Die Geheimnisse eines Bollwerks: Was die Neustädter Stadtmauer heute noch verrät | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.11.2025 12:00

Die Geheimnisse eines Bollwerks: Was die Neustädter Stadtmauer heute noch verrät

Im Bereich der Freiung wurde die Neustädter Stadtmauer baulich genutzt – zunächst als Scheune, diese wurde später dann zu Wohnzwecken ausgebaut.  (Foto: Dr. Wolfgang Mück)
Im Bereich der Freiung wurde die Neustädter Stadtmauer baulich genutzt – zunächst als Scheune, diese wurde später dann zu Wohnzwecken ausgebaut. (Foto: Dr. Wolfgang Mück)
Im Bereich der Freiung wurde die Neustädter Stadtmauer baulich genutzt – zunächst als Scheune, diese wurde später dann zu Wohnzwecken ausgebaut. (Foto: Dr. Wolfgang Mück)

Frisch gedruckt ist die neue Miszelle zur Geschichte von Neustadt/Aisch von Altbürgermeister Dr. Wolfgang Mück. Diesmal hat der Historiker und namhafte Neustädter Autor „Die Neustädter Stadtmauer. Türme, Tore und Basteien” unter die Lupe genommen.

Es ist das 16. Heft der Miszellenreihe, die sich unter anderem der Neustädter Kirchenbibliothek, der Klosterlandschaft Birkenfeld, der Lateinschule oder dem jüdischen Leben in Neustadt widmet. Rund 100 Seiten umfasst die gerade erschienene, reich bebilderte Monografie zur Geschichte und zur Bedeutung der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Noch immer sind 1,3 Kilometer Stadtmauer erhalten

Von dem einstmals 1,7 Kilometer langen „Schutzmantel” der Stadt sind rund 1,3 Kilometer noch erhalten. Die Stadtmauer ist ein „stadtbildprägender touristischer Magnet und Sinnbild bürgerlicher Gemeinschaftsleistung”, so Mück. Zum Teil wurde sie im 19. Jahrhundert von neu errichteten Gebäuden überbaut. Durch Abbrüche einiger Anbauten in den 1990er Jahren wurden überbaute Stücke wieder freigelegt.

Gründlich wie immer, mit einer Vielzahl an Quellen, rollt Wolfgang Mück die Stadtgeschichte von Anfang an auf, und beginnt in einer Zeit, als es noch gar keine Stadt gab, sondern nur den Königshof Riedfeld. An der wichtigen Handelsroute Frankfurt am Main–Nürnberg gelegen, war der Königshof die Keimzelle der Stadt, die über Erbschaft in den Besitz der Zollern gelangte. Mit deren stetem Erweiterungsstreben weitete sich auch die Stadt aus – und damit ging auch die Entwicklung der Stadtbefestigung einher. Aus dem einstigen Schutzwall wurde nach und nach eine „stolze Befestigungsanlage”.

Festungsstadt unter Markgraf Albrecht Achilles

Unter Markgraf und Kurfürst Albrecht Achilles (1414 bis 1486) wuchs die Stadt über ihren inneren Kern hinaus und wurde zur Festungsstadt ausgebaut. Das Nürnberger Tor, das Windsheimer Tor und das Langenfelder Tor – mit Zugbrücken versehen – dienten als Absicherung.

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Die Geißbocksage, die eng mit der Stadtmauer verwoben ist, darf natürlich in den Ausführungen nicht fehlen – nicht zuletzt, weil ein heute noch sichtbares Sandsteinrelief im Torhaus des Nürnberger Tors zum Spekulieren über die sagenhafte Errettung der Stadt anregt.

Ein ganzes Kapitel beschäftigt sich mit der Stadtbefestigung am Ende des 18. Jahrhunderts. Hier begegnen wir Johann Georg Raab (1757 bis 1817), Lehrer an der Friedrich-Alexander-Schule, der im Jahr 1797 die Stadtmauer exakt vermessen und einen detaillierten Grundriss gefertigt hatte, in dem er auch die baulichen Beschaffenheiten der Türme und Mauern beschrieb.

Zugbrücken über Wassergräben

Ein Höhepunkt in Mücks Ausführungen ist sicherlich das fünfte Kapitel, das er ausführlich den Toren und Türmen widmet, reich bebildert mit Zeichnungen, Drucken und Fotografien. „Vor den Neustädter Stadttoren befanden sich teilweise mit Wasser gefüllte, teilweise trockene Gräben, die beim Ein- und Ausfahren aus der Stadt auf Brücken überquert werden mussten. Diese Brücken wurden des Nachts hochgezogen”, schreibt Mück und lenkt in seinen Ausführungen auch den Blick auf Details, wie zum Beispiel den so genannten „Judenkopf”, den der aufmerksame Betrachter am Nürnberger Tor entdecken kann.

Einblicke gibt der frühere Neustädter Bürgermeister auch in die Instandsetzungsarbeiten an Mauern und Türmen. Von kriegerischen Ereignissen wiederholt in Mitleidenschaft gezogen, mussten die Befestigungsanlagen in nahezu allen Jahrhunderten wiederhergestellt werden, so der Autor. Erhebliche Schäden erfuhr sie zum Beispiel im Zweiten Markgrafenkrieg, wo Neustadt als Residenz des Markgrafen Albrecht Alcibiades (1522–1557) von Brandenburg-Kulmbach Zerstörungen erlitt.

Erst in den 1970ern wurde der historische Wert erkannt

Doch auch in jüngerer Zeit wurde die Stadtbefestigung beschädigt, so waren Mauerdurch- und abbrüche in den 1960er Jahren noch üblich, bevor die Stadtverwaltung ab den späten 1970er Jahren erkannte, wie wichtig es ist, das historisches Erbe der Stadtgeschichte zu bewahren. In den 1990er Jahren wurden – auch mit Spenden – Sanierungsaktionen ausgeführt, die der Stadtmauer ihr heutiges Erscheinungsbild gaben.

Wolfgang Mück, „Die Neustädter Stadtmauer –Türme, Tore und Basteien”, Druck: Onlineprinters.de, ISBN 978-3-00-085279-4

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