Seit 23 Jahren lebt Gerlind Ruff im Dürrwanger Ortsteil Haslach. Sie leidet an Multiple Sklerose (MS) und hat zusammen mit Künstlerinnen einer Kreativgruppe für einen Wettbewerb einen großformatigen Wandbehang entworfen.
Die aus Wiesbaden-Heßloch in Hessen stammende Krankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe fühlt sich in Franken sehr wohl. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Querflöte, beschäftigt sich künstlerisch mit dem Malen von Bildern oder widmet sich dem Klöppeln. Inwieweit Gerlind Ruff ihren Hobbys nachgehen kann, ist von ihrer Tagesform abhängig und gelingt nicht immer.
Im Jahr 2012 wurde bei ihr MS festgestellt. Da sich die chronisch entzündliche, neurologische Autoimmunerkrankung in unterschiedlichsten Formen äußert, wird sie als „die Krankheit mit tausend Gesichtern“ bezeichnet.
Gerlind Ruff erinnert sich an den Tag, an dem sie die ersten Auffälligkeiten bemerkte: „Bei einer Klassenfahrt in Berlin mit den Auszubildenden der Krankenpflegeschule hatte ich plötzlich Sehstörungen und sah alles verschwommen.“ Es folgte der Besuch beim Optiker und dann beim örtlichen Hausarzt, der zu umfangreichen neurologischen Untersuchungen riet. Die detaillierten Ergebnisse verschiedener Kliniken gaben letztendlich Aufschluss darüber, dass es sich um Multiple Sklerose handelt.
Die Krankheit sei unberechenbar, und man könne nicht einschätzen, wann und in welcher Intensität Einschränkungen und Symptome durch die Multiple Sklerose im gesamten Alltag auftreten, schildert Ruff. Schwierig sei dies nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Partnerinnen und Partner, ohne die der Alltag nicht zu bewältigen sei. „Für ihre tägliche Unterstützung sind wir Erkrankten sehr dankbar.“
Mit Ausbruch der Krankheit wurde Ruff Mitglied der DMSG, der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Der gemeinnützige Verein vertritt die Belange von mehr als 280.000 MS-Betroffenen in Deutschland, organisiert deren sozialmedizinische Nachsorge und bietet auch Angehörigen professionelle Unterstützung und Beratung. Ein wichtigste Anliegen ist die Erforschung der Krankheit. Um auch hier ihren Beitrag zu leisten, nimmt Gerlind Ruff an einem langfristig angelegten Forschungsprojekt einer großen Klinik in München teil.
Seit drei Jahren gibt es über die DMSG Rheinland-Pfalz eine Online-Kreativgruppe für MS-Erkrankte, zu der Gerlind Ruff gehört. Sechs Frauen haben sich über das Internet zusammengefunden und tauschen sich regelmäßig über ihre Kunstwerke aus. Dies sei eine gute Chance, an kreativen, künstlerischen Aktivitäten in einer Gruppe teilzunehmen, berichtet Ruff.
Einmal im Jahr findet der Welt-MS-Tag unter einem Motto statt, der die Aufmerksamkeit auf die rund 2,8 Millionen Menschen weltweit lenkt, die mit dieser Autoimmunerkrankung leben. Anlässlich dieses Termins richtet die DMSG auch einen Wettbewerb aus, bei dem die Betroffenen eingeladen sind, sich gedanklich mit dem Motto auseinanderzusetzen. Bereits im Jahr 2022 nahm die Kreativgruppe mit einer gemeinsam geschnittenen Videosequenz teil und erhielt unerwartet den ersten Preis. Diesen nahmen zwei Frauen der Kreativgruppe bei einem Festakt in Berlin von Christian Wulff, Schirmherr des Bundesverbandes der DMSG und ehemaliger Bundespräsident, entgegen.
Im zurückliegenden Jahr lautete das Motto „geMeinSam – nicht allein mit Multiple Sklerose“. Die sechsköpfige Kreativgruppe hat dafür einen Wandbehang geschaffen, der zwölf Einzelwerke beinhaltet.
Die Bilder zeigen die Gedanken der Künstlerinnen zum Motto. Dargestellt sind Lebenssituationen der MS-Betroffenen. Alles wurde online konzipiert und abgestimmt. „Wir sind sehr dankbar, dass wir das online so toll hinbekommen“, heißt es von Seiten der Kreativgruppe. Persönlich kennengelernt haben sich die Frauen, außer den beiden, die 2022 beim Festakt in Berlin anwesend waren, bisher nicht.
Die Gruppe entschied in Absprache mit der DMSG Rheinland-Pfalz, dass der Wandbehang an den Orten ausgestellt werden kann, wo die Mitglieder ihren Wohnsitz haben. Auf diese Weise übergab Ruff den Wandbehang Bürgermeister Jürgen Konsolke für die Gemeinde Dürrwangen. Er ist bis Ende April 2024 im Rathaus zu sehen.
Zusammen mit Roswitha Grimm ist Gerlind Ruff Behindertenbeauftragte der Marktgemeinde Dürrwangen. Ruff möchte ihre praktischen Erfahrungen zum Beispiel beim Einsatz von Hilfsmitteln wie Rollstuhl und Rollator an andere Personen weitergeben. Erreichbar sind die beiden Behindertenbeauftragten telefonisch unter 09856/9720-17 oder per Mail unter behindertenbeauftragte-duerrwangen@gmx.de.