Die Handwerker in Rothenburg wagen den Aufstand | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.07.2024 09:39

Die Handwerker in Rothenburg wagen den Aufstand

Der großen Tradition des Handwerks in Rothenburg ist am Alten Stadtgraben dieses Haus gewidmet. So beschaulich wie das kleine Museum heute von außen wirkt, ging es 1451 allerdings nicht zu. Damals wagten die Handwerker den Aufstand gegen die Ratsherren. (Foto: Pauline Held)
Der großen Tradition des Handwerks in Rothenburg ist am Alten Stadtgraben dieses Haus gewidmet. So beschaulich wie das kleine Museum heute von außen wirkt, ging es 1451 allerdings nicht zu. Damals wagten die Handwerker den Aufstand gegen die Ratsherren. (Foto: Pauline Held)
Der großen Tradition des Handwerks in Rothenburg ist am Alten Stadtgraben dieses Haus gewidmet. So beschaulich wie das kleine Museum heute von außen wirkt, ging es 1451 allerdings nicht zu. Damals wagten die Handwerker den Aufstand gegen die Ratsherren. (Foto: Pauline Held)

Seine Bedeutung und bauliche Einmaligkeit verdankt Rothenburg einem Privileg, das die Anerkennung als Reichsstadt bedeutete. Verliehen wurde es 1274, also vor 750 Jahren – ein Anlass, den es zu feiern gilt. Wir beteiligen uns mit einer Serie von Artikeln, die an entscheidende Phasen der Stadtgeschichte erinnern.

Es geschah in der Nacht auf den 12. Juli 1451, als sich der ganze Unmut der Handwerker in einem Aufstand Bahn brach: Sie rissen bewaffnet die Ratsherren nachts aus dem Schlaf und trieben sie in das Rathaus. Erst ein Eingreifen der Stadt Nürnberg konnte die aufgebrachten Handwerker besänftigen.

Doch warum wagten sie einen Aufstand, der nach Ansicht von Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger lange geplant gewesen sein muss? Die Handwerker und mit ihnen breite Teile der Mittelschicht waren in Rothenburg im 15. Jahrhundert unzufrieden.

Patrizier teilen die Ämter unter sich auf

Die reichen Patrizier-Familien teilten die wichtigsten Ämter untereinander auf. Für Mitbestimmung der Handwerker war kein Platz. Sie durften sich nicht in Zünften organisieren und so ihre Anliegen nach außen vertreten.

Der Rat „erstickte eventuelle Empörungen im Keim“, weiß Huggenberger. Der Zorn unter den mittelständischen Familien wuchs und entlud sich im Handwerkeraufstand. Dieser zeigte schnell Wirkung: Rothenburg bekam eine neue Verfassung mit einem stärkeren Mitspracherecht für Handwerker.

Doch lange währten die Reformen nicht. Im Kern hielten die Patrizier nach wie vor die Macht in ihren Händen. Die Zünfte wurden wieder abgeschafft, die vornehmen Familien dominierten, die Mittelschicht blieb benachteiligt.

Wallgraben um das gesamte Territorium

Der Wechsel zwischen scheinbarer Verbesserung und darauf folgender Verschlechterung war kennzeichnend für das Leben in Rothenburg im 15. Jahrhundert.

So hatte es schon schlecht für die Reichsstadt begonnen: Als Heinrich Toppler 1406 zum zweiten Mal Bürgermeister wurde, befand sich die Stadt in der Reichsacht. Das war mit dem Verlust entscheidender Rechte verbunden.

Als dann der Burggraf von Nürnberg mit seinen Truppen vor der Stadtmauer stand und Rothenburg den Krieg erklärte, verhärteten sich die Fronten endgültig. Es galt Reichsstadt gegen Burggraf.

Erstere konnte ihre Stellung halten. Langsam ging dem Burggrafen das Geld aus. Er zog seine Truppen ab und gab die Belagerung auf. Stattdessen handelten beide Städte einen Waffenstillstand aus. Für Bürgermeister Toppler fand der Konflikt ein tragisches Ende: Der König selbst bezeichnete ihn aufgrund eines umstrittenen Briefwechsels als Verräter. Toppler landete im Kerker und ging dort zugrunde. „Die Blütezeit Rothenburgs war damit im Grunde vorüber“, erklärt Stadtarchivar Huggenberger. Die Stadt legte von nun an den Fokus auf sich selbst. In den folgenden Jahrhunderten vergrößerte sie ihr Gebiet nicht mehr.

Ein Graben um das gesamte Gebiet

Dennoch bedurfte es einer geeigneten Verteidigungsanlage. Rothenburg besaß ein Landgebiet von rund 400 Quadratkilometern, das geschützt werden musste. Deshalb errichtete die Landwehr zwischen 1420 und 1480 einen Wallgraben. Bis auf wenige Stellen umrahmte er das gesamte Rothenburger Territorium.

Huggenberger räumt ein, dass die Landhege einen gut ausgerüsteten Feind zwar nicht in die Flucht schlagen konnte. Jedoch konnte sie ihm den Zugang erschweren und der Stadt Zeit geben, sich zu formieren. Sogar die Bauern in den Dörfern wurden mit Waffen ausgestattet. Sie erhielten zum Beispiel einen Harnisch als Rüstung. Und ein Handrohr, mit dem sie rund 300 Meter weit schießen konnten. Die Landwehr investierte in den turbulenten Zeiten in ihre Verteidigung.

St.-Jakobs-Kirche wird fertiggestellt

Die jüdische Bevölkerung konnte im 15. Jahrhundert kurz aufatmen – um dann wenige Zeit später wieder zu resignieren. Seit vielen Jahrhunderten schwankte das Verhalten von Christen gegenüber Juden „zwischen Toleranz und Hass“.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts schien eine Verbesserung in Sicht. Juden, die selbstständig wirtschafteten, durften Bürger der Stadt werden. Viele von ihnen lebten gemeinsam mit Christen in der Judengasse. Es gab eine Synagoge und eine Begräbnisstätte auf dem Schrannenplatz. Insgesamt 14 eingebürgerte jüdische Familienoberhäupter lebten in der Stadt. Kurze Zeit später dann die abrupte Wende: Der Rat entzog den Juden jegliche wirtschaftliche Grundlage und wollte sie aus Rothenburg vertreiben. Die Anzahl jüdischer Familien sank auf sechs.

Christen dagegen lebten privilegierter: Für sie wurde mit der St.-Jakobs-Kirche 1484 ein neues Gotteshaus fertig. 15 Jahre später erhielt der Würzburger Bildhauer Tilmann Riemenschneider einen Auftrag für St. Jakob. Er schuf dort den berühmten Heiligblut-Altaraufsatz.


Von Pauline Held
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