Neugier wäre ein zu schwaches Wort, um Edmund Zöller zu beschreiben. Wissensdurst prägt das Leben des Ansbachers. Der Heimatforscher feiert am heutigen Donnerstag seinen 100. Geburtstag und ist weiterhin Kreisheimatpfleger. Eine seiner Ideen etwa brachte bundesweit das touristische Interesse an Mittelfranken in Schwung.
Am 6. März 1925 kam Edmund Zöller zur Welt. Er wurde in Dorfprozelten am Main zwischen Miltenberg und Wertheim geboren und war das neunte Geschwisterkind. „Meine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft und eine kleine Bäckerei“, erzählte er. „Mein Zwillingsbruder ist gestorben. Dann waren wir drei Mädchen und fünf Buben.“
Im Zweiten Weltkrieg wurde er Soldat. „Ich bin mit 18 eingerückt“, führte er vor einigen Jahren aus. Sein ältester Bruder, der Holzbildhauer Oswald Zöller, der Gedichte und heimatkundliche Abhandlungen schrieb, fiel 1943 im Krieg. Der junge Edmund Zöller ordnete den Nachlass, und „ich habe gesagt: Was er schriftlich gemacht hat, will ich, soweit ich kann, fortsetzen.“
Als Mann der Verwaltung wirkte Edmund Zöller zunächst am Landratsamt Miltenberg und wechselte 1952 zur Regierung von Mittelfranken in Ansbach. Mit 65 Jahren trat er in den Ruhestand. „49 Jahre war ich beim Staat beschäftigt“, erzählte der pensionierte Beamte vor seinem 95. Geburtstag.
Als Edmund Zöller vom Main an die Rezat gekommen war, „habe ich mit dem Fahrrad die ganze Umgebung erkundet“. Er heiratete seine inzwischen verstorbene Ehefrau Hildegard, die eine gefragte Organistin in den Kirchen in und um Ansbach war. Die Zöllers bekamen zwei Töchter, und die Familie zählt fünf Enkelkinder.
Von Zöllers Aufsätzen, Faltblättern und Büchern zur Heimatgeschichte profitieren Forscher nach wie vor. Die vier Bücher über Wehrkirchen wurden weit über Franken hinaus eine beliebte Lektüre, und er entwarf das Konzept für die Fränkische Wehrkirchenstraße.
Sein Gedanke: „Wir haben eine Burgenstraße, und wir haben eine Romantische Straße – warum nicht eine Fränkische Wehrkirchenstraße?“ 1960 hatte ihn ein Zeitungsartikel zur Wehrkirche in Fiegenstall bei Pleinfeld auf das Thema gebracht. Es „hat mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr losgelassen“.
Die Mittelfränkische Bocksbeutelstraße zählt gleichermaßen zu den Ideen des Jubilars und ist einer der anderen Meilensteine seines Wirkens, auf die er zurückschauen kann. Sie stieß in ganz Deutschland auf Widerhall – und steigerte das touristische Interesse an den mittelfränkischen Weingefilden.
Ebenfalls weithin bekannt ist Edmund Zöllers Engagement im Frankenbund. Von 1977 bis 2002 amtierte er als zweiter Vorsitzender der Gruppe Ansbach. Dieses Amt hatte er ehedem „wider Erwarten“ erhalten, wie er einmal betonte.
Seit 1992 ist er Kreisheimatpfleger im Landkreis Ansbach. Als sein Motto formulierte der Geschichtskenner einst die Worte „Heimat kennenlernen – Heimat erleben“. Er bringt Menschen die Historie gerne näher. Davon zeugen zum Beispiel zahlreiche Bustouren oder über 1600 Diavorträge. Sein Archiv im Haus enthält wertvolle Dokumente.
2021 beteiligte sich der damals 96-Jährige an der FLZ-Aktion „800 Ideen für Ansbach“. Anlass der Aktion war, dass Ansbach vor vier Jahren seine 800 Jahre als Stadt feierte. Zöllers Thema: Er möchte die Kommune mit einem weiteren Beinamen schmücken: Vier-Täler-Stadt.
Seine Ausstellung „30 Jahre Fränkische Wehrkirchenstraße“ war zum Beispiel in Ansbachs Stadthaus oder im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim zu sehen.
Edmund Zöller kann als Forscher auf ein Jahrhundertleben blicken. Man zeichnete ihn für all seine Verdienste mehrfach aus: zum Beispiel mit dem Ansbacher Stadtsiegel von 1532, dem Frankenwürfel oder dem Bundesverdienstkreuz.
„Das Ganze hat mir halt immer Spaß gemacht“, fasste er sein Tun bescheiden zusammen. Für den 100-Jährigen besteht kein Grund, sich auszuruhen. Sein Wissensdurst lässt sich einfach nicht stillen.