Die Zeitkapsel der Bonhoeffer-Realschule in Neustadt barg ziemlich Gammeliges | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.10.2025 09:00

Die Zeitkapsel der Bonhoeffer-Realschule in Neustadt barg ziemlich Gammeliges

Fast hatte man die Hoffnung aufgegeben, die vor zehn Jahren in Innenhof der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule vergrabe Zeitkapsel noch zu finden. (Foto: Ute Niephaus )
Fast hatte man die Hoffnung aufgegeben, die vor zehn Jahren in Innenhof der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule vergrabe Zeitkapsel noch zu finden. (Foto: Ute Niephaus )
Fast hatte man die Hoffnung aufgegeben, die vor zehn Jahren in Innenhof der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule vergrabe Zeitkapsel noch zu finden. (Foto: Ute Niephaus )

Es war eine schweißtreibende und anfangs frustrierende Reise in die Vergangenheit, auf die sich rund ein Dutzend ehemalige Neustädter Realschülerinnen und -schüler sowie ihre Lehrerinnen Irene Hahn-Bum und Cordula Birkner machten. Vor genau zehn Jahren hatte die ehemalige Klasse 10 c eine Zeit-Kaspel vergraben und wollte sie nun bergen.

Doch das war schwerer als gedacht. Dabei hatte sich Irene Hahn-Bum die Koordinaten vor einem Jahrzehnt genau notiert, so dass es eigentlich kein Problem hätte sein dürfen, anlässlich des 60. Geburtstags der Realschule die vergrabene Alu-Kiste aus dem feuchten Erdreich zu befreien.

Etliche Löcher mussten gebuddelt werden

Doch nach dem Buddeln etlicher Löcher kamen langsam Zweifel auf, ob die angepeilte Örtlichkeit stimmt. Einige Schüler zückten ihre Handys und suchten Fotos heraus, die sie vor zehn Jahren geschossen hatten. Mittels dieser versuchte man, die Ruhstätte der Zeitkapsel weiter einzukreisen. Dabei hielt sich die Gruppe derer, die anfangs zu Spaten und Schaufel griffen, in Grenzen. Nachdem sich der erhoffte Sucherfolg nicht einstellen wollte, halfen andere aus.

Ihre frühere Deutschlehrerin legte immer wieder den Zollstock an, um nachzumessen. 6,20 Meter von der Glastür und 1,10 Meter vom Seitenrand entfernt, dort sollte der Schatz zu finden sein – eigentlich. Loch um Loch wurde ausgehoben, der Garten glich immer mehr einer Baustelle, spaßeshalber wurde der Ruf nach einem Kleinbagger laut.

Derweil erzählte Hahn-Bum, wie sie die Klasse in Erinnerung hatte. Freundlich, gut gelaunt, offen und zu guten Mitarbeit bereit, bescheinigte sie den jungen Leuten. Einige ihrer ehemaligen Schülerinnen sind inzwischen verheiratet und haben Kinder, eine ist verlobt, eine andere junge Frau ist schwanger. Ein Paar, was damals schon liiert war, ist immer noch zusammen, erfuhr die Pädagogin auf Nachfrage, während weiter eifrig Erde und aus zwei Löchern geschaufelt wurde und die Schaufeln schon deutliche Materialermüdung aufwiesen. Doch: Aufgeben gilt trotzdem nicht, lautete die Devise an diesem feucht-kalten Nachmittag.

Briefe an sich selbst

Schon in ihrer kurzen Ansprache hatte ihre frühere Lehrerin die Frage aufgeworfen, ob man den Platz wohl finden möge, als hätte sie selbst Zweifel gehegt. „Ihr habt ein Stückchen Geschichte geschaffen. Ich kann mich noch erinnern, dass ihr einen Brief geschrieben habt.” „Ja, an uns selbst”, merkten einige an. „Über manches werdet ihr wahrscheinlich den Kopf schütteln oder lachen. Hoffnungen werden sich erfüllt, Träume zerschlagen haben.” Ein Traum ging für einen der Schüler in Erfüllung. Leverkusen wurde deutscher Meister. Eine Schülerin wollte nach zehn Jahren verheiratet und zweifache Mutter sein, das hat sie verwirklicht.

„Ihr seid seit damals gewachsen, habt euch weiterentwickelt, habt andere Interessen. Vielleicht auch solche, die euch an Freundschaften, Sorgen und Träume von damals erinnern.” Beides sei sinnvoll. Denn die Kapsel, die man vor zehn Jahren vergrub, zeige nicht nur, wie die Welt war, sondern auch, wie sehr sich jede und jeder verändert habe und was trotzdem gleichgeblieben sei. Veränderung, das war auch das Stichwort, als nach gut einer Stunde endlich die Schatzkiste gefunden wurde und was von ihrem Inhalt noch übrig geblieben war. Beim Öffnen der Box schlug allen ein übler Gestank entgegen. Die eingelagerten Briefe waren zu einer matschigen Masse mutiert.

Kaum etwas übrig vom Fotoalbum

Vom Fotoalbum war nicht mehr viel übrig geblieben, auf einigen Bildern war noch schemenhaft etwas zu erkennen. Wenn auch die Feuchtigkeit den Inhalt der Zeitkapsel zerstört hat, so war die gemeinsame Schatzsuche doch eine gute Gelegenheit, sich nach langer Zeit wiederzusehen. Einige hatten sich nach der Mittleren Reife aus den Augen verloren, andere Freundschaften überstanden die Zeit. Die meisten leben nach wie vor in der Gegend, zwei zog es weiter weg nach Dänemark und nach Fehmarn.

Ein junger Mann kam später wieder an die Dietrich-Bonhoeffer-Realschule zuück, um dort seinen Bundesfreiwilligendienst zu leisten. „Es war ein tolles Jahr”, schwärmt er. Es war interessant, die Schule aus einer anderen Perspektive zu erleben. Die gemeinsame Zeit wollen sie alle nicht missen. Nach der Schatzsuche setzte man sich noch zusammen, vielleicht auch, um so manche eingeschlafene Freundschaft wieder zu aktiven, eine Zeitkapsel hilft dabei zukünftig nicht mehr.

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