Die Fischotter-Gefahr für Teichwirtinnen und -wirte stand im Mittelpunkt des jüngsten Treffens des CSU-Arbeitskreises Umwelt (AKU). Passend zum Thema fand die Versammlung am Karpfenteich der Familie Braun im Wilhermsdorfer Ortsteil Dürrnfarrnbach statt. Auch die AKU-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber war vor Ort.
„Im nächsten Leben sollten die Fische schreien können, dann würde etwas passieren“ Mit diesen Worten machte Teichwirtin Kerstin Braun ihrem Ärger Luft. Seit Jahren kämpft sie gegen Gefahren für ihre Karpfenbestände. Während die als „Fischräuber” tätigen Kormorane mit Jagdschein und Gewehr bejagt werden dürfen, fürchtet sie nun, dass sich Fischotter auch in Mittelfranken ansiedeln.
In der Oberpfalz und in Oberfranken hat die Ausbreitung des Otters bereits dazu geführt, dass etliche Teichwirtinnen und Teichwirte aufgeben mussten – ganze Bestände seien gefressen worden. Zu groß war die Fresslust der Otter, Totalausfälle waren keine Seltenheit.
Die langjährige Umweltpolitikerin, die jetzt als stellvertretende Fraktionsvorsitzende von CDU/CSU für die Themen Bildung, Familie, Senioren, Frauen, Jugend, Kultur und Medien zuständig ist, kennt nach eigenem Bekunden die Problematik: „Ob Biber, Kormoran oder Fischotter – die Konflikte sind überall die gleichen.“
Während Kormorane in Bayern abgeschossen werden dürfen, gelten für Otter strenge Schutzregelungen. Dennoch: Kerstin Braun hatte für diesen Zweck sogar den Jagdschein gemacht, denn für die Otter-Vergrämung sind in Oberfranken und der Oberpfalz „Allgemeinverfügungen“ erlassen worden.
Doch in letzterem Bezirk habe ein Umweltverband aus einem anderen Bundesland erfolgreich gegen die Verfügung geklagt, bedauert Weisgerber und wünscht sich deshalb „ein Verbandsklagerecht nur bei regionaler Betroffenheit.“ In Mittelfranken allerdings könne nach ihrer Aussage aktuell eine solche Verfügung ohnehin noch nicht erlassen werden: „Es muss erst der Erhaltungszustand des Fischotters festgestellt werden.“
Dabei gibt es jedoch ein Dilemma, das Martin Oberle, bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für Karpfenteichwirtschaft zuständig, so beschreibt: „Bis jetzt ist hier der Otter noch kaum da. Aber wenn er da ist, können wir aufhören mit den Karpfen, da ist jede Bemühung umsonst.“ Im Klartext: Wenn er da ist, muss man ihn sichten und die Bestände prüfen, um eventuell reagieren zu dürfen, aber dann dürfte es für eine Reaktion schon zu spät sein. Erste Sichtungen gab es, laut einem Besucher, bereits bei Zirndorf an der Bibert.
Alexander Meier, Biberberater im Landkreis Fürth und Teichwirt, fordert deshalb: „Wir brauchen jetzt eine Ausnahmeverordnung.“ Obwohl er weiß, dass es schwierig ist, Otter in Lebendfallen nach Männchen und Weibchen zu sortieren, wie in solchen Verordnungen gefordert wird.. „Wir haben ja gar nichts gegen den Otter an sich. In der Donau oder im Rothsee können sie bleiben“ – aber eben nicht an und in fränkischen Karpfenteichen.
Und das nicht nur, weil diese seit 2021 ein immaterielles Kulturerbe sind. „Wegen der weltweit einzigartigen, kleinteiligen Teichlandschaft“, die eben nicht Massenproduktion betreibe, präzisiert Martin Oberle. „Mit dieser Karpfenteichwirtschaft haben wir in Nordbayern ein Alleinstellungsmerkmal“, hebt Alexander Meier zudem heraus: „Da hängen auch viele Gastwirtschaften dran.“
Weisgerber will nun das Wissen um solche Kulturlandschaften wieder stärker in die Gesellschaft tragen. Unterstützung erhält sie vom mittelfränkischen Bauernpräsidenten Peter Köninger: „Wenn der Umweltausschuss das nicht schützt – wer dann?“ Doch bis zu einer Lösung könnte es dauern.
Gabi Schmidt, FW-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Fischerzeugerrings Mittelfranken, erinnert daran, dass der Bayerische Landtag bereits 2022 einstimmig gefordert habe, alle Arten im Artenschutz gleich zu bewerten – nach Vorbild Österreichs und Frankreichs. „Bis heute liegt die Forderung unbehandelt im Bundestag“, kritisiert sie.
Das Treffen selbst hatte AKU-Chef Jens Ostendorf so zusammengefasst: „Wie man sieht, geht’s bei Teichen nicht nur um Karpfen.“
Teichwirtin Kerstin Braun erklärt den Zyklus: In ihrem Himmelsweiher ohne Zufluss setzt sie jedes Frühjahr rund 20.000 K1-Setzlinge ein – kleine Karpfen von etwa 7 Zentimetern Länge und 19 Gramm Gewicht. Ein Kilo dieser Jungfische kostet rund 12 Euro. „Ein Drittel davon fressen Kormorane – das ist eingerechnet“, sagt Braun. Im Herbst werden die Fische mit etwa 700 Gramm abgefischt und an andere Teichwirtinnen und -wirte verkauft, die sie bis zur Speisegröße weiter aufziehen. Doch sollte der Otter die Region erreichen, stünde die Karpfenzucht für sie vor dem Aus: „Dann müsste der Besatz aus dem Ausland kommen – zu völlig unklaren Preisen und Bedingungen.“