In nur drei Jahren hat sich die heute 15-jährige Sportschützin Pia Sturm zu einem Ausnahmetalent entwickelt. Als Leistungssportlerin ist sie mittlerweile bei den Bayerischen und den Deutschen Meisterschaften erfolgreich und ist laut Vorstand der Gollhöfer Bürgerschützen die erfolgreichste Schützin, die der Verein je hatte.
Eigentlich sollte man meinen, der Schießsport wurde Pia Sturm in die Wiege gelegt. Vater Stefan Sturm und die Großeltern Gerhard Hundt-Sturm und Gerda Sturm sind beziehungsweise waren lange Zeit durchaus erfolgreich im Gollhöfer Bürgerschützenverein aktiv. Doch für Pia war das lange Zeit so gar kein Thema. Erst im Sommer 2022, als der Verein im Ferienprogramm ein Schnupperschießen anbot, meldete ihre Mutter Christine sie dazu an – getreu dem Motto: „Wenn der Papa beim Verein ist, dann gehst du dort hin!“
Bis zu diesem Tag noch ohne Ambitionen im Schießsport, hatte Pia tatsächlich Spaß am Schnuppertraining und begleitete in der darauffolgenden Zeit ihren Vater häufiger mal zum Training. Dass sie gut ist, merkte sie dann, als sie ihren Vater in kürzester Zeit überrundet hatte.
Zu ihrem ersten Rundenwettkampf ging sie im Oktober 2023 nach Ickelheim. Dort ist Markus Retta, Trainer der RWS (Rot-Weiß-Schützen) Franken und gleichzeitig Trainer der 2. Bundesliga-Mannschaft Ickelheim auf sie aufmerksam geworden. Kurz darauf, so erzählt Pias Mutter, habe das Telefon geklingelt und ihre Tochter bekam die Einladung zum Stützpunkttraining nach Obernzenn. Dort wiederum überzeugte sie mit ihren Leistungen, und so wurde sie gefragt, ob sie im Leistungsverein der RWS Franken aufgenommen werden wolle. „Das empfand ich als ein großes Lob – und so habe ich Ja gesagt“, erzählt Pia.
Von diesem Zeitpunkt an änderte sich nicht nur Pias Leben, sondern auch das ihrer Familie. Mit der Aufnahme in den Leistungsverein werden auch die Eltern verpflichtet, dass das Kind die Trainings wahrnimmt. Nachdem Pia aber auch in Gollhofen weiter im Verein bleiben wollte, hatte sie nun noch zusätzliche Trainingsabende in Ickelheim und Obernzenn, dazu regelmäßig Wettkämpfe – im Sommer fast jede Woche. Die Familie unterstützt ihre Tochter dabei, und so ist es für Vater Stefan selbstverständlich, dass er seinen Urlaub mittlerweile nach den Wettkämpfen der Tochter richtet.
Der sportliche Aufstieg Pias verlief von nun an in rasanter Geschwindigkeit: Frühsommer 2024: – erste Wettkämpfe in München. „Das war echt krass“, erzählt Pia. „Von Bogen bis Pistole wurde dort alles geschossen“. Dann die Qualifizierung für die Bayrischen Meisterschaften im Sommer 2024 – wieder in München auf der Olympia-Schießanlage in Hochbrück. Dort holte sie auf Anhieb drei Medaillen und wurde Bayerische Vizemeisterin im Einzelwettkampf Luftgewehr Drei-Stellung. Gold erreichte sie jeweils in der Mannschaftswertung Luftgewehr Drei-Stellung und Luftgeweht stehend. Somit war sie automatisch für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert.
Pias Erwartungen an sich selbst waren sehr hoch und so war sie enttäuscht, dass sie dort keine Medaille errang. Von ihrem Verein und von ihrer Familie wurde sie getröstet, denn, objektiv betrachtet, war ihr Platz unter den ersten 20 an sich schon ein beachtlicher Erfolg.
Da das Sportschießen nicht nur eine Frage des Könnens, sondern auch der technischen Ausstattung ist, bekam Pia nach den Bayerischen Meisterschaften ihr erstes eigenes Luftgewehr. Das, so sagt Pia, war für sie noch einmal ein entscheidender Motivationsschub und habe ihren Ehrgeiz und die Vorfreude auf das kommende Training wieder geweckt. Und Pia erklärt: „Ein eigenes Gewehr zu haben, hat den Vorteil, dass es genau auf mich eingestellt werden kann.“ Enya Full, stellvertretende Vorsitzende des Schützengaus ergänzt: „Die Schraubarbeit am Gewehr unterscheidet einen guten von einem sehr guten Schützen“.
Trotz des beeindruckenden überregionalen Engagements ist Pia den Gollhöfer Bürgerschützen – ihrem Heimatverein – treu geblieben. Mittlerweile in die erste Mannschaft aufgerückt, trägt sie zum sehr guten Abschneiden des Vereins in den Rundenwettkämpfen der Gauoberliga bei. In der Einzelwertung macht sie, so formuliert es Enya Full, einen „Durchmarsch durch alle Wettkämpfe mit den besten Ergebnissen“. Bei den Gau-Fernwettkämpfen 2024 hat Pia zu Beginn gleich 400 Ringe erreicht. „Das ist Höchstleistung – mehr geht nicht“, bestätigt Enya Full.
Heuer – im Jahr 2025 – knüpfte Pia an die Erfolge des Vorjahres an und baute sie weiter aus.Bei den Bayerischen Meisterschaften errang sie Silber in der Einzelwertung Kleinkaliber, Bronze in der Mannschaftswertung Luftgewehr, Bronze in der Mannschaftswertung Kleinkaliber und Silber in der Mannschaftwertung Luftgewehr Drei-Stellung. Ohne Pause ging es danach gleich ins Trainingslager für die Deutschen Meisterschaften. Es wurde jeden Tag nach einem strengen Plan trainiert. „Da waren wir alle platt“, gesteht Pia. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt, denn die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften wurde wiederum zu einem Erfolg. Vier Medaillen in Einzel- und Mannschaftswertung hat Pia erreicht.
In der Jahresgesamtwertung im Luftgewehr wurde sie Beste ihrer Altersklasse auf bayerischer Ebene. Dadurch öffnete sich für Pia die Tür in den Bayernkader. Das aber würde für sie noch mehr Training und mehr Wettkämpfe in München und deutschlandweit bedeuten.
Sie hat abgesagt – zumindest erst einmal. Denn, so sagt sie, der Stress würde dann doch zu groß werden. Jetzt wolle sie erst einmal ihren Realschulabschluss machen und eine Ausbildung beginnen. Sie wolle schließlich neben dem Leistungssport auch noch ein bisschen Zeit für sich selbst haben, mit der Landjugendgruppe unterwegs sein und weiter im Posaunenchor spielen. Ihre Eltern sind froh, dass ihre Tochter sich so entschieden hat und bei allem Erfolg bodenständig geblieben ist.
Und was die weitere Zukunft dann bringen mag, da ist Pia ganz gelassen. „Wir werden sehen....“, sagt sie und lacht.