Ehepaar aus Eschenbach feiert Gnadenhochzeit: Seit 70 Jahren Seite an Seite | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.09.2025 07:00

Ehepaar aus Eschenbach feiert Gnadenhochzeit: Seit 70 Jahren Seite an Seite

Ein Foto von der Hochzeit im Jahr 1955. (Repro: Ulli Ganter)
Ein Foto von der Hochzeit im Jahr 1955. (Repro: Ulli Ganter)
Ein Foto von der Hochzeit im Jahr 1955. (Repro: Ulli Ganter)

Um Gnadenhochzeit feiern zu können, müssen beide Partner ein hohes Alter erreichen: Gunda (94) und Martin (92) Redlingshöfer aus dem Markt Erlbacher Ortsteil Eschenbach haben das geschafft. Er hat sich etwa als Erbauer von Holzspielgeräten für den Spielplatz einen Namen gemacht. Aber stolz sind die beiden auf etwas anderes.

„Wir haben so tolle Kinder”, sagt Martin Redlingshöfer mehrmals während des Gesprächs. „Die tun wirklich alles für uns.” Alle drei sind auch ganz in der Nähe beheimatet: Helmut wohnt in Markt Erlbach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim), der jüngste Sohn Lothar im Ortsteil Eschenbach und die Tochter Lisa im Nachbarlandkreis. Sechs Enkel- und vier Urenkelkinder sind mittlerweile dazugekommen.

Martin Redlingshöfer stammt ursprünglich aus dem Landkreis Ansbach, Gunda ist gebürtige Eschenbacherin und trug bis zur Heirat den Namen Kammerer. Hochzeit wurde in ihrem Elternhaus gefeiert. Ein Bild zeigt die beiden Familien vor dem Haus, einem landwirtschaftlichen Anwesen. Ihr Vater war gleichzeitig Bürgermeister, deshalb war auch der Weg ins Standesamt nicht weit: Es lag im ersten Stock. Nachdem ihr Vater aber seine älteste Tochter noch selbst verheiratet hatte, gab er diese Aufgabe bei Gunda und Martin an seinen Stellvertreter ab und konzentrierte sich lieber auf seine Rolle als Brautvater.

Kennengelernt hatten sich die beiden durch die Arbeit in der Möbelfabrik Diebel in Markt Erlbach, wo er als Schreiner und sie in der Lackiererei arbeitete. Kirchweihen wurden besucht und kräftig getanzt. Nach einem Jahr wurde geheiratet. „Das war eine schöne Zeit”, erinnert sich Gunda Redlingshöfer.

Baugrube mit der Hand ausgehoben

Martin ergänzt: „Die Zeiten waren aber auch hart.” Drei Familien teilten sich in der ersten kleinen Wohnung ein Bad. Bald kauften die Redlingshöfers ein Grundstück. Das Ausheben der Baugrube habe damals 700 D-Mark gekostet. Bei einem Stundenlohn von 1,25 D-Mark war das sehr viel Geld. „So haben wir's mit Pickel und Schaufel selbst gemacht.” 1957 wurde das Haus bezogen, das auch weiterhin mit viel Eigenleistung hergestellt wurde.

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In der Folge musste Gunda häufig auf ihren Mann verzichten: Das lag an der Arbeit, denn der Schreinermeister musste oft auf Montage, das lag aber auch an dem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement von Martin Redlingshöfer, der dafür beispielsweise mit dem Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten geehrt wurde. So gehört er schon seit 76 Jahren der Feuerwehr an. Da so viele Männer im Zweiten Weltkrieg gefallen waren, leistete man schon ab 16 Jahren Feuerwehrdienst.

Als zweiter Vorsitzender im Heimatverein hatte er bei der Einrichtung des Markt Erlbacher Handwerkermuseums viel zu tun, für die Theateraufführungen der Volkstanzgruppe baute er die Bühne auf und gestaltete das Bühnenbild. Als einmaliges Erlebnis erinnert er sich an die 850-Jahr-Feier in Eschenbach und die Errichtung eines Steinbrunnens.

Geräte für den Spielplatz und Hilfe für Rehkitze

Besonders ist sein Name mit dem Spielplatz in Eschenbach verbunden, für den er zwölf Spielgeräte – ein Hubschrauber, ein Flugzeug oder eine Krokodilschaukel – aus Holz selbst baute und den er 42 Jahre lang betreute. „Es hat ihm schon weh getan, dass jetzt viele Geräte aus Kunststoff sind”, erzählt Gunda Redlingshöfer. Die Unikate, die viele Familien aus der weiteren Umgebung anlockten, konnten die heutigen Maßstäbe des TÜV nicht mehr erfüllen.

Gunda Redlingshöfer hatte besondere Freude daran, Rehkitze, die beim Mähen verletzt worden waren, aufzupäppeln. Zeitweise fuhr sie die Milch von damals noch 27 Lieferanten in Eschenbach zusammen. Ihren Anteil tauschte sie dann gegen Geißenmilch für ihre Pfleglinge. Für ein Reh, dem beide Hinterbeine abgemäht worden waren, baute Martin Redlingshöfer Holzprothesen. „Das war so schön. Das würde ich am liebsten heute nochmal erleben”, erinnert er sich an die Aufzucht der kleinen Rehe.

Dass beide feiern können, war nicht absehbar. Martin Redlingshöfer, der am 29. Mai 1933 geboren ist, wurde wie sein Zwillingsbruder Leonhard noch am selben Tag getauft, weil beide laut dem Doktor nicht lebensfähig seien. „Und jetzt bin ich 92 Jahre”, staunt er selbst. Gefeiert wird in der Tagespflege Emskirchen, die das Paar zur Abwechslung manchmal besucht. Briefe vom Bundespräsidenten, Ministerpräsidenten und dem Landrat liegen schon auf dem Tisch. Zu ihrem Fest kommen vermutlich noch ein paar weitere Glückwünsche dazu.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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