Dreharbeiten in Leutershausen: Neuer Blick auf Weißkopf-Geschichte | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.01.2026 07:00

Dreharbeiten in Leutershausen: Neuer Blick auf Weißkopf-Geschichte

Dreharbeiten im Flugpionier-Museum: Die US-amerikanischen Filmemachenden Lisa Molomot und Jeff Bemiss arbeiten an einer Dokumentation, in deren Mittelpunkt Gustav Weißkopf stehen wird. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Dreharbeiten im Flugpionier-Museum: Die US-amerikanischen Filmemachenden Lisa Molomot und Jeff Bemiss arbeiten an einer Dokumentation, in deren Mittelpunkt Gustav Weißkopf stehen wird. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Dreharbeiten im Flugpionier-Museum: Die US-amerikanischen Filmemachenden Lisa Molomot und Jeff Bemiss arbeiten an einer Dokumentation, in deren Mittelpunkt Gustav Weißkopf stehen wird. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

In Deutschland wird der Name Gustav Weißkopf inzwischen oft schon in einem Atemzug mit den Wright-Brüdern genannt. In den USA ist das anders: Dort kennt kaum jemand den in Leutershausen geborenen Flugpionier. Eine neue Doku soll das ändern. Zu Dreharbeiten kamen zwei Filmemachende aus Amerika nicht nur ins Weißkopf-Museum.

Lisa Molomot und Jeff Bemiss, beide erfahrene Dokumentarfilmende, trafen sich im US-Bundesstaat Connecticut. Dort, in der Stadt Bridgeport, fand Gustav Weißkopf (1874-1927), nachdem er in den späten 1890er Jahren ausgewandert war, eine neue Heimat. Und dort kämpft seit Jahrzehnten der frühere Schullehrer Andy Kosch um Anerkennung für den mutmaßlich ersten gesteuerten Motorflug der Geschichte.

Den soll Gustave Whitehead, wie sich der Franke in Amerika nannte, gut zwei Jahre vor den Wright-Brüdern absolviert haben, am 14. August 1901. Davon ist Kosch wie viele andere Luftfahrtexperten überzeugt. Doch Weißkopf war ein armer Tüftler, der mit den wohlhabenden und viel besser vernetzten Wrights nicht mithalten konnte. Sie dokumentierten und vermarkteten ihren Flug im Dezember 1903 in North Carolina wesentlich besser.

Mit 86 noch ein Fallschirmspringer

Andy Kosch, inzwischen 86, arbeitet unermüdlich daran, Weißkopfs Pioniertat zu belegen. Den beiden Filmenden zufolge baut er gerade an der dritten flugfähigen Replik des legendären Fluggerätes Nummer 21. „Er will mit der 21D fliegen”, sagt Jeff Bemiss, der selbst in Connecticut lebt. Trotz seines hohen Alters sei der Rentner immer noch ein Draufgänger, der eben erst wieder einen Fallschirmsprung absolviert habe.

Weißkopf und Kosch – „zwei Träumer”, die Molomot und Bemiss zu ihrem gemeinsamen Filmprojekt inspirierten. Sind sie selbst von Weißkopfs Erstflug überzeugt? „Es gibt schon viele Belege und Indizien”, sagen die beiden – aber die offenen Fragen machten die Geschichte ja erst spannend. Sie lebe von den Zweifeln und den Widersprüchen ebenso wie von den technischen Fakten. „Wir sind dazu übergegangen, immer dem zu glauben, mit dem wir zuletzt gesprochen haben”, schmunzelt Jeff Bemiss. „An einem Tag sind wir überzeugt, am nächsten wieder nicht”, sekundiert Lisa Molomot.

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Auf eine Seite schlagen will sich das Duo ohnehin nicht. In ihrer Dokumentation werden die beiden auch Wright-Anhänger zu Wort kommen lassen, unter anderem einen Experten aus England. Und auch mit einem Vertreter des Deutschen Museums in München haben sie schon gesprochen. Diese Institution ist seit jeher Weißkopf-skeptisch.

Vorwurf der Geschichtsklitterung

Das hat Kritikern zufolge auch mit der engen Assoziation der Münchner mit dem Smithonian Institute zu tun – jener Forschungseinrichtung in Washington, D.C., in deren Luftfahrtmuseum der Wright-Flieger im Mittelpunkt steht und die einen von Kosch ans Licht gebrachten, dubiosen Vertrag mit den Nachfahren der Brüder Wilbur und Orville Wright geschlossen hat. Von Geschichtsklitterung ist in diesem Zusammenhang immer wieder die Rede.

„Wir folgen den Drehungen und Wendungen, um aufzudecken, wie die Frühphase der Luftfahrt manipuliert wurde”, schreiben Molomot und Bemiss im Exposé zu ihrem Film. „Es ist eine faszinierende Geschichte. Wir mögen das Mysterium, das dahinter steckt”, sagt die Filmemacherin, die begeistert ist, wie viele Leute 125 Jahre später noch suchen und forschen nach denen, die damals den Menschheitstraum vom Fliegen verwirklichten.

John Brown bringt Beweise ans Licht

Einer von ihnen ist John Brown, der seit vielen Jahren der Weißkopf-Forschung frischen Wind verleiht. Die Flughistorische Forschungsgemeinschaft (FFGW) in Leutershausen trat lange Zeit auf der Stelle, bis der aus Australien stammende Luftfahrtexperte und Historiker aus digitalen Quellen unermüdlich ein Beweisstück nach dem anderen ans Licht förderte. Ihn interviewte das Filmteam ebenso wie Hermann Betscher.

Der Leutershäuser war und ist einer der Protagonisten der FFGW und wirkte in den 1990er Jahren am Bau des Modells 21B mit – dem heutigen Mittelpunkt des Weißkopf-Museums. Die so originalgetreu wie möglich konstruierte Replik erbrachte 1997 am Flugplatz in Manching nach Überzeugung der Forschenden den Beweis dafür, dass Weißkopfs fledermausähnliche Konstruktion tatsächlich flugtauglich war.

Der Motor sorgt nach wie vor für Rätsel

Darauf deuten auch die Ergebnisse einer Masterarbeit von Bachelor Quirin Hoesch hin, der 2022 an der Hochschule München die Tragflächen des Modells 21 gründlich untersucht hatte. Er zählt zu den Studierenden von Professor Dr. Ing. Klemens Rother, die sich intensiv mit verschiedenen Details der Weißkopf-Technik auseinandersetzen. Auch Rother und seine Mitstreitenden werden in dem Film eine tragende Rolle spielen – und somit auch die wohl größte noch offene Frage in der Forschung: Die nach dem Motor und dem Antriebsmedium, das Weißkopf einst verwendete.

Gerne hätten die Amerikaner auch mit Nachfahren von Gustav Weißkopf gesprochen, um mehr über dessen Kindheit und Jugend in Franken zu erfahren. Doch von ihnen habe niemand für ein Interview zur Verfügung gestanden, berichtet Museumsleiterin Dr. Laura Gebauer. Sie begleitete die dreitägigen Dreharbeiten in Leutershausen.

Wann die fürs Kino konzipierte Dokumentation zu sehen sein wird, ist offen. Frühestens 2027, prognostiziert Jeff Bemiss. Man wolle auf jeden Fall ein weiteres Mal an die Hochschule München kommen, um die Fortschritte der dortigen Forschungsarbeit zu dokumentieren. Bemiss: „Wir haben den Luxus, dass wir uns so viel Zeit nehmen können, wie wir möchten.”


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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