Toleranz heißt das Zauberwort für eine lange Ehe. Davon jedenfalls sind Gerda und Helmut Raab aus Stübach überzeugt. Seit 65 Jahre sind sie mittlerweile verheiratet und feiern am 29. April ihre Eiserne Hochzeit. Kennengelernt hatten sich die beiden einst auf der Münchsteinacher Kirchweih.
Helmut Raab ist Stübacher und seine Frau ist eine geborene Distler aus Hanbach. Schon vor besagter Kerwa in Münchsteinach hatten sich die beiden schon vom Sehen gekannt, grenzt Hanbach doch nahtlos an Stübach an. Doch es musste schon Münchsteinach sein, damit es zwischen den beiden funkte.
Die Hochzeitsglocken läuteten am 29. April 1960 allerdings wieder in der Heimatgemeinde – in der Sankt Bartholomäuskirche in Stübach. In den Folgejahren bekamen die Raabs drei Kinder, zwei Mädchen und einen Buben. Letzterer – Harald – übernahm den Bauernhof der Eltern im Jahr 1995 und bewirtschaftet ihn auch heute noch im Nebenerwerb. Helmut ist mittlerweile 91 Jahre und Gerda wird bald 87.
Die beiden Rentner sind ein bestens aufeinander eingespieltes Team. Schließlich war das Leben auf dem Bauernhof für beide arbeitsreich, zumal Helmut noch zusätzlich in der ehemaligen Glasfabrik arbeitete. Für Gerda hieß das, den Bauernhof tagsüber allein führen zu müssen.
Die Kühe mussten morgens und abends gemolken werden, auch ansonsten gab es im Stall und auf der Weide stets genug zu tun. Mittlerweile aber lassen es die Raabs deutlich langsamer angehen. „Man braucht ja im Alter für alles dreimal so lange“, sagt Gerda und seufzt ein wenig. Aber zu zweit bewältigen sie ihren Haushalt immer noch ganz gut alleine. Sie kochen gemeinsam und bereiten auch Frühstück und Abendessen immer zusammen vor. Zu zweit gehe eben alles besser, erklären sie.
Die Schwiegertochter übernimmt mittlerweile oftmals den Fahrdienst, da Helmut im vergangenen Jahr seinen Führerschein freiwillig abgegeben hat. Auch die Töchter, die beide in der Nähe von Stübach wohnen, helfen, wo sie können.
Gerda ist eine fleißige Zeitungsleserin. „Ich lese die Fränkische Landeszeitung von vorne bis hinten durch“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Aber auch Fernsehen zählt zu den Leidenschaften der beiden Rentner.
Das Reisen allerdings geht leider nicht mehr so gut wie früher, sagen die beiden,was allerdings nicht ganz so schlimm ist, waren sie doch früher viel unterwegs und haben viel gesehen. Auch jene Kirche in Rom, in der Papst Franziskus nun beigesetzt wird, kennen sie von innen, erzählen sie. Aber auch auf Madeira, Kreta oder Teneriffa waren sie schon und immer wieder auch auf Tour mit dem Bayerischen Bauernverband.
Die „Eiserne Hochzeit“ will das Jubelpaar heute möglichst gemütlich im Familienkreis feiern – der Besuch von Pfarrer und Bürgermeister ist freilich einkalkuliert. Schließlich wurde der 90. Geburtstag von Helmut Raab erst im vergangenen Jahr groß gefeiert und auch an Ostern kam die ganze Familie schon zusammen und für einige der neun Enkelkinder gestaltet sich die Anfahrt durchaus lang: Von Burghausen bis Hamburg sind sie in verschiedene Winkel der Republik verstreut.
Momentan ist das siebte Urenkelkind unterwegs. Die Raabs freuen sich darauf und sind dankbar, in ihrem Alter noch relativ gesund zu sein. „Freilich zwickt es manchmal schon ein bisschen, aber geistig wir beide noch topfit“, sagt Gerda Raab. „Wir wünschen uns, dass wir uns noch lange gesund und munter haben“.