Mit der traditionellen Dreikönigsprozession hat die katholische Pfarrei St. Georg am Samstag in Dinkelsbühl das Fest „Erscheinung des Herrn“ begangen.
Am Dreikönigstag wird auch heute noch die Geburt Christi gefeiert. Die Kirche begeht das Offenbarwerden und die menschliche Gegenwart Jesu in drei Ereignissen: der Anbetung der Weisen, seiner Taufe und seinem ersten Wunder bei der Hochzeit zu Kana. Weil es im Evangelium des Tages um die Huldigung der Sterndeuter geht, stehen die Heiligen Drei Könige im Vordergrund. Besonders in Deutschland ist das so, bewahrt doch der Kölner Dom seit 1164 in einem kostbaren Reliquienschrein über dem Hochaltar die Gebeine der Weisen aus dem Morgenland auf.
Winzige Knochenpartikel davon befinden sich im Dinkelsbühler Dreikönigsreliquiar, das am Samstag in einer feierlichen Prozession von der Dreikönigskapelle zum Münster St. Georg geleitet wurde. Die in der schön gearbeiteten, aus dem 18. Jahrhundert stammenden, vergoldeten und mit Farbsteinen verzierten Monstranz – einem kostbaren liturgischen Schaugefäß – aufbewahrten Knochenpartikel werden den Heiligen Drei Königen Kaspar, Melchior und Balthasar zugeschrieben.
Laut Überlieferung sollen sie nach der Zerstörung Mailands durch Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) im Jahr 1162 auf dem einstigen Heer-, Handels- und Reiseweg, der von Italien bis zum Rhein führte, auch nach Dinkelsbühl gelangt und über Nacht streng bewacht dort aufbewahrt worden sein, wo jetzt die Kapuzinerkirche steht.
Zur Erinnerung daran stifteten der Dinkelsbühler Bürger Kunrat Berlin und seine Gattin Barbara im Jahr 1378 die Dreikönigskapelle, die in der Folge bis 1834 Ziel der Dreikönigsprozessionen war. Dann wurde das kleine Gotteshaus verkauft. Im Lauf der Jahre war in seinem Turmstumpf unter anderem ein Laden untergebracht – bis es 1922 durch die Stadt Dinkelsbühl als Kriegergedächtniskapelle in einen würdigeren Zustand versetzt wurde.
Hier startete am Samstag die Dreikönigsprozession, die die Monstranz auf einer geschmückten Trage zum Münster St. Georg geleitete. Zu Beginn meinte Dinkelsbühls Stadtpfarrer Joachim Pollithy, dass „auch wir Gläubige uns heute auf den Weg machen, Suchende sind, wie die Sterndeuter vor gut 2000 Jahren.“
Der Geistliche bezog sich damit, wie im Anschluss auch in seiner Predigt im Münster St. Georg, auf den Evangelisten Matthäus, der vom Weg der Sterndeuter zum neugeborenen Jesuskind erzählt.
Diese finden dem Stern folgend den Weg zur Krippe nach Bethlehem und überbringen dort ihre berühmten Gaben – Gold, Weihrauch und Myrrhe.
„Der Evangelist Matthäus lädt uns ein, uns mit den Königen, mit den Sterndeutern, zu identifizieren“, sagte Joachim Pollithy in seiner Predigt. Die Sterndeuter „sehen hinter den sichtbaren Dingen das Unsichtbare. Sie sehen hinter den geschaffenen Dingen den Schöpfer.“
Diese „Sterndeuter sind vermutlich keine gläubigen Menschen. Sie sind Heiden, würde man damals sagen. Und sie sind nicht aus dem Land Israel, will heißen: Jesus ist nicht nur König für die gläubigen Menschen im Land Israel. Jesus will König sein für alle Menschen auf der ganzen Welt“, betonte Pollithy.