Futsal ist schon ziemlich alt, doch die Fußballgeister scheiden sich noch immer an dieser Hallenvariante. Seit der BFV deren Einführung vor über zehn Jahren durchgedrückt hat, wird heiß diskutiert. Der Kreis Nürnberg/Frankenhöhe könnte nun zur Keimzelle einer kleinen Revolution von unten werden.
Futsal wurde ab 1930 in Südamerika entwickelt. Da war Georg „Katsche” Schwarzenbeck – Prototyp des brachialen deutschen Ausputzers – noch gar nicht geboren und es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis Deutschland halbwegs warm wurde mit dieser technisch anspruchsvollen Fußballvariante. 1989 erhob die Fifa die Futsal-Regeln zum offiziellen Hallenspiel des Weltverbandes. Bei uns nahm die Sache erst nach der Jahrtausendwende Fahrt auf.
Ab 2013 gehörten die Fifa-Regeln zum „Masterplan Amateurfußball” des Deutschen Fußballbundes. Und so mancher Skeptiker mag genau da den Zeigefinger draufhalten. Denn in vielen Köpfen ist längst der Eindruck verankert, dass die Verbände ihre Vorstellungen ohne Rücksicht von oben durchdrücken.
Bei der Einführung von Futsal durch den Bayerischen Fußballverband war das exakt so. Das ist über zehn Jahre her. Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen seitdem war desaströs, vor allem bei den Erwachsenen. Privatturniere nach den „alten Hallenregeln” erfreuen sich bis heute größter Beliebtheit, was allerorten Hunderte von Zuschauern beweisen.
Das bringt uns zu Uwe Boris und in die Schulturnhalle in Burgbernheim. Dort organisierte der Hallen-Spielleiter im Jugendbereich für den Kreis Nürnberg/Frankenhöhe ein Pilotturnier, mit dem er einen Impuls geben will.
Darauf gekommen sei er, als er die Ergebnisse einer Interview-Studie des BFV mit Nachwuchsspielern sah. Heutige Jugendliche sind mit Futsal aufgewachsen, und ginge es nach dem BFV, würden sie nichts anderes spielen. „Aber selbst die wollen den alten Hallenfußball zurück”, betont Boris. „Unsere Idee war nun, dass wir beide Varianten verbinden.”
In Absprache mit Bezirks- und Verbandsjugendleitung bastelte Boris eine Mischform aus Futsal und alten Hallenregeln, um zu testen, wie die Spieler darauf reagieren. Da radikale Änderungen bei der Verbandsführung kaum Aussicht auf Erfolg haben würden, dosierte der Revoluzzer relativ niedrig.
Statt der beim Futsal üblichen dreimal zwei Meter großen (Handball-)Tore kamen die größeren Buden mit fünfmal zwei Metern zum Einsatz. Außerdem wurden die Seitenlinien gestrichen und die Wände als seitliche Begrenzung wieder eingeführt, was in Burgbernheim links und rechts des Spielfeldes jeweils drei Meter mehr Raum eröffnete.
Das lässt auf die Hauptkritikpunkte der Futsal-Skeptiker schließen: zu wenig Platz, zu wenig Toraktionen und Tore, vor allem technisch schwächere Spieler sind überfordert und verlieren den Spaß. „Uns geht es um die Spieler”, sagt Boris.
Bei dem Turnier mit vier U19-Mannschaften wurde im Gruppenmodus die Hinrunde auf die großen und die Rückrunde auf die kleinen Tore gespielt, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Außenlinien – und damit den Einkick – gab es durchgängig nicht. Ansonsten galten die üblichen Futsal-Regeln.
Die Meinungen und Beobachtungen vieler Beteiligter, die Fragebögen zum Turnier ausfüllen konnten, gingen in diese Richtung: Dank der seitlichen Banden bleibt der Ball im Spiel, es gibt weniger Unterbrechungen und mehr Spielfluss; die größeren Tore fördern den Offensivdrang der Akteure, zudem müssen die Abwehrspieler größere Abstände halten, was zusammengenommen das Tempo im Spiel deutlich erhöht.
Interessant waren die Beobachtungen beim Thema Torabschluss. „Es gibt auf die großen Tore kaum Gebolze. Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt”, meinte Uwe Boris. Markus Kölbl, Trainer bei der beteiligten SG Berna/Bergel/Windsa sagte dazu: „Auf die größeren Tore wird viel gezielter geschossen, weil du da auch mal einen Ball ins lange Eck schieben kannst. Das geht bei den kleinen Toren gar nicht. Es wird viel weniger draufgebolzt.”
Kölbl sagte aber auch: „Mit den kleinen Toren läuft der Ball mehr. Die Abwehrmannschaft macht den Raum eng und du musst Lösungen finden.” Er reduzierte das Pilotturnier auf die Kernfrage: Willst du die fußballerische Ausbildung der Spieler fördern oder willst du Spaß?
Lucas Schrumpf würde wohl beides verbinden wollen, der Trainer vom TSV Neustadt sagte aber: „Die Variante mit Bande und großen Toren ist auf jeden Fall besser. Das sehen meine Spieler auch positiv. Es macht mehr Spaß, weil sich nicht immer einfach eine Mannschaft hinten reinstellt und auf Konter spielt.” Die Bande wird von den Futsal-Verfechtern gern als zu hoher Faktor beim Verletzungsrisiko angeführt. Das nimmt Schrumpf durchaus wahr und nennt es „eine 50/50-Sache”. Um des Spielflusses Willen würde er aber ein Spiel mit Banden und dadurch mehr Raum bevorzugen.
Eine Hoffnung, die Boris in die Anpassungen setzte, erfüllte sich: Auf die größeren Tore fielen in sechs Spielen 19 Tore, auf die kleineren waren es in Burgbernheim nur 13. Zudem zeigte die Auswertung der Fragebögen: 94 Prozent der Teilnehmer bevorzugten die Variante auf große Tore. Insofern zeigte er sich zufrieden. Doch was kann nun passieren?
Der ebenfalls anwesende Kreisjugendleiter Peter Kuhn betonte: „Wir können es nicht entscheiden.” Er wolle das Thema bei der nächsten Kreisjugendleiter-Sitzung auf Verbandsebene platzieren und eine entsprechende Empfehlung abgeben. Dann sind die Mächte gefragt, die einst Futsal eingeführt haben.