Das nationalsozialistische Terrorregime ist in seinem Hass unerbittlich gewesen. Jüdische Menschen trifft er besonders. Das Novemberpogrom, also sämtliche Gewalt um den 9. November 1938, erlebt der jüdische Ansbacher Max Ernsthal nicht mehr. Nach dem Unrecht, das ihm der NS-Staat zufügte, stirbt er kurz zuvor.
In der Merckstraße 4 beginnt die Serie zu den neuen Stolpersteinen in Ansbach. Der Künstler Gunter Demnig verlegte hier dieses Jahr eine der gravierten Messingplatten für Max Ernsthal. Sein Schicksal hatte der Schriftführer der Frankenbund-Gruppe Ansbach, Stefan Diezinger, recherchiert. Die Steine widmet die Stadt jüdischen Ansbacherinnen und Ansbachern.
Metzgermeister und Handelsmann Max Ernsthal kam am 11. Dezember 1869 in Estenfeld bei Würzburg zur Welt. Er war mit Cornelie Ernsthal, geborene Rebitzer, verheiratet. Sie wurde zu Silvester 1870 in Ottensoos bei Nürnberg geboren.
„Das Ehepaar lässt sich noch vor der Jahrhundertwende in Ansbach nieder“, erklärte Stefan Diezinger bei dem Verlegetermin. Am 16. Dezember 1895 wurde Tochter Ida geboren. Die Familie verkaufte 1916 ihr Anwesen Steinstraße 17.
Max Ernsthal war als Kompagnon der Firma Weissmann & Co. Vieh-, Pferde- und Immobilienhandel in der Karolinenstraße 7 bis 9 tätig. Die Tochter Ida Ernsthal heiratete Hermann Baer aus Windsheim. „Das junge Ehepaar zieht nach Nürnberg und gründet dort eine Familie“, machte Stefan Diezinger deutlich.
Zwei Kinder kamen zur Welt: Ruth Sophie Baer (geboren 1923) und Martin Stephan Baer (1924) wurden die Enkelkinder des Ehepaars Cornelie und Max Ernsthal. Wenige Jahre später, am 25. August 1928, starb Cornelie Ernsthal mit nur 57 Jahren. Man begrub sie auf dem Jüdischen Friedhof in Ansbach.
„Sie muss die Repressalien des NS-Regimes in den 1930er-Jahren nicht mehr erleiden“, legte Stefan Diezinger dar. Zurück in Ansbach blieb Witwer Max Ernsthal, der in den Adressbüchern der 1930er-Jahre als „Privatier“ firmierte und von der Karlstraße in die Merckstraße zog.
Der jüdische Ansbacher musste das Unrecht durch den NS-Terror erdulden und starb am 28. Oktober 1938, wenige Tage vor dem Novemberpogrom, im Alter von 68 Jahren, wie der Schriftführer der Frankenbund-Gruppe ausführte.
Auf dem Jüdischen Friedhof bestattete man ihn neben seiner Frau. Das Grab der Ernsthals ist heute noch erhalten und eines der wenigen Doppelgräber mit gemeinsamem Grabstein für beide Ehepartner, wie Stefan Diezinger sagte.
Ida konnte mit ihrer Familie noch vor dem Zweiten Weltkrieg 1939 nach Israel fliehen. Dort starb sie am 14. Oktober 1976 mit 80 Jahren. „Somit wurde aus der Ansbacher Familie Ernsthal kein direktes Familienmitglied in der Shoah ermordet“, betonte er. Allerdings nannte er es verbürgt, dass Schergen des NS-Regimes etliche Geschwister von Cornelie und Max Ernsthal in den Konzentrationslagern ermordet hatten.