Neubau oder Generalsanierung? Was soll mit der maroden Mehrzweckhalle in Flachslanden passieren? Um in dieser Frage weiterzukommen, trafen sich Bürgermeister Hans Henninger und Gemeinderäte sowie Vertreter des Sportvereins und der Schule zum Ortstermin.
Errichtet wurde der Bau laut Rathauschef Henninger vor 45 Jahren. Beim Rundgang wurde schnell klar: Im Prinzip ist es nur Herbert Tyrach zu verdanken, dass die marode Halle noch genutzt werden kann. Der findige Hausmeister führt einen täglichen Kampf gegen die überall aufploppenden Probleme.
Seit 25 Jahren ist er Teil des Schulteams und inzwischen ein Meister der Improvisation. „Die Mängel, die die letzten Jahre angefallen sind, habe ich eigentlich immer selbst behoben“, erzählt er. Tyrach isolierte die Heizung provisorisch, um die Wärmeverluste zu mindern, baute neue Dichtungen in die Fenster ein und konstruierte aus einem alten Lampenschirm einen Auffangbehälter für die Umkleidekabine. Denn dort sickerte nach der Schneeschmelze regelmäßig Wasser durch die Decke.
Ob er noch Freunde an der Arbeit habe? „Wenn man die Prüfberichte vom Sportstättendienst sieht, dann wird es anstrengend“, sagte er. „Mittlerweile sind wir an einem Punkt, wo man selbst nicht mehr so viel machen kann.“
Bei Schulleiterin Tanja Schleußinger erregt besonders das Wasser aus dem Hahn Ekel. Selten sieht es so klar aus, wie man es gemeinhin erwartet. „Macht richtig Freude, da Hände zu waschen“, kommentierte sie ironisch. Die langen, verzinkten Leitungen sind auch die Ursache für ein Legionellen-Problem. Vor Sportveranstaltungen müssen die Leitungen längere Zeit heiß durchgespült werden, um die Gefahr zu tilgen.
Unter dem Zustand der Halle leiden auch die Mitglieder des Sportvereins, wie Tim Egersdörfer und Stefan Lux vom TSV Flachslanden deutlich machten. Vor gegnerischen Mannschaften müsse man sich schon manchmal schämen, erzählten sie. „Wenn die rein kommen und sich umschauen, sagen sie: ,Was habt ihr denn da beieinander?‘“
Die Gemeinderäte müssen letztlich entscheiden, ob die Halle nur saniert oder gleich neu gebaut wird. Als Ersatzstandort käme möglicherweise der jetzige Hartplatz in Frage – dann könnten die Schüler während des Baus für den Sportunterricht weiter die alte Halle nutzen. Auch der TSV möchte in der Bauphase ungern auf seine Veranstaltungen verzichten, hießt es. „Wenn das zwei, drei Jahre ausfällt, haben wir ein monetäres Problem.“
Eine vorläufige Einschätzung gab bei dem Ortstermin Architekt Stefan Hirsch. Ob er offiziell beauftragt wird, obliegt ebenfalls dem Ratsgremium. Schon vor fünf Jahren sei eine mögliche Renovierung Thema gewesen, erinnerte er. „Wir waren damals schon bei zwei Millionen – ohne Schnickschnack, ohne Tribüne.“ Angesichts der gestiegenen Baupreise sei inzwischen eher mit drei bis 3,5 Millionen Euro zu rechnen – für eine reine Sanierung. Als ungefähre Hausnummer für einen Neubau nannte er fünf bis sechs Millionen Euro. „Ich bin ein großer Fan davon, die Turnhalle größer und – ehrlich gesagt – neu zu machen, weil wir an einem Punkt sind, wo man extrem viel rein stecken muss“, bemerkte Hirsch. „Sanieren im Bestand muss man abwägen.“
In der Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag, 15. Juli, soll ab 19.30 Uhr zunächst entschieden werden, ob eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird.
Das Dach: Es ist nicht isoliert, an einigen Stellen hat es bereits hereingeregnet.
Die Fenster: Sie sind undicht, schließen zum Teil nicht mehr richtig. An der Südseite sind Fensterelemente beschädigt. Es besteht die Gefahr, dass Scheiben herausfallen.
Die Heizung: Sie befindet sich unterm Dach und ist mangels Dach-Isolierung nicht frostgeschützt. Bei längeren Perioden mit Minusgraden reicht die Fußbodenheizung nicht aus – zusätzlich muss mit der Luftheizung nachgeholfen werden. Zeitweise wurden auch schon Heizlüfter benutzt.
Die Leitungen: Wegen eines Legionellen-Problems dürfen die Duschen nur benutzt werden, wenn sie vorher längere Zeit heiß durchgespült wurden.
Der Boden: Aus dem Boden brechen immer wieder Stücke heraus, an denen die Kinder auch hängenbleiben. Überall sind geflickte Stellen zu sehen. Die Linien am Boden fehlen teilweise, sodass das Training erschwert ist.
Die Umkleidekabine: Auch hier tropft es herein. Ohne improvisiertes Auffangbehältnis könnte der Raum nicht genutzt werden.
Die Toiletten: Die Spülkästen der Toiletten sind veraltet, selbst Ersatzteile können inzwischen nur noch schwer beschafft werden. Auch der Fliesenboden muss dringend ersetzt werden, da er nur schwer von Gerüchen zu reinigen ist.
Die Geräte: Unter anderem sind die Kletterwände nicht mehr zulässig, weil sie in der Wand versenkt sein müssten. Auch die Ringe können aktuell nicht benutzt werden.
Zuschauertribüne: Seitens des Sportvereins besteht der Wunsch nach einer Tribüne, das würde die Attraktivität der Veranstaltungen erhöhen. Bei Turnieren sitzen oder stehen die Zuschauer bislang am Rand.