Die Bombenangriffe vor 80 Jahren in Ansbach: Der Tod kommt im Splittergraben | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.02.2025 13:00

Die Bombenangriffe vor 80 Jahren in Ansbach: Der Tod kommt im Splittergraben

Carola Wellhöfer arbeitete als Krankenschwester in einem im Bahnhof eingerichteten Lazarett. Bei den Bombenangriffen suchte die 20-Jährige in einem Splittergraben vergeblich Schutz. (Repro: Lara Hausleitner)
Carola Wellhöfer arbeitete als Krankenschwester in einem im Bahnhof eingerichteten Lazarett. Bei den Bombenangriffen suchte die 20-Jährige in einem Splittergraben vergeblich Schutz. (Repro: Lara Hausleitner)
Carola Wellhöfer arbeitete als Krankenschwester in einem im Bahnhof eingerichteten Lazarett. Bei den Bombenangriffen suchte die 20-Jährige in einem Splittergraben vergeblich Schutz. (Repro: Lara Hausleitner)

Carola Wellhöfer war Anfang 1945 Krankenschwester in dem im Ansbacher Bahnhof eingerichteten Lazarett. Bei den Luftangriffen der Alliierten kam sie ums Leben. Karola Hartmann, ihre jüngere Schwester, trägt den gleichen Vornamen wie die damals Verstorbene – allerdings mit K statt mit C.

In einem FLZ-Aufruf haben wir nach Angehörigen von Menschen gesucht, die bei den Bombenangriffen auf Ansbach am 22. und 23. Februar 1945 getötet oder verletzt wurden. Etliche Bürgerinnen und Bürger haben sich gemeldet – darunter Karola Hartmann, geborene Wellhöfer.

„Ich habe meine Schwester nicht gekannt, ich bin erst 1949 geboren“, erklärt die Ansbacherin. „Für meine Mutter ist der Tod meiner Schwester natürlich ein Riesenschock gewesen. Sie war gerade in Gräfenbuch bei den Schwiegereltern während der Bombardierung und ist dann sofort mit dem Fahrrad zum Ansbacher Bahnhof gefahren. Das ist mir erzählt worden.“

Die 20-jährige Krankenschwester Carola Wellhöfer hatte in dem Splittergraben am Bahnhof Schutz gesucht. Doch die Bomben verwandelten das Bahnhofsareal in ein Trümmerfeld – die junge Frau hatte keine Chance in ihrem Versteck.

Dem Bruder in der nahen Schule geschah nichts

„Meine Schwester war wohl nur noch an den Schuhen zu erkennen“, sagt Karola Hartmann. „Viel mehr weiß ich nicht. Meine Mutter hat fast nie über meine Schwester gesprochen. Ich kann mich aber erinnern, dass wir oft auf dem Friedhof bei ihrem Grab gewesen sind, als ich klein war.“

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Nicht nur die Mutter hatte zeitlebens schwer zu kämpfen mit dem Verlust, sondern auch Carolas jüngerer Bruder Karl. „Er war 15 Jahre alt bei den Bombenangriffen und Schüler an der Oberrealschule“, schildert Karola Hartmann. „Meine Schwester und er haben sich noch in der Mittagspause getroffen, und meine Schwester ist dann Richtung Bahnhof gegangen und mein Bruder ist zur Schule gelaufen. Meinem Bruder ist nichts passiert. Es hat ihn immer bedrückt, dass er seine Schwester damals nicht mit zur Schule genommen hat.“

Schicksal sei es wohl gewesen, dass die beiden jungen Leute verschiedene Wege einschlugen, von denen einer ins Verhängnis führte, meint Karola Hartmann. „Meine Schwester hätte an dem Tag eigentlich auch gar keinen Dienst gehabt. Sie hatte getauscht, um an einem anderen Tag frei zu haben und jemanden besuchen zu können.“

„Über die Kriegszeit wurde nicht gesprochen”

Karola Hartmann hätte sehr gern mehr über ihre viele Jahre ältere Schwester erfahren. „Aber es wurde ja nicht darüber gesprochen bei uns zu Hause. Über die ganze Kriegszeit wurde nicht gesprochen. Das war wie ausgelöscht“, sagt die Ansbacherin. „Auch in der Schule wurde nicht darüber geredet. Es war so, als wollte man das Thema einfach nicht wahrhaben.“

Dass sie den beinahe gleichen Vornamen bekam wie ihre Schwester, sei nicht ungewöhnlich, erklärt Hartmann. „Ich habe Ahnenforschung betrieben und dabei festgestellt, dass es früher üblich war, einem Kind den gleichen Namen zu geben wie einem zuvor verstorbenen Kind.“ Zu Hause bei Karola Hartmann hängen an der Wand gerahmte Fotos ihrer großen Schwester.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Geschichte Ihrer Angehörigen, die vor 80 Jahren in Ansbach Opfer der Bomben wurden, ebenfalls erzählen möchten, können Sie sich bei der Fränkischen Landeszeitung melden: per E-Mail unter redaktion@flz.de, telefonisch unter der Rufnummer 0981/ 9500224 oder per Post unter FLZ, Redaktion, Nürnberger Straße 9-17, 91522 Ansbach.


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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