Viele träumen davon, im Beruf nicht mehr auf andere hören zu müssen. Sie wollen vielleicht selbst entscheiden. Sie können zum Beispiel ein Unternehmen gründen – oder sie übernehmen einfach eines. Diesen Schritt gingen etwa drei Geschwister aus dem Ansbacher Ortsteil Bernhardswinden. Warum kann dies attraktiv sein?
Auch in Stadt und Landkreis Ansbach werden Unternehmerinnen und Unternehmer älter. So sagt es für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg für Mittelfranken die Leiterin der Geschäftsstelle Ansbach, Karin Bucher. Dies sei ein ganz logischer demografischer Vorgang. Dadurch seien die Chefinnen und Chefs auf der Suche nach Nachfolgerinnen oder Nachfolgern.
„Es werden sicherlich noch mehr werden, auch aufgrund der Demografie.” Die Suche bezeichnet Bucher als stets langwierigen Prozess. Unternehmerinnen und Unternehmer blickten dabei zunächst darauf, ob jemand aus der Familie geeignet sei und wolle oder ob jemand im eigenen Management oder unter den Mitarbeitenden interessiert sei.
Als weiteres Szenario sieht sie, die Firma zu verkaufen, wenn niemand für die Nachfolge zu finden ist: am besten in die Region und vielleicht an eine Kollegin oder einen Kollegen. Für die IHK ist die Nachfolge ein wichtiges Thema – unter anderem deshalb, um Mitarbeitende, Know-how, Innovation und Wirtschaftskraft in der Region zu halten.
„Wir haben mehr Übergeber als Nachfrager”, also mehr Betriebe, die man übernehmen könnte, als Menschen, die sie übernehmen wollten. Darüber informiert für die Handwerkskammer für Mittelfranken der Leiter des Referats Betriebswirtschaftliche Beratung, Joachim Fuoss. Dies sei einerseits bedauerlich, aber es sei andererseits einfach ein Käufermarkt. Es gebe gute Gelegenheiten, etwas zu einem vernünftigen Preis zu übernehmen.
Bislang habe es viele Alternativen dazu gegeben, ein Unternehmen zu übernehmen. Seinem Eindruck nach werden derzeit jedoch interessante Jobs in Firmen weniger. Wenn große Unternehmen aufhörten oder Personal reduzierten, sei dies bedauerlich. Es könne für bisherige Mitarbeitende allerdings auch eine Chance sein, sich selbstständig zu machen.
Die FLZ begleitet den Weg der Geschwister Christ und ihrer Firma Metallbau Christ GmbH seit 2020. Matthias und Steffen Christ (37 und 31) übernahmen da den Betrieb ihres Onkels Reinhold Gümpelein, damals noch am Standort Bernhardswinden. Zunächst gründeten die Brüder eine eigene Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), bevor sie die alte Firma stilllegten, wie sie es darstellen.
2022 trat Schwester Anja Christ (29) ein. Sie hatte sich zur Konstruktionsmechanikerin ausbilden lassen und Technikjournalismus und Public Relations studiert. Bescheiden bemerkt sie überdies, „dass ich handwerklich gerne und halbwegs gut etwas hinbekomme”. Technisches Zeichnen beherrscht sie ebenfalls. Und wenn in der Familie Bedarf herrsche: „Warum sollte ich mich dann irgendwo anders umschauen?”
Alle drei sind Geschäftsführerin oder Geschäftsführer. Bis jetzt funktioniert dies auch, wie sie bekennen. „Jeder hat so seine eigene Expertise”, legt Anja Christ dar, „oft kommen wir uns gegenseitig gar nicht in die Quere.” Matthias Christ ist Metallbaumeister und Schweißfachmann, Steffen Christ studierter Betriebswirt.
Was bewog die Geschwister, selbstständig zu werden? Matthias Christ ließ sich schon bei seinem Onkel ausbilden. Über die Jahre habe er eine Liebe zu seinem Beruf entwickelt, führt er aus. „Wenn ich handwerklich in der Werkstatt bin: Ich mag das einfach und würde auch nichts anderes machen wollen.”
Wie der 37-Jährige erzählt, bot ihm der Onkel an, den Betrieb zu übernehmen. Bruder Steffen Christ habe die Idee formuliert, dies miteinander aufzuziehen. Dieser lernte im Studium im Praxissemester ein Großraumbüro kennen, wie er zurückblickt. „Da merkt man dann auch, ob das etwas für einen ist oder nicht.” Für ihn sei es definitiv nichts gewesen.
Beraten ließen sie sich für den Sprung in die Unternehmensnachfolge von der IHK und der Handwerkskammer. „Das hat uns echt unglaublich geholfen”, sagt Steffen Christ. Viele Punkte habe man am Anfang gar nicht auf dem Schirm.
Einen großen Schritt bildete es für die drei, vom angestammten Areal in Bernhardswinden an einen neuen Standort in Burgoberbach zu wechseln. Die Corona-Zeit machte es laut Steffen Christs Worten möglich, noch auf der alten Fläche etwas Zeit zu haben, um ein bisschen mehr Kapital anzusparen. Im September 2024 zogen sie um.
Was lernten sie als Unternehmerin und Unternehmer hinzu? Anja Christ nennt Zeitmanagement: „Zeit fehlt immer vorne und hinten.” Matthias Christ findet es bedeutsam, ein Gespür für die Mitarbeitenden zu haben. Fünf, darunter zwei Auszubildende, gibt es. Nötig ist für Steffen Christ, darauf zu vertrauen, dass die Mitarbeitenden („Die sind top”) die Arbeit genauso gut erledigen wie man selbst, wenn auch anders.
Als Unternehmerin oder Unternehmer halten die drei auch Durchhaltevermögen und ein gutes familiäres Umfeld für entscheidend. Das Unternehmen sei einfach Teil des Privatlebens. Darüber hinaus muss man eine Art Kämpferin oder Kämpfer sein und Leidenschaft mitbringen, wie Joachim Fuoss erläutert.
„Man muss sich bewusst sein, dass man viel Kraft reinsetzt”, betont er. Außerdem muss man selbst entscheiden wollen, wie Karin Bucher hinzufügt, und „wir brauchen Unternehmertum, Gründertum und Innovationen”.