Es geht darum, zu entstigmatisieren und für das Thema Sucht zu sensibilisieren – für eine Erkrankung, die viele betrifft. Auch heuer findet das Projekt „Filmriss” statt. Gezeigt wird das Sozialdrama „Vena”. Es geht um Mutterschaft, Abhängigkeit und den Weg zurück ins Leben. Zu sehen ist der Film am 11. November im Neustädter Kino.
Zur kostenlosen Vorstellung, die um 19 Uhr beginnt, laden die Bezirkskliniken Mittelfranken, der Krisendienst Mittelfranken und die Psychosozialen Suchtberatungsstellen in Mittelfranken ein. Fachleute aus diesen Bereichen stehen nach der Vorführung für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung. Mit dabei sind Psychologe Fabian Jakobi vom Bezirksklinikum Ansbach, Sozialpädagogin Christine Stöbling vom Gesundheitsamt (Sachgebiet Beratung und Prävention), Traumpädagogin Eva Sill-Schmitt vom Krisendienst Mittelfranken und Psychologin Yvonne Munro, Leiterin der Suchtberatung des Diakonischen Werkes.
„Vena” erzählt das Leben von Jenny (Emma Nova), die ihren Freund Bolle (Paul Wollin) über alles liebt und von dem sie ein Kind erwartet. Das löst in Jenny ambivalente Gefühle aus, denn das Leben hat ihr zuvor viel zugemutet. Sie ist mit der Justiz und dem Jugendamt aneinandergeraten, ihre Beziehung mit Bolle leidet zudem unter der Drogenabhängigkeit der beiden. Als ihnen die Familienhebamme Marla (Friederike Brecht) zugewiesen wird, beginnt Jenny, Marla zu vertrauen. Sie fasst den Mut, sich ihren Ängsten zu stellen und Verantwortung zu übernehmen – für das neue Leben in ihr, aber vor allem für sich selbst.
Thematiken wie diese kennt Yvonne Munro aus ihrer beruflichen Praxis in der Suchberatung. Es kommt, wenn auch nicht oft, durchaus vor, dass Frauen, die schon zu ihren Klientinnen gehören, schwanger werden. Es wenden sich aber auch werdende Mütter mit einer Suchtproblematik an sie, wenn sie erfahren, dass sie ein Kind erwarten. „Das ist gut und wichtig”, sagt Munro.
Einige Kontakte laufen zudem über das Jugendamt, die Koki offene Hilfen, Schwangerschaftsberatungen oder andere Stellen. „Wir begleiten die Schwangeren intensiv und gehen auch, wenn das gewünscht wird, zur Schwangerschaftsberatung mit.” Beim Konsum von Opiaten müsse mit ärztlicher Aufsicht eine Entgiftung stattfinden. Wenn abrupt mit den Drogen aufgehört werde, sei dies nicht ungefährlich und es bestünde eine hohe Rückfallgefahr.
Hebammen und die Klinik, wo die Entbindung stattfindet, müssten über die Sucht ebenfalls dringend informiert werden. Frauen, die drogenabhängig seien, erlebten ein Trauma, da bedürfte es mit Blick auf eine traumasensitive Geburt der fachlichen Unterstützung. Viele verschweigen aus Scham, dass sie Suchtmittel konsumieren.
Dahinter steckt oft die Angst vor dem Verlust des Sorgerechts oder vor rechtlichen Konsequenzen. Viele vermeiden es zudem, pränatale Vorsorgeangebote in Anspruch zu nehmen. Dabei sollte sich, so Munro, jede Frau diese Hilfe holen und die Angebote nutzen. Diese gibt es auch für Schwangere, deren Partner suchtkrank sind. „Wir bieten Angehörigengruppen an, aber auch Einzelgespräche.”
Nun hofft die Leiterin der Suchtberatung erst einmal, dass der Film im Neustädter Kino wieder so gut besucht wird, wie die „Filmriss”-Angebote in den vergangenen Jahren und die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit nutzen, mit den Fachleuten zu sprechen oder einen Termin in den jeweiligen Fachstellen auszumachen. Kommen können alle, sie sich für das Thema interessieren.