Knapp an einem Debakel ist die Nominierungsversammlung der „Freien Bürger“ (FB) in der Gemeinde Gallmersgarten vorbeigeschrammt. Auch der amtierende Bürgermeister Michael Schlehlein, der erneut antritt, kam eher mit zwei blauen Augen davon.
Nur zwei Tage vor der Versammlung im Gemeindesaal Alte Schule in Mörlbach war bekanntgeworden, dass sich eine zweite Wählergruppe namens „Unabhängige Bürger Gallmersgarten“ mit einer eigenen Liste um Sitze im Gemeinderat bei den Kommunalwahlen im März 2026 bewerben will.
Was war geschehen? Als Versammlungsleiter Emil Kötzel, Altbürgermeister der Gemeinde, 50 Anwesende begrüßen konnte, schien die Welt noch in Ordnung. Eine erste Enttäuschung machte sich allerdings breit, als gerade einmal 17 Leute mit ihrer Unterschrift die Unterstützung der Liste bekundeten und damit an diesem Abend wahlberechtigt waren. 33 Gemeindebürger ließen sich nur als Besucher registrieren und waren dadurch nicht stimmberechtigt.
Als Kötzel um Namen zur Nominierung des oder der Bürgermeisterkandidaten bat, war zunächst Stille im Saal. Erst nach geraumer Zeit wurde Michael Schlehlein als einziger genannt. Er bat anschließend um das Vertrauen der Bürger. „Vieles von dem, was in den letzten Jahren angestoßen wurde, würde ich als Bürgermeister in den nächsten sechs Jahren gerne weiterverfolgen“, sagte er. Die Auszählung der 17 Stimmen zeigte allerdings in der Zustimmung nur Mittelmaß. 13 Ja-Stimmen konnte Schlehlein verbuchen, zweimal wurde mit Nein gestimmt und zwei Stimmen waren ungültig.
Nicht wesentlich besser lief die anschließende Kandidatenkür für den Gemeinderat. Seit der Gebietsreform 1972 gab es in der Gemeinde Gallmersgarten fast immer nur eine Bewerberliste, die der Freien Bürger. Sie war offen für jeden Kandidaten. Gleich welcher politischen Couleur. Einzige Ausnahme waren die Wahl 1996, als sich Kötzel und der seinerzeitige zweite Bürgermeister Walter Markert aus Mörlbach beide um den Chefposten im Amtshaus bewarben.
Gute Übereinkunft war in den zurückliegenden Kommunalwahlen auch immer die Verteilung der Listenplätze nach Größe der Ortsteile. So war es auch am Donnerstagabend geplant. Steinach/Bahnhof hätte von den acht Kandidaten drei benennen dürfen, Steinach/Ens zwei und Gallmersgarten, Mörlbach und Bergtshofen wären mit jeweils einem Kandidaten unter den acht zu wählenden Gemeinderäten vertreten. Dazu kämen bis zu acht weitere Nominierte.
Kötzel war da noch zuversichtlich, sprach von „bis zu 15 Kandidaten“, um den Bürgern am Wahltag eine echte Alternative zu bieten. Allerdings hatten die drei Gemeinderatsmitglieder, die aktuell aus Steinach/Bahnhof dem Gremium angehören, schon vorab ihren Verzicht erklärt. Jürgen Täufer scheidet aus Altergründen aus, Johannes Botsch hatte bereits zu Anfang der Periode erklärt, sich nur einmal zur Wahl zu stellen und auch Thomas Krämer hatte abgewunken.
Nachdem auch weitere Leute, die von den Freien Bürgern ins Gespräch gebracht wurden, ihr Nein zur Kandidatur signalisiert hatten, blieb nur die Möglichkeit, mit Steinach/Ens weiterzumachen. Mit Friedericke Hahn war dann endlich eine Frau bereit, sich vorbehaltlich der Wahl im künftigen Gemeinderat einzubringen. Gleiches galt für Michaela Grötsch aus Steinach/Ens, für Christina Meeder und Daniel Schwemmer aus Mörlbach sowie den in Abwesenheit gekürten Vincent Schmidt aus Bergtshofen. Dieser hatte sich im Vorfeld zur Kandidatur bereit erklärt.
Trotz aller Bemühungen von Altbürgermeister Emil Kötzel blieb es bei den fünf Kandidierenden, allesamt Neulinge. Schließlich kam aus der Versammlung der Vorschlag, drei Namen auf der Liste doppelt aufzuführen, was dann einstimmig befürwortet wurde. Dies gilt dann für die ersten drei Nominierten, Friedericke Hahn, Daniel Schwemmer und Vincent Schmidt.
Auch wenn nach Kötzels Worten eine zweite Liste manchen Gemeindebürgern „sauer aufstößt“, haben die Bürger dennoch die Wahl. Wie aus der Versammlung zu hören war, sollen sich auf der Liste der „Unabhängigen Bürger“, die am kommenden Donnerstag beschlossen werden soll, Namen aktueller Gemeinderäte befinden, was auf tiefe Gräben zwischen Bürgermeister Michael Schlehlein und zumindest Teilen seiner Ratskollegen schließen lässt.
Dass dies auch in der Bevölkerung so wahrgenommen wird, zeigte ein Satz aus der Bewerbungsrede von Christina Meeder: Sie hoffe, dass nach der kommenden Kommunalwahl „wie auch immer der zerstrittene Haufen wieder zusammenzubringen ist“. Dass erstmals gleich drei Frauen auf einem Wahlzettel zum Gemeinderat stehen, ist jedenfalls ein positiver Aspekt des Abends.
1. Friederike Hahn, (43 Jahre, Physiotherapeutin),
2. Daniel Schwemmer (30, Elektrotechniker
3. Vincent Schmidt (30, staatlich geprüfter Techniker)
4. Michaela Grötsch (39, Fachkraft für Einkauf und Logistik
5. Christina Meeder (44, Kundenberaterin).
Die Altersangaben beziehen sich auf den Wahltag am 8. März 2026.