Die Ansbacher Ehrenbürgerin Gretl Schneider ist verstorben | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.07.2024 18:00

Die Ansbacher Ehrenbürgerin Gretl Schneider ist verstorben

Für die SPD zog Gretl Schneider 1956 als jüngstes Mitglied in den Stadtrat ein. Sie war eine von nur zwei Frauen. (Archivfoto: Alexander Biernoth)
Für die SPD zog Gretl Schneider 1956 als jüngstes Mitglied in den Stadtrat ein. Sie war eine von nur zwei Frauen. (Archivfoto: Alexander Biernoth)
Für die SPD zog Gretl Schneider 1956 als jüngstes Mitglied in den Stadtrat ein. Sie war eine von nur zwei Frauen. (Archivfoto: Alexander Biernoth)

Selbstbewusst, voller Energie und den Menschen zugewandt, vor allem den Schwachen in der Gesellschaft: So erlebten viele Gretl Schneider. Am Sonntag starb die Grande Dame der Ansbacher Kommunalpolitik mit 93 Jahren. Die Ehrenbürgerin prägte die Zukunft der Stadt maßgeblich mit – und nicht nur die.

Geboren wurde die spätere SPD-Politikerin am 15. Januar 1931 als Margareta Otta in Hradzen im Sudetenland. 1946 fand sie eine zweite Heimat in Ansbach. „Wir haben uns gut aufgenommen gefühlt“, erzählte sie zu ihrem 90. Geburtstag der FLZ, „die Stadt hat auch alles für die Heimatvertriebenen gemacht.“ Nun wollte sie der Kommune etwas zurückgeben.

Die Gelegenheit bekam sie als junge Frau. Die Sozialdemokratin zog 1956 mit gerade 25 Jahren in den Stadtrat ein. In Bayern war sie damals die jüngste Stadträtin und im Ansbacher Stadtrat eine von lediglich zwei Frauen. Sie sollte dem Gremium 46 Jahre lang angehören, bis zum Jahr 2002.


Ich habe immer gesagt: Mein Platz ist in Ansbach.

Gretl Schneider (1931 bis 2024)

In der Gesundheitspolitik zum Beispiel wollte Gretl Schneider etwas für ihre Stadt bewegen. Von 1968 bis 2002 gehörte die Mandatsträgerin dem Verwaltungsrat des Krankenhauses an.

Die Kultur lag der SPD-Stadträtin ebenfalls am Herzen. Hier „stritt Gretl Schneider für die Errichtung des Markgrafenmuseums und dessen Förderung durch den Freistaat“, heißt es in dem Buch „Die Ehrenbürger der Stadt Ansbach“ von Alexander Biernoth und Dr. Wolfgang F. Reddig.

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Gretl Schneider setzte aber auch über die Stadt hinaus Zeichen. Von 1982 bis 1994 wirkte sie im Bezirkstag von Mittelfranken. Zwischen den Jahren 1986 und 1990 stand sie der SPD-Fraktion vor, und von 1990 bis 1994 war sie – als erste Frau im Freistaat – Vizepräsidentin eines Bezirkstags.

In ihrer Partei bekleidete Gretl Schneider hohe Ämter. In erster Linie war sie von 1982 bis 1988 Mitglied im SPD-Parteirat, der das höchste Beschlussgremium zwischen den Bundesparteitagen war. 1984 wurde die Ansbacherin sogar Mitglied eines Verfassungsorgans: der Bundesversammlung, deren Aufgabe es ist, den Bundespräsidenten zu wählen.

Schon ihr Großvater und Vater waren in der Kommunalpolitik

Die kommunale Ebene verlassen wollte sie nie. Angebote, für den Bundestag und den Landtag zu kandidieren, lehnte sie ab. „Ich habe immer gesagt: Mein Platz ist in Ansbach“, erinnerte sie sich. Bis sie 1969 familienbedingt aufhörte, war die Ansbacherin Berufsberaterin beim Arbeitsamt.

Die Familie war der Sozialdemokratin wichtig. Ihre Aufgaben konnte sie alle erfüllen, da ihre Eltern ihr viele Jahre halfen – „und mein Mann Dieter hat alles mitgetragen“, wie sie sagte. Später habe auch ihre Tochter sie unterstützt. Aus dem Stadtrat schied Gretl Schneider 2002 als dienstälteste Stadträtin Bayerns aus.

2003 wurde sie Ehrenbürgerin, was ihr viel wert war: „Das ist für mich die höchste Auszeichnung, obwohl ich viele habe“ – zum Beispiel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik. Sie genoss weit über die SPD hinaus großes Ansehen.

Dass die Politik zu einer Leidenschaft wurde, lässt sich an der Familiengeschichte ablesen. Schon ihr Großvater und Vater waren Sozialdemokraten und kommunalpolitisch tätig gewesen.

Der Oberbürgermeister und die SPD-Chefin äußern sich

Gretl Schneider erhielt für ihre großen Verdienste um die Stadt zu Recht die Ehrenbürgerwürde, wie am Dienstag Oberbürgermeister Thomas Deffner deutlich machte. „Ich hatte zu ihr ein sehr gutes Verhältnis.“ Sie sei für ihn stets eine wichtige Ratgeberin gewesen.

Kathrin Pollack, Vorsitzende des SPD-Kreisverbands Ansbach Stadt, nannte sie Unterstützerin, Beraterin, Vorbild, auch Wegbereiterin. „Sie war ihrer Zeit voraus, eine Pionierin, auch was die Gleichberechtigung betroffen hat.“

Noch im hohen Alter fiel auf, wie fit Gretl Schneider war – geistig und lange auch körperlich. „Ich glaube, dass das damit zusammenhängt, dass ich immer viel in Bewegung war“, stellte sie zum 90. Geburtstag fest. Gelassen und mit feinsinnigem Humor blickte sie damals auf ein erfülltes Leben zurück. Zuletzt zeigten sich Beschwernisse des Alters. Nun starb die Grande Dame der Ansbacher Kommunalpolitik.

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