Die Schwedischen Trommler und Pfeifer der Dinkelsbühler Kinderzeche feiern in diesem Jahr ihr 100. und die Rauschpfeifen ihr 40. Jubiläum. Anlässlich des Geburtstags wurde jetzt im Haus der Geschichte eine eigens erstellte Broschüre präsentiert, eine Ausstellung eröffnet und Ernst Metzger hielt einen Vortrag, der auf großes Interesse stieß.
Seinen Streifzug durch die Geschichte der Gruppe hatte Metzger unter das Motto „Wie wir wurden, was wir sind“ gestellt. Der Ursprung der Trommler und Pfeifer liegt im Dinkelsbühler Arbeiterturnverein. Dort gründete sich 1923 auf Initiative von Karl Hallmann, Sigo Levite und Hans Riedel ein Spielmannszug.
Dieser wurde 1925 vom Kinderzech-Festspielausschuss aufgefordert, die Aufführung des Schwertertanzes musikalisch zu begleiten. Oberlehrer Joseph Greiner hatte die Noten hierzu aus dem Archiv des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg besorgt.
Die Schwertertanz-Musiker waren von Anfang an Teil des schwedischen Kriegsvolks und entsprechend gekleidet, wobei die weißen Schlapphüte besonders auffällig waren. Seit 1926 sind die Trommler und Pfeifer bei der Stadtübergabe dabei.
Bei den Aufführungen zur 1000-Jahr-Feier 1928 gehörte der Schwertertanz bereits zu den offiziellen Programmpunkten. Auch den Zunfttanz der Leineweber, der seither zum Repertoire der Zunfttanzgruppe gehört, begleiteten die Trommler und Pfeifer.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Spielmannszug aufgelöst und den Musikern wurden die Instrumente weggenommen, hieß es in dem Vortrag. Nach dem Zweiten Weltkrieg startete man 1946 mit einer „bescheidenen Kinderzeche“, bei der die Zunfttanzgruppe lediglich mitmarschieren durfte. Erst als Karl Hallmann aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, formierte sich 1948 die Trommler-Pfeifer-Gruppe nach Bemühungen des Bürgermeisters Karl Ries und des Festspielvorstands Max Börner neu. Bei der Uniformausgabe 1949 waren sieben Pfeifer und drei Trommler. Es gab Rock, Hose, Schuhe und Strümpfe.
Ab 1955 nutzten die Schwedenmusiker die moderne Audiotechnik und die Musik bei den Tänzen des Zunftreigens erklang vom Tonband. Nur beim Schwertertanz, Nachspiel und Umzugsmarsch blieb es bei der Live-Pfeifermusik. 1970 bekundete Gymnasiast Hartmut Weber seine Lust am Pfeifen. Eine Gruppe von Mitschülern schloss sich an und verstärkte das Trommler-und-Pfeifer-Korps – darunter der heutige Gruppenchef Friedrich Weber und der Trommler Roland Kechelen. Ab 1975 wurde die kritisierte Tonbandmusik abgeschafft und die Trommler und Pfeifer übernahmen wieder komplett. Martin Lauer hatte die Noten neu geschrieben.
In den 1970er Jahren traten Trommler und Pfeifer zusammen mit dem Zunftreigen als Mitgestalter der Städtepartnerschaft mit Guérande auf. Die sangeslustigen Franzosen ließen ihre Lieder ertönen und verlangten von den Gästen ein Volkslied. Verbürgt sei, dass die Dinkelsbühler mitten im Sommer „Stille Nacht“ anstimmten, hieß es augenzwinkernd.
1985 wurde auf Initiative von Bernhard Rieck und Ernst Metzger die Rauschpfeifen-Formation gegründet. Diese brachte die mittlerweile längst etablierte Musik des 30-Jährigen Kriegs ins Schwedenlager.
In der eigens zum Jubiläum erstellten Broschüre kann über den Besuch der Steuben-Parade in New York mit dem Treffen von Pfeifer Fritz Eckart und dessen ehemaligen Schulkameraden Sanny, die Auswärtsauftritte unter anderem in Berlin und Stödtlen, die Ausgabe einer CD und die von Erwin Röttinger erstellte Grafik zum Festabzeichen 2025 sowie über weitere Ereignisse und Anekdoten gelesen werden.
Mit Karl Hallmann (1925 bis 1978), Hartmut Weber (bis 1999), Walter Einfalt (bis 2013) und Friedrich Weber (seit 2014) gab es in den 100 Jahren des Bestehens nur vier Gruppenchefs.
In ihren Grußworten hoben Bürgermeisterin Nora Engelhard und der Sprecher des Kinderzech-Vorstands, Maximilian Mattausch, die Bereicherung des Dinkelsbühler Heimatfestes durch das mit Musik verknüpfte „Lebensgefühl“ hervor. Die Kinderzechgemeinschaft sei wie eine Familie, in der man am Schluss zusammenhalte.
Mattausch erwähnte die erstellte Broschüre, in der Geschichte aus zehn Jahrzehnten mit Geschichten aus dieser Zeit verbunden werde. Ein Lob gab es für den Gruppenchef Friedrich Weber, der „die Fäden in der Hand hält“.
Nach dem Vortrag von Ernst Metzger wurde die von Roland Kechelen und Hartmut Weber organisierte Ausstellung „100 Jahre Trommler und Pfeifer der Kinderzeche“ eröffnet. Diese ist bis Donnerstag, 5. Juni, im Haus der Geschichte zu sehen.