altbürgermeister hat bereits eine Broschüre und einen Flyer über das Leben und das Wirken von Herbert Gebauer geschrieben. Mück war Johann Popps (Jahrgang 1950) Deutschlehrer am Gymnasium.
Am 7. März 2025 wäre Herbert Gebauer 100 Jahre alt geworden. Am anschließenden Wochenende soll zu diesem Anlass eine Jubiläumsausstellung abgehalten werden.
Wer zuvor Interesse hat, die Werksammlung in Altershausen zu sehen, kann sich unter Telefonnummer 0163/1770703 oder auch per E-Mail an barbara@adon.li anmelden. Das Rentner-Paar lebt teils in Liechtenstein und teils in Altershausen. Feste Öffnungszeiten gibt es für das private Museum laut Gebauer nicht.