Günter Winkler aus Burgbernheim ist ein Macher. Einer, der nicht lange fragt, sondern die Arbeit sieht und erledigt. Über 40 Jahre war er für die Stadt Burgbernheim tätig, seit 1993 arbeitete er als Wasserwart – und das mit purer Leidenschaft und vollem Einsatz. Nun verabschiedete er sich in den Ruhestand.
Damit endet in Burgbernheim eine Ära. 55 Jahre lang lag die Wasserversorgung der Kommune in den Händen der Winklers. Denn vor Günter Winkler hatte dessen Vater Gottfried das Amt des Wasserwartes inne. Schon als Kind bekam Günter Winkler die Arbeit seines Vaters mit. „Ich bin teils von der Schule heim und dann mit auf die Baustellen. Einfach, weil es mich interessiert hat.“
Dass der Sohn den Posten eines Tages übernehmen würde, das sei irgendwann einfach klar gewesen, erzählt Günter Winkler, der zuvor seit Mai 1980 als Mitarbeiter im Burgbernheimer Bauhof beschäftigt war. Wiederum davor hatte der heute 65-Jährige eine Ausbildung als Schlosser absolviert und erste Berufserfahrungen in einer Burgbernheimer Firma gesammelt.
Als Wasserwart war Winkler für die komplette Wasserversorgung im Stadtgebiet und in den Ortsteilen zuständig. „Von der Gewinnung des Wassers über die Brunnen bis zur Verteilung ins Haus hinein“, erzählt er. „Komplett.“ Von den Brunnen wird das Wasser in einen Saugbehälter gepumpt, der täglich kontrolliert und die Wassermenge entsprechend dokumentiert werden muss. Gleiches gilt für zwei Hochbehälter. Anhand der Kontrollen lasse sich feststellen, ob ein Rohrbruch vorliegt.
Mit der Ausweitung der Neubaugebiete wuchs auch der Verantwortungsbereich. Zahlreiche Projekte begleitete Winkler in seiner Position. Zudem betreute der heute 65-Jährige die Mietshäuser der Stadt, kümmerte sich um verschiedene Reparaturen – auch außerhalb des Wasserbereichs. Über 20 Jahre lang war er außerdem Sicherheitsbeauftragter für die Kinderspielplätze. Regelmäßig sorgte er sich auch um das Tretbecken der Stadt. Seine Aufgaben werden nun auf mehrere Schultern verteilt, erzählt Günter Winkler.
Die Vielseitigkeit ist es, die Winkler besonders an seinem Beruf geschätzt hat. Kein Tag glich dem vorherigen. Zudem gefiel ihm die Freiheit in seinen Entscheidungen und seiner Zeiteinteilung. „Meine Arbeit hat mir bis zum Schluss Spaß gemacht“, sagt der handwerklich Begabte, der es nie bereut hat, so lange den Posten auszufüllen. Die Gegebenheiten haben sich über die Jahre entwickelt. „Sonst hast du die Rohrbrüche teilweise noch mit den Händen rausgehoben. Jetzt fährst du halt mit dem Bagger hin.“ Eine deutliche Erleichterung.
Ein Team hatte Winkler nicht um sich herum. „Ich war Einzelkämpfer“, wenngleich beispielsweise bei Rohrbrüchen der Bauhof durchaus dazuhalf. Schwer war der Arbeitsalltag zu planen: „Du nimmst dir etwas vor, aber wenn ein Notfall reinkommt, hat das Priorität.“
In der Stadt ist Winkler bestens bekannt, seine Arbeitsrufnummer war im Telefonbuch zu finden, was es den Bürgern leicht machte, ihn zu erreichen. „Die haben auch Sonntag angerufen. Da hatte ich aber auch nie ein Problem damit.“ Wochenende? Für Winkler ein Fremdwort. „Ich hab schließlich jeden Samstag und Sonntag meine Kontrollgänge machen müssen.“ Auch im Urlaub stand das Telefon nicht still.
Fiel Arbeit an, hat Winkler nicht lange diskutiert oder gefragt – sondern sie eben erledigt. Eine Eigenschaft, die heutzutage schwer zu finden ist, findet der Wasserwart. „Das ist auch eine Einstellungssache. Ich war immer zu 200 Prozent hinter meinem Job gestanden. Das war bei meinem Vater schon so. Wie man es halt von den Alten lernt“, sagt er. „Entweder man macht eine Sache gescheit oder eben gar nicht. Murks hat es bei uns nicht gegeben.“
Jemanden, der sich heute noch so in seinen Beruf reinhängt, zu finden? „Schwer. Das gibt es eigentlich nicht mehr.“ Doch Burgbernheim ist seine Kommune, dort ist er aufgewachsen und verwurzelt. Jene, die „nur“ hier arbeiten, steigen abends wieder ins Auto und fahren nach Hause, sagt Winkler. „Dann ist bei ihnen Feierabend. Das gab es bei mir nicht. Ich habe eigentlich nie abgeschaltet. Der Film ist durchgelaufen.“
„Meine Frau sagt immer, dass bei mir erst der Job und dann die Familie gekommen ist. Und ja, wahrscheinlich hat sie da auch ein bisschen Recht.“ Viel Verständnis brachten Karin Winkler und die beiden Söhne auf, nahmen Abstriche in Kauf. Manchmal war das durchaus schwierig.
„Das war halt seine Leidenschaft. Dann unterstützt man das natürlich“, sagt die Ehefrau, die sich etwa an einen Heiligen Abend erinnert, als sie mit dem ersten Sohn schwanger war. Eigentlich wollten beide in den Gottesdienst, stattdessen verbrachte Günter Winkler den Abend beim Rohrbruch des Nachbarn – stets zur Stelle, wenn Hilfe nötig war. „Das war halt einfach meins. Ich hab es gemacht, als ob es mein Unternehmen gewesen wäre.“
Nach vielen Jahren voller beruflicher Leidenschaft wird ihm nun im Ruhestand bestimmt etwas fehlen. Doch auch etwas Erleichterung schwingt mit. „In dem Job hast du schon eine große Verantwortung für die Bürger. Den machst du nicht einfach nebenbei mit.“ Seine Freizeit weiß Winkler dennoch zu füllen, beispielsweise mit seinen Oldtimern. Autos, Motorräder und Traktoren gehören zum Winkler’schen Fuhrpark. Und das Wichtigste: „Einigermaßen gesund alt werden.“