In jungen Jahren hatte Johann Neubeck mit Alkohol nicht viel am Hut. Als er noch ein Jugendlicher war, so berichtet er, hatte ihn ein Bauer mal ordentlich abgefüllt. Auf dem Heimweg landete Neubeck dann buchstäblich auf der Nase und richtete sein Gesicht dabei so übel zu, dass er erst einmal genug hatte vom Hochprozentigen.
Das änderte sich erst, als er dann Jahre später, etwa mit 30, seine Jägerprüfung ablegte. Da gehörte der Schnaps zu den Weidmanns-Ritualen. Und Neubeck wollte nicht nachstehen. Das dargereichte Zwetschgenwasser war jedoch nicht sein Geschmack. Aber einen Whisky, den konnte man sich schon mal gönnen, fand Johann Neubeck.
Die Jagd war Hobby. Von Beruf war Neubeck Malermeister. Das Fliesenlegen hatte er ebenfalls gelernt, ein Handwerker durch und durch. Die dabei nötige Sorgfalt und Präzision kommt dem inzwischen 73-jährigen Oberscheinfelder nun auch bei der Lieblingsbeschäftigung der letzten Jahre zugute. Neubeck ist, wie er es selbst nennt, „Whiskymacher“.
Die Idee dazu war eine gemeinschaftliche. Brauer Hans Rückel, der in Oberscheinfeld die Mineralwasserfirma betrieb und noch ein klein wenig älter ist als Neubeck, fragte vor so gut zehn Jahren: „Was machen wir im Ruhestand?“ Auf Whisky konnten sich die beiden schnell verständigen. Whisky und Bier liegen nicht so weit auseinander. „Die Maische ist die gleiche, nur ohne Hopfen“, sagt Neubeck.
Rückel besorgte die Gerätschaften, Neubeck wurde als Brenner eingetragen. Dass da genau drinsteht, wer das Brennen übernimmt, ist einer der strengen Formalien, die für Alkoholproduzenten gelten, erklärt der Whiskymacher.
Allerdings: Für Whisky braucht man Zeit. Viel mehr Zeit als für Bier. „Wer keine Zeit hat, sollte mit dem Brennen gar nicht erst anfangen“, findet Neubeck. Drei Jahre etwa sollte Whisky reifen – genauer: „Drei Jahre und ein Tag“. Und zwar in Holzfässern. „Whiskymachen ist Fass-Management“, sagt Neubeck. Er verwendet Eichen-, Sherry- und Rotweinfässer, füllt seine edlen Tropfen zu gegebener Zeit vom einen ins andere um.
Als Rückel und Neudeck also vor zehn Jahren mit dem Whisky begannen, hieß es zunächst warten. Eben jene drei Jahre, bis die Premierenflaschen abgefüllt werden konnten. Doch dieser erste Lohn der Mühen war kaum geerntet, da ereilte Rückel ein Schicksalsschlag, ein Unfall, der ihn außer Gefecht setzte und von dem er sich nicht wieder erholte.
Neubeck konnte zwar mit Rückels Gerätschaften weiterarbeiten. Eine Lösung auf Dauer war das aber nicht. Neubeck investierte in einen Lehrgang zum staatlich geprüften Schnapsbrenner, obwohl man das nicht sein muss, um Schnäpse zu brennen. Aber es sei schon ein Qualitätsmerkmal, findet er. Nach anderthalb Jahren Kurs im Blockunterricht in Veitshöchheim und Landshut war Neubeck mit seinen damals 70 Jahren unter den knapp zwei Dutzend Teilnehmern der älteste.
Von einem Kurskollegen erwirbt er eine gebrauchte, etwa 140 Liter fassende Brennanlage, die er bei sich zu Hause im Garagentrakt einbaut. Sie wird mit Holz befeuert, was etwas kniffliger ist im Vergleich zu moderneren, präzise steuerbaren Anlagen.
Um eine eigene Destille genehmigt zu bekommen, musste Neubeck noch eine Bedingung erfüllen: Er brauchte drei Hektar land- oder forstwirtschaftlicher Fläche, hatte davon jedoch selbst nur rund die Hälfte. Da habe ihm die Marktgemeinde unter die Arme gegriffen, berichtete der Whiskymacher; sie verpachtete ihm anderthalb Hektar Streuobstbestand. Obst braucht man für Whisky zwar gar nicht (er wird aus Getreide, meist Gerste, gebrannt), aber das wiederum spielt für die Lizenz keine Rolle, erklärt Neubeck.
Fünf, sechs Mal im Jahr schürt er seine Anlage an. Davor muss er dem Zoll uhrzeitgenau Bescheid geben, von wann bis wann er wie viel brennt und wie viel reiner Alkohol dabei rechnerisch herauskommt. Für jeden Liter werden gut zehn Euro Steuern fällig. Innerhalb von drei Jahren darf die kleine „Steigerwald-Destille“ – so Neubecks eigene Bezeichnung – insgesamt nicht mehr als 900 Liter reinen Alkohol produzieren.
Sein Malz beziehungsweise sein Getreide bezieht Neubeck vom Fachhandel in Zirndorf und Bamberg. Er greift nicht nur zur Gerste; in seinem Lager reift etwa gerade auch ein Fass mit Dinkel als Grundstoff. Gebrannt wird immer mehrere Tage am Stück. An einem davon kommt mit ähnlicher Gewissheit wie das Amen in der Kirche der Zollkontrolleur, aber immer unangemeldet.
Für gewöhnlich beginnt Neubeck um 7 Uhr morgens. Nach drei Stunden ist der Kessel für den ersten Brennvorgang, im Fachjargon Abtrieb genannt, heiß genug. Das Brennen ist dann in gut einer Stunde bewerkstelligt. Für den zweiten Abtrieb und eventuell noch für einen dritten am Tag (er darf maximal so viele machen, wie er angemeldet hat) ist die Vorbereitungszeit dann deutlich kürzer. Der Kessel ist da ja schon auf Temperatur.
Dass sich die Resultate sehen und munden lassen können, wurde Neubeck sozusagen offiziell bestätigt. Voriges Jahr stellte er zwei seiner Whiskys bei der Prämierung des Fränkischen Brennerverbands an. Der eine wurde in die Kategorie Silber, der andere gar als Gold eingestuft. Heuer bei der alle zwei Jahre stattfindenden bayernweiten Prämierung, ließ er sechs Brände bewerten – dreimal Gold und einmal Silber. Eines der Gold-Produkte war dabei ein Gin; den Wacholderschnaps hat Neubeck vor geraumer Zeit für sich entdeckt.
Meist hat er beim Brennen Zaungäste. Sie sorgen auch etwas für absatzfördernde Mundpropaganda. Die runde Zahl von zehn Jahren, in denen sich Neubeck nun schon der Whiskymacherei widmete, sind ein Anlass für etwas Besonderes. Deshalb öffnen sich die Pforten der Destille am Wochenende 31. August und 1. September (jeweils ab 10 Uhr) für die Allgemeinheit. Gebrannt wird an diesen Tagen allerdings nicht; Neubeck will seine Aufmerksamkeit den Gästen widmen.