Körperschmuck in Form von bunten Bildern, landläufig als Tätowierungen bekannt, neudeutsch gerne als Tattoos bezeichnet, sind nicht jedermanns Sache. Doch gegen die Aktion, die Claudia Zapf in Markt Bibart unlängst durchführte, kann kaum jemand ernsthaft etwas haben: Tattoos für Organspenden.
Claudia Zapf ist die Inhaberin von „Körperkunst 326“, ein klassisches Tattoostudio. Hier werden Nadeln angesetzt, Farben gemischt und Bilder in Oberarme oder Waden gestanzt. Tätowieren ist eine Kunst und harte Arbeit – kein Wunder also, dass es auch nicht ganz billig ist.
Unlängst jedoch öffnete Claudia Zapf ihre Türen für eine sehr spezielle besondere Aktion: kostenfreie Organspendetattoos. Unterstützt vom Verein „Junge Helden“ wollte sie damit einen Beitrag leisten, das Bewusstsein für die Bedeutung von Organspenden zu stärken. Ab 9.30 Uhr stand sie an der Behandlungsliege ihres Studios. Mit Unterstützung von Freundinnen tätowierte sie kostenfrei zwei Varianten des so genannten „Opt-Ink“ – ein Tattoo-Design aus geometrischen Formen , zwei Halbkreisen, die zusammen ein Ganzes bilden. Das fertige Tattoo fungiert dabei als anerkannter Organspendeausweis.
Als Information für die Kunden und Kundinnen hatte Zapf einen sehr persönlichen Text ausgelegt. Demnach sei der Hintergrund für die Aktion der tragische Tod ihrer Freundin im vergangenen Jahr. Diese war auf eine Herztransplantation angewiesen und stand auf der Warteliste, doch noch bevor sie ein Organ erhalten konnte, starb die 38-jährige Frau an einer Lungenembolie. Sie hinterließ sechs Kinder im Alter von 19 Jahren bis zu vier Monaten – die Zwillinge der Verstorbenen waren erst wenige Wochen vor ihrem Tod zur Welt gekommen.
Während Claudia Zapf die Tattoos kostenlos fertigte, freute sie sich doch über Spenden. Diese sollen samt und sonders der Familie ihrer verstorbenen Freundin zukommen.
Am Aktionstag wurde es zuweilen hektisch – Teamarbeit war gefragt. Während Jennifer Spielmann die Einverständniserklärungen verteilte und die Kunden nach Medikamenteneinnahme und Vorerkrankungen befragte, arbeitete eine andere Helferin mit Unterstützung ihrer zwölfjährigen Tochter parallel an den Vorbereitungen für die Tattoos. Es wurden die Schablonen ausgeschnitten, die Kunden wurden an den jeweiligen Stellen rasiert und die Haut desinfiziert – anschließend schritt Claudia Zapf zur Tat.
Insgesamt konnten auf diesem Weg rund 500 Euro an Spenden gesammelt werden. „Der Impuls ist ganz anders, wenn das Tätowieren aktiv angeboten wird“, bilanzierte die fleißige „Frauschaft“ im Anschluss an den arbeitsintensiven Tag.
Ein gutes Beispiel dafür ist Simone Mietzger. Durch ihre Arbeit im Krankenhaus war die „Spontankundin“ bereits mit dem Thema Organspende vertraut und überzeugte nun auch ihren Ehemann Markus von der Aktion. Das Paar entschied sich dafür, sich die zwei verschiedenen Designs tätowieren zu lassen, wobei beide allerdings auch bereits zuvor über einen Organspendeausweis verfügt hatten.
Unmittelbar nach einer just bestandenen Prüfung kam auch die 18-jährige Svenja Lechner mit ihrer Freundin Vanessa Jude ins Studio von Claudia Zapf. Über das Thema Organspende hatten die beiden nach eigenem Bekunden bis dato noch nicht allzu viel nachgedacht – jetzt allerdings schon. Svenjas einleuchtende Begründung für die Teilnahme: „Dann könnte ich wenigstens noch jemandem helfen.“
Zum offiziellen Tag der Organspende am 1. Juni soll übrigens erneut ein derartiger Tattoo-Tag im Markt Bibarter Studio von Claudia Zapf stattfinden: Ohne Voranmeldung, ohne Termin – ein kleiner Schmerz auf der Haut mit potenziell großer Wirkung.