Die Sitzungen des Gemeinderats Dietersheim sind von Sachpolitik geprägt. Parteipolitisches Kalkül sucht man vergeblich. Da wundert es nicht, dass die politischen Gruppierungen gemeinsam einen Bürgermeisterkandidaten nominiert haben: Jürgen Meyer.
Damit könnte der alte Bürgermeister also auch der neue werden. Was sich für Meyer im Falle seiner Wiederwahl aber ändern wird: Er wird das Amt nicht wie bislang ehrenamtlich ausüben, sondern hauptamtlich. Das hatte der Gemeinderat mehrheitlich entschieden.
Für Meyer ist dieser Schritt konsequent. Denn seit er im Mai 2023 zum Nachfolger von Robert Christensen gewählt worden war, der aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte, seien die Aufgaben stetig mehr und komplexer geworden. „Das Pensum ist für ein reines Ehrenamt zu hoch”, sagt Meyer auf Nachfrage unserer Redaktion. Das lasse sich nicht mehr „nebenbei” erledigen. Außerdem sei es wichtig, so der 54-jährige Geschäftsführer aus Dottenheim, „dass man tagsüber erreichbar sei, anstatt die Arbeit spätabends nachzuholen“.
Meyer ist „eine bodenständige Politik” wichtig, „die auch hält, was sie verspricht”. Er will sich für mehr Wohnraum einsetzen. Dabei müsse klar auf innen vor außen gesetzt werden „und nicht auf Flächenfraß”. Besonders wichtig ist ihm, Vereine zu stärken und für eine verlässliche Kinderbetreuung zu sorgen. „Die dicken Bretter, die wir bohren müssen, sind ganz klar die Entwicklung des EKA-Geländes und die Dorferneuerungen” Das alles will Meyer „im Miteinander anpacken”.
Das Miteinander ist auch den Verantwortlichen der beiden Listen wichtig, die antreten. Die CSU und Freie Bürger (FB) gehen mit einer gemeinsamen Liste ins Rennen, eine weitere stellt die Freie Wählergemeinschaft Dietersheim (FWG). Die FWG-Liste wird von Holger Lunz angeführt. Der 46-jährige Kraftfahrer sitzt seit nunmehr zwölf Jahren im Gemeinderat Dietersheim. Er verweist auf die „stets harmonischen Ratssitzungen”.
An einen Streit könne er sich nicht erinnern. „So soll es auch bleiben”, betont Lunz. Man fühle sich der Gemeinde gegenüber verpflichtet. „Übergeordnete Parteiinteressen” würden nicht im Vordergrund stehen. Deswegen werden auch die Vorstellungsrunden der Kandidatinnen und Kandidaten gemeinsam stattfinden: Damit wollen CSU, FWG und FB ein Zeichen setzen.
Lunz betont zudem, dass keine einfache Zeit bevorstünde. „Die Aufgaben wachsen und die Einnahmen schwinden.” Die große Politik gebe die Richtung vor. „Und wir müssen zusehen, gemeinsam das Beste zu erreichen.”
Auch CSU-Ortssprecher Harald Ell betont das Miteinander. Und um das zum Ausdruck zu bringen, hätten CSU, FWG und FB eine gemeinsame Themenliste erarbeitet. Diese solle als „Leitplanke” dienen. Ganz oben stehen die Pflichtaufgaben, darunter die Wasser- und Abwasserversorgung sowie die Kinderbetreuung.
Dorferneuerungen sollen fortgeführt und weitere Maßnahmen umgesetzt werden, „um unsere Ortsteile lebendig zu halten und weiter zu entwickeln”. Ferner würde man sich freuen, das EKA-Areal zusammen mit dem Eigentümer entwickeln zu können. Der 48-jährige Fertigungsplaner betont, dass man auch künftig parteiübergreifend „auf Augenhöhe” zusammenarbeiten und die Sache in den Vordergrund stellen wolle, „um bestmögliche Lösungen zu finden”.
Wie Ell und Lunz betonen, hätten eigentlich alle drei politischen Gruppierungen eine gemeinsame Liste aufstellen wollen. So wie dies 2020 der Fall gewesen war. Damals hatte es zudem einen Wahlvorschlag der Partei Die Linke und von den Grünen gegeben. Diesmal haben beide keinen eigenen Wahlvorschlag eingereicht und sich stattdessen der FWG angeschlossen.
Wegen des geänderten Wahlrechts und der damit verbundenen Stimmenverteilung, hatte man sich indes dagegen entschieden, nur eine einzige Liste aufzustellen, und stattdessen zwei gebildet. Ihre Einheit haben die Drei dann aber durch die gemeinsame Nominierung des Bürgermeisterkandidaten demonstriert.
Weil die FWG in der jetzigen Form neu am Start ist, und erstmals eigenständig eine Liste stellt, musste sie in Dietersheim mindestens 60 Unterstützerunterschriften vorweisen, um zur Wahl zugelassen zu werden. Das ist gelungen.