Sie sind die heiligen drei Bierkönige aus dem Abendland und bringen Kronkorken, gute Laune und Bier. Der Wahl-Burghaslacher David Hertl und der „Bierschoff” hatten Besuch von einem Social-Media-Star: Kronkorken-Frank. Der hatte denn auch ein Unikat für Hertl dabei: eine Weste mit über 700 blau-grünen Kronkorken, sieben Kilogramm schwer.
Brauer David Hertl ist ein verrückter Vogel. Seine Braumanufaktur im Schlüsselfelder Ortsteil Thüngfeld (Landkreis Bamberg) zieren riesige Gemälde-Portraits seiner Familie, die Biersorten nennt er „Muttis Sonnenschein” oder „Papas Weißheit”. Bekannt geworden ist er für seine schrillen Ideen – zu Corona-Zeiten versorgte der Bier-Bomber auch im Lockdown Menschen mit dem fränkischen Grundnahrungsmittel und Hertl braute bierigen Impfstoff. Der Wahl-Burghaslacher erreichte auch mit skurrilen Fernsehauftritten Bekanntheit.
Eines Tages wurde der Brauer in den sozialen Medien auf einen Mann aus Niedersachsen aufmerksam. Der beklebte in seiner Wohnung ganze Böden und Wände mit Kronkorken. Frank Zeidler (58), besser bekannt unter seinem Internet-Pseudonym „Kronkorken-Frank”. „Ich bin ein riesiger Fan, ein richtiger Kronkorken-Frank-Ultra”, bekennt Hertl. Und als er erfuhr, dass Zeidler ohnehin für einen Videodreh von Niedersachsen – aus Nienburg, zwischen Bremen und Hannover – nach Bayern reiste, lud Hertl ihn ein. Der 58-Jährige sagte zu: Thüngfeld, für Frank Zeidler die erste und bislang auch einzige Brauerei-Station in ganz Franken.
Der Kronkorken-Frank wirkt im ersten Moment wie ein schräger Sammler-Typ, der sich auf Kronkorken, Zigarettenschachteln und Suppentütenverpackungen spezialisiert hat. Doch Zeidler ist auf einer Mission unterwegs und hat eine klare gesellschaftliche Botschaft: „Ich kämpfe für die Angehörigen-Pflege in Deutschland.”
Elf Jahre lang kümmerte er sich um seine demenzkranke Mutter, „ich bin durch die Hölle gegangen”. Nachts konnte er nicht mehr schlafen, aus Angst, es könnte etwas passieren. Die Freunde wendeten sich ab, weil er seine Mutter nicht alleine lassen konnte. Auf dem Totenbett habe er ihr versprochen, sein Bernstein-Kronkorkenzimmer zu vollenden. Und der 58-Jährige hielt Wort.
Der Raum ist fertig, über 130.000 Kronkorken aus 37 Ländern der Welt hat er an die Wand geklebt. Für ihn ist das wie Meditation. Und er hat Laser installiert, um spezielle Shows für Demenzkranke veranstalten zu können. Deshalb will er nun auch 21.000 Kronkorken auf dem Fußboden tauschen, damit diese später leuchten können. Denn der Name Bernsteinzimmer, wie er seinen Sammlerraum nennt, rührt daher, dass angestrahlte Kronkorken wie Bernstein glänzen.
Gleich neben dem Eingang links, erzählt Zeidler, hängen auch die Hertl-Kronkorken, die David Hertl ihm geschickt hatte. Denn Kronkorken-Frank ist auf Zulieferer angewiesen: „Ich bin seit 1991 trockener Alkoholiker”, er rührt kein Bier mehr an. Aus Kuba, China, Südkorea oder Japan erreichten ihn schon Flaschenverschlüsse.
Diese Art der kreativen Innengestaltung ist durchaus eine Herausforderung. Die Exponate müssen erst gefüllt werden, damit der Kleber hält. An seiner Spezialmischung, ein Mix aus drei Klebern, hat Frank Zeidler zwei Jahre lang geforscht. „Das ist mein Betriebsgeheimnis.” Nur so viel verrät er: „Ich habe einen Mittelklassewagen von Mercedes nur in Kleber investiert.”
Im Flur hat er Zigarettenschachteln an die Wände geklebt, „mit einem Gegenwert von 35.000 Euro”. Sogar Marlboro in Gelb sind dabei, „die gibt es nur in Brasilien”. In einem anderen Raum hängen 3800 Tütensuppen-Verpackungen, teilweise doppelt, denn so viele verschiedene Arten und Sorten gibt es gar nicht. Nur der Pool aus Kronkorken hat letztlich nicht geklappt. „Der ist in der Mitte auseinandergebrochen.”
Wirklich berühmt wurde der Kronkorken-Frank aber vor allem durch seine eigenwilligen Modekreationen. Er klebte Kronkorken und Zigarettenschachteln einfach auf Anzüge, Westen oder Hüte. Für David Hertl hat er, wie alle seine Stücke einmalig, zwei Unikate dabei: eine Weste, verziert mit 700 Hertl-Kronkorken (Gewicht: sieben Kilogramm) und eine ebenso auffällige Cap. „Das ist eine Ritterrüstung, nur für den Brauer”, zeigt sich Hertl schwer begeistert. „Die gibt es weltweit nur einmal und wird es auch nie ein zweites Mal geben”, ergänzt Frank Zeidler.
Der hat schwere Zeiten hinter sich. Nicht nur der Tod seiner Mutter belastet ihn, sondern auch der Hass, der ihm anfangs auf den Sozialen Medien entgegenschlug. Die Münchner Musikerin „Cello” holte ihn aus dem Loch und überzeugte ihn, weiterzumachen: „Ohne sie würde es den Kronkorken-Frank heute nicht mehr geben.” Zum Song „Take your Time“ vom Duo „Azuur & Cello“ tanzt er mit Sonnenbrille und in einem selbst gebastelten Zigarettenschachtel-Anzug. Das Video wurde bei TikTok und Instagram millionenfach geklickt.
An jenem Tag, an dem er auch Franken besucht, ist der Kronkorken-Frank auf dem Weg zu einem weiteren Videodreh nach Ingolstadt. „Da habe ich einen Auftritt mit meinem Anzug für das neue Album der deutschen Rockband Stereons.” Doch zuvor wird es noch weihnachtlich. Frank Zeidler wird gemeinsam mit David Hertl und dem Bierschoff, der um seinen bürgerlichen Namen ein Geheimnis macht, zum heiligen Bierkönig. Hertl präsentiert seine Krippe mit Bierflasche als Jesus-Kind. Alle posieren natürlich im Kronkorken-Dress. Für den Kronkorken-Frank geht ein Traum in Erfüllung.
Bleiben nur noch zwei Wünsche offen: „Mein größter Traum ist es, ins BigBrother-Haus einzuziehen.” Und er würde gerne sein Elternhaus kaufen und komplett mit Kronkorken einhüllen. Die Berechnungen sind schon fertig: „Ich brauche dafür ungefähr 6,7 Millionen Kronkorken und fünf Tonnen Kleber.”