Die Synagoge in Weigenheim gibt es jetzt als Modell | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.11.2024 13:00

Die Synagoge in Weigenheim gibt es jetzt als Modell

Sehr groß war das Interesse an der Präsentation des Modells der Synagoge. Das Dach lässt sich abnehmen; so kann man auch einen Blick ins Innere werfen. Der Modellbauer Robert Pümmerlein (hinten rechts, mit Bart) freute sich daran still und mit etwas Abstand. (Foto: Ulli Ganter)
Sehr groß war das Interesse an der Präsentation des Modells der Synagoge. Das Dach lässt sich abnehmen; so kann man auch einen Blick ins Innere werfen. Der Modellbauer Robert Pümmerlein (hinten rechts, mit Bart) freute sich daran still und mit etwas Abstand. (Foto: Ulli Ganter)
Sehr groß war das Interesse an der Präsentation des Modells der Synagoge. Das Dach lässt sich abnehmen; so kann man auch einen Blick ins Innere werfen. Der Modellbauer Robert Pümmerlein (hinten rechts, mit Bart) freute sich daran still und mit etwas Abstand. (Foto: Ulli Ganter)

Durchhaltevermögen und langen Atem erforderte die Synagoge in Weigenheim nun schon zweimal: Zum einen bei ihrem Bau, dem sich die Obrigkeit zunächst widersetzte und jetzt bei der Tätigkeit des Modellbauers Robert Pümmerlein. Am Mittwoch wurde sein Ergebnis präsentiert.

Der Hobby-Modellbauer wird sich gefreut haben, auf welch großes Interesse seine Arbeit stieß. Das Modell war sofort von einer dichten Menschentraube umringt und zahllose Handys wurden zum Fotografieren gezückt. Große Worte sind aber Pümmerleins Sache nicht. Er beobachtete das Geschehen still und mit etwas Abstand.

Zentimetergenau vermessen

Friedrich Nöth hatte vorher berichtet, mit welcher Akribie sein Nachbar beim Nachbau vorgegangen war: Alles musste zentimetergenau vermessen werden. „Wir mussten ihn davon abhalten, die 3000 Ziegel einzeln anzufertigen.“

Neben dem beeindruckenden Holzbau ist auch das große Interesse an der Präsentation eine Besonderheit. Hans Schlumberger, Pfarrer im Ruhestand aus Welbhausen, der dem Ehepaar Gertraud und Friedrich Nöth bei der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Weigenheim half, war jedenfalls angetan vom mit mehr als 40 Besucherinnen und Besuchern gut gefüllten Gasthaussaal.

Besonders erfreulich: Mit Helen Kloha war eine 15-Jährige unter den Gästen, die interessierte Fragen stellte. Martin Stern verbrachte sogar seinen Geburtstagsabend bei der Modell-Präsentation.

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Standort des Modells noch offen

Eine Besucherin interessierte etwas ganz Praktisches: „Wo kommt das Modell hin?“ Eine gute Frage, wie die Vorsitzende des Geschichts- und Brauchtumsstammtisches (GUBS) in Weigenheim, Gertraud Nöth, fand. Eine Antwort gibt es noch nicht.

Die Kirche sei eine Möglichkeit – Pümmerlein hatte zuvor schon ein Modell dieses Gotteshauses gebaut –, Bürgermeister Rainer Mayer habe auch sein Amtszimmer angeboten. Mayer sprach sich für die Kirche aus: Vorm Amtszimmer kämen zu viele Leute, auch Kinder, vorbei, und die Gefahr, dass jemand an dem Modell „herumzupfriemeln“ beginne, sei zu groß.

Gemeinde würde Synagoge eventuell kaufen

Der Bürgermeister bekräftigte noch einmal öffentlich, dass die Gemeinde auch gegenüber der Idee aufgeschlossen wäre, die ehemalige Synagoge, die noch steht und in Privatbesitz ist, zu erwerben.

Im ersten Teil des Abends – das Modell war noch hinter einer Leinwand verborgen – berichtete Friedrich Nöth, wie steinig der Weg der jüdischen Gemeinde in Weigenheim zum eigenen Gotteshaus war. Als ehemaliger Lehrer versuchte er es mit einer Abfrage des Stoffs der vergangenen Stunde – schon im September hatte sich der GUBS dem jüdischen Leben in Weigenheim gewidmet.

Danach war das wichtigste wieder präsent: Unter den Schwarzenbergern hatte sich die Ansiedlung von jüdischen Familien als attraktive Einnahmequelle etabliert. Im Gegenzug räumten sie den Angeworbenen eine weitgehende Kultusfreiheit ein. „Das war in Süddeutschland einmalig“, urteilte Schlumberger.

Einweihung vor 175 Jahren

Trotzdem sollte es sehr lange dauern von der ersten Anfrage 1768 bis zur Einweihung im Oktober 1849 – also vor genau 175 Jahren. In den Archiven findet man vor allem dann etwas, wenn es Streit gab. Die Nöths stießen dort auf die judenfeindlichen Äußerungen des damaligen Amtsvogts von 1768, der die Anfrage abschmetterte, und des Herrschaftsrichters, der mit den Worten zitiert wurde „Wenn doch dieses Geschlecht bald ausgerottet wäre.“ Auch, als sie über Umwege schließlich doch zum Neubau kamen, verursachte der Herbolzheimer Baubetrieb wohl so viel Pfusch, dass ein Inspekteur ihm sogar unterstellte, die jüdische Gemeinde mit Absicht zu schädigen.

Bald nach der Fertigstellung des Gotteshauses zogen die ersten Familien weg – viele davon nach Uffenheim, wo der Weigenheimer Samuel Zucker mit darauf hinwirkte, dass Uffenheim eine eigene Synagoge baute. 1900 wurde die Cultusgemeinde Weigenheim aufgelöst.

Vor der ehemaligen Weigenheimer Synagoge ist am Samstag, 9. November, um 17 Uhr anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht ein ökumenisches Friedensgebet geplant.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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