Es können zum Beispiel Blumen, eine Engelsfigur oder ein Grablicht sein. Immer wieder stehlen Menschen das eine oder andere von Gräbern auf Ansbachs Stadtfriedhof. Die evangelische Gesamtkirchengemeinde als Trägerin geht nun an die Öffentlichkeit. Sie wendet sich an die, die etwas mitnehmen wollen.
Anrufe in der Friedhofsverwaltung mehren sich, insbesondere in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten. Dies erklärt der stellvertretende Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde, Manuel Dornhöfer. Persönliche Gegenstände hätten auf den ersten Blick keinen hohen materiellen Wert, aber natürlich für die Angehörigen einen extrem hohen ideellen, zum Beispiel bei Kindergräbern.
Es gehe darum, was die Hinterbliebenen „mit dem Menschen verbinden”. Dekan Dr. Matthias Büttner nennt etwa Spielsachen auf Kindergräbern. Diese schmückten die Trauernden häufig mit Gegenständen, die darauf hinweisen, was die verstorbenen Mädchen und Jungen jetzt wohl machen würden. Dies könne zum Beispiel ein Miniatur-Fahrrad sein, wenn diese jetzt wahrscheinlich Rad fahren lernen würden.
Darüber hinaus verschwinden laut Manuel Dornhöfers Worten Dinge des täglichen Lebens wie Kerzen und frisch eingepflanzte Blumen. „Auch wertvolle”, sagt Dekan Büttner. „Wir stehen sehr eng in Verbindung mit unseren Gewerbetreibenden hier auf dem Stadtfriedhof, insbesondere mit den Gärtnereibetrieben”, betont er. Diese seien ebenfalls sensibilisiert.
Der stellvertretende Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde schildert überdies einen ersten Erfolg mit Blick auf eine Person, die Blumen entwendet habe – ohne auf Details einzugehen. Der Gärtnereibetrieb, der diese angepflanzt habe, habe dies auch angezeigt.
„Wir haben das Thema Videoüberwachung prüfen lassen, die aber aus verschiedenen Gründen schlichtweg nicht möglich ist.” Matthias Büttner und Manuel Dornhöfer führen rechtliche, personelle und seelsorgerliche Gründe an. „Ich möchte niemandem zumuten, gefilmt zu werden, wenn er zum Beispiel vor einem Grab weint, selbst wenn wir versichern, dass das nach 48 Stunden gelöscht wird”, merkt der Dekan an.
Der Theologe appelliert an diejenigen Menschen, die vielleicht daran denken, etwa zu einer Blume auf einem fremden Grab zu greifen. Sie sollen sich überlegen, „was sie für einen Schaden anrichten”. Dieser sei weitaus größer als man möglicherweise denke. Für die Gärtnerei entstehe im Falle eines Falles ein materieller und ein Image-Schaden, für die Trauernden eben ein ideeller Schaden.
Eine Infotafel am Grab des weltbekannten Findelkinds Kaspar Hauser (gestorben 1833) kam nach Angaben der Polizei zwischen dem 19. und dem 29. September weg. Die Beamtinnen und Beamten baten deshalb um Hinweise zu dem gestohlenen Schild.
Konkrete Hinweise auf eine Täterin oder einen Täter gibt es jedoch nach wie vor nicht. Darüber informiert der Leiter der Ermittlungsgruppe in der Polizeiinspektion Ansbach, Rolf Kühnhold. „Die Ermittlungen dauern an.”
Friedhofseigentum wie Gießkannen stehlen Menschen übrigens nicht in nennenswertem Umfang, wie Manuel Dornhöfer berichtet. Dagegen gebe es „ab und zu schon Beschädigungen an Gräbern, bei denen nicht zweifelsfrei erkennbar ist, woher diese Beschädigungen kommen”. Es handle sich um öffentlichen Raum, sodass Vandalismus nicht immer auszuschließen sei.
Der Vize-Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde bittet Besucherinnen und Besucher um etwas: Wenn diesen etwas auffällt, sollen sie es der Friedhofsverwaltung mitteilen.
Dekan Büttner will den pietätvollen Charakter des Stadtfriedhofs erhalten wissen. Derlei tue man auf einem Friedhof nicht. „Das ist ein Ort der Trauer, des Gedenkens, vielleicht auch der Zuversicht mit Blick auf die Auferstehung, der Begegnung, aber ein würdevoller Ort”, macht er deutlich.” Er findet es schlimm, wenn man jemandem am Grab etwas zerstört oder wegnimmt.
Die Friedhofsverwaltung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde ist unter der Telefonnummer 0981/9523153 zu erreichen.