Die Gemeinde Neuendettelsau will im Ortsteil Aich ein neues Gewerbegebiet erschließen. Damit soll dem Rückgang von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen etwas entgegengesetzt werden. Der Gemeinderat stimmte dem Vorhaben mehrheitlich zu. In der Bevölkerung regt sich durchaus Widerstand.
Das Thema interessiert und bewegt die Menschen in der Kommune ganz offensichtlich. In keiner Sitzung des Gemeinderates in der jüngeren Vergangenheit waren so viele Bürger zu Gast wie jetzt. Die Neuendettelsauer Ortsgruppe des Bundes Naturschutz hatte vor dem Rathaus Plakate platziert, die als Wassertropfen gestaltet waren. Darauf zu lesen: „Kein Ausverkauf unserer Natur“, „Kein Gewerbegebiet am Hirtenbuck“ sowie „Wo Wasser nicht versickern kann, kommt die Flut“.
Das Gewerbegebiet soll östlich des Ortsteiles auf einer Fläche von rund zwölf Hektar entstehen, wie Bauamtsleiter Alexander Ruthardt in der Sitzung berichtete. Es liegt zwischen der Staatsstraße 2410, der Autobahn 6 und der Ortsverbindungsstraße von Aich nach Mausendorf. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen.
Um jetzt ein Gewerbegebiet zu entwickeln, müssen zwei Dinge erfüllt sein. Einerseits muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Andererseits muss der Flächennutzungsplan geändert werden. In diesem Zuge wird eine bisher als Erweiterungsfläche des Gewerbegebietes bei Haag geltende Fläche wieder als landwirtschaftliche Fläche dargestellt, wie der Bauamtsleiter ausführte. Der Verwaltung sei es „trotz intensiver Bemühungen“ nicht gelungen, das Areal zu kaufen, so Ruthard weiter.
Mit Blick auf die Gesamtsituation bei Diakoneo müsse man schauen, andere Standbeine zu bekommen und Arbeitsplätze zu schaffen, sagte Manfred Riedel (SPD). „Ich denke, wir brauchen ein Gewerbegebiet.“ Nach seinen Worten kann man so ein Vorhaben auch neu denken. Er nannte unter anderem Dach- und Fassadenbegrünung, erneuerbare Energien und Plätze mit Aufenthaltsqualität als Beispiele.
„Wir haben ein grundsätzliches Problem“, meinte Marcus Schomber (CSU). Flächen seien vorhanden, „sie werden aber nicht verkauft“. Ihm persönlich wäre es auch lieber, das Gewerbegebiet am Führschlag zu erweitern. Da dies aber nicht gehe, „haben wir keine Alternative, so leid es mir tut“. Marcus Schomber verwies auch auf die seit Jahren rückläufige Anzahl an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in der Gemeinde.
Bürgermeister Christoph Schmoll (SPD) unterfütterte dies mit Zahlen. Lag Neuendettelsau bis 2011 noch bei 105 Prozent, ging es danach auf 95 Prozent runter. Seitdem stagniere man zwischen 90 und 95 Prozent. Schmoll vermutet, dass der Effekt durch den Wegfall des Krankenhauses bei diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt ist.
Andere Kommunen wie zum Beispiel Windsbach haben ihren Wert im gleichen Zeitraum auf 120 Prozent gesteigert. Heilsbronn und Herrieden liegen gar bei 170 Prozent. Das Gewerbegebiet baue man hauptsächlich deshalb, um sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zu schaffen und „um den Ort dauerhaft am Leben zu erhalten“. Schmoll zufolge gibt es auch schon Interesse an zusätzlichen Flächen.
Die Grünen sahen das Vorhaben derweil problematisch. So werden zwölf Hektar landwirtschaftliche Fläche versiegelt, wie Georg Meier deutlich machte. „Wir müssen uns bewusst machen, dass Boden ein endliches Gut ist.“ Und weiter: „Unversiegelte Flächen leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, in dem sie CO2 speichern und den Wasserhaushalt regulieren.“
Meier verwies auch auf die Lebensqualität. Die Menschen in Aich und Mausendorf seien durch die Autobahn und die Staatsstraße ohnehin schon belastet. In diesem Punkt stimmte der Bürgermeister zu. „Wir müssen schauen, dass Auswirkungen auf die Bürger möglichst ausbleiben.
Der Gemeinderat stimmte jeweils gegen die vier Stimmen der Grünen dafür, einen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet aufzustellen und den Flächennutzungsplan zu ändern.