Es ist ein wildromantisches Plätzchen bei Ippesheim, auf dem sich über lange Zeit ein Teil des Dorflebens abgespielt hat. Trotzdem will die Gemeinde das Grundstück nicht geschenkt haben, auf dem sich der Felsenkeller, ein inzwischen nur noch als Ruine erhaltenes Ausflugslokal, befindet.
Ein entsprechendes Angebot der Erbengemeinschaft des Areals war Gegenstand der vergangenen nicht öffentlichen Sitzung des Ippesheimer Gemeinderates, über die Bürgermeister Karl Schmidt im Nachgang informierte. Mehrheitlich – nicht einstimmig – aber habe das Gremium auf die Schenkung verzichtet. „Wir haben es von der Bauverwaltung Uffenheim anschauen lassen und rechnen mit hohen Kosten für das Gelände“, erläuterte Schmidt die Gründe für diese Entscheidung.
Die Geschichte der Ruine ist eng mit einigen Marksteinen der deutschen Geschichte verbunden. Im Revolutionsjahr 1848 wurde sie vom Eigentümer der Wirtschaft „Zum Schwarzen Roß“, der Familie Spöhrer, erworben. Dort befand sich laut Ludwig Reizlein, der eine Dorfchronik verfasste, ein aufgelassener Steinbruch. Wilhelm Schumann, Ur-Ur-Ur-Enkel des Käufers, mutmaßt, dass die Steine nicht von besonders guter Qualität gewesen sind. Schumann hielt im Rahmen des Jubiläumsjahrs einen Diavortrag.
In den Jahren 1849 und 1850 bauten die Spöhrers dort einen Keller und ein Lagerhaus. Der „Felsenkeller“ war fertig und wurde bald durch Tische und Bänke, die zwischen Akazien platziert wurden, und eine Kegelbahn ergänzt. Reizlein stellt in seinem Buch einen Bezug zum Zeitgeist her. „Es herrschte Aufbruchstimmung. Die Ippesheimer atmeten nach der 48er Revolution freier und ungezwungener.“ Das ist insofern bemerkenswert, weil die Revolution von 1848 als gescheitert gilt.
Den Pfarrer Johann Wilhelm Friedrich Lampert, Reiseschriftsteller und späterer Landtagsabgeordneter, animierte der damals noch junge Felsenkeller sogar zu einem Gedicht. Mit kleinem ironischen Einschlag reimte er: „Ja, ja, ein Felsenkeller ist’s/ Ringsum in schönen Räumen;/ und daß man Schatten nicht vermißt,/ bepflanzt mit jungen Bäumen;/ ein kühner Bau, ein Zeugniß neu/ dass Ippesheim im Fortschritt sei/ – Gilts Durst und frisches Trinken!“
Von da an betrieb die Familie Spöhrer neben der eigentlichen Wirtschaft am Marktplatz im Sommer das Ausflugslokal. Vom Frühjahrs- bis zum Herbstmarkt herrschte jeden Donnerstag und jeden Sonntag munteres Treiben dort. Schumann zeigt vor Ort noch den ebenen Streifen an dem Ranger, auf dem die Kegelbahn stand, und ist überzeugt, dass einige der dickeren Bäume den Gästen noch Schatten spendeten.
Jeden Donnerstag fanden Bauerntreffen statt. Noch einmal Reizlein: „An den Donnerstagen schwangen die Bauern eine leichte Haue auf den Schultern, sorgten erst dafür, dass das Gesinde genügend Arbeit hatte, beguckten dann einige Äcker, um dann gegen 3 Uhr nachmittags beim Felsenkeller Einkehr zu halten.“ Diese Bauerntreffen blieben bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 eine liebe Angewohnheit.
Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 machten sich die Ippesheimer und Ippesheimerinnen noch an den Sonntagen zum Felsenkeller auf. „Man kam ja sonst nicht fort“, mutmaßt Schumann. Und die Bevölkerung Ippesheims sei mit zahlreichen Knechten, Mägden und Tagelöhnern um einiges zahlreicher gewesen als heutzutage. Seine Mutter hatte ihm erzählt, dass ihr Bruder Heinrich alleine mit dem Aufstellen der Kegel ein hübsches Taschengeld verdiente, das schließlich sogar für den Kauf eines Fahrrads reichte.
Am Kriegsende 1945 wurde der Felsenkeller durch Artilleriebeschuss der US-Amerikaner beschädigt. 1964 verkauften Schumanns Eltern die Ruine an den Würzburger Theodor Bernreuther. Der hatte wohl noch einmal Pläne für das Gebäude. Davon zeugen Eisenträger und Betonschalungen in den Gewölbegängen. Doch er hatte keine Baugenehmigung – das Landratsamt, damals noch in Uffenheim, stellte den Bau ein.
Die Kegelbahn wurde noch einige Zeit weiter genutzt. Die Evangelische Landjugend (ELJ) veranstaltete bis in die 1970er Jahre hinein ein Hähnchenessen an dem Hang. Doch nachdem ein Sturm die Funken eines großen Feuers bis ins Dorf getragen hatte, hatte auch das ein Ende gefunden. Der „Felsenkeller“ erfüllt aber immer noch eine Funktion, denn er wird von Fledermäusen als Winterquartier genutzt. Damit die Tiere nicht aufgeschreckt werden und wertvolle Energie verlieren, darf man ihn nicht betreten.