Ein Produkt aus Markt Erlbach hat den prestigeträchtigen deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 gewonnen. Ganz schön großer Bahnhof für ein Start-up zur Wandbegrünung.
„Es war wirklich eine Riesen-Show”, ist Lisa-Kraft-Scheiderer noch immer höchst beeindruckt von der Gala zur Preisverleihung in Düsseldorf. Sie war schon etwas aufgeregt, als sie den Teppich betrat, der in diesem Fall nicht rot sondern blau war. Beim zweitägigen Kongress in Düsseldorf präsentierte sie „The Box”, das Produkt, mit dem das Start up „Urban Greenery” den Preis in der Kategorie „Möbel und Einrichtung” gewonnen hat.
Mehr als 3000 Leute treffen sich beim Kongress mit der abschließenden Gala, darunter viel Prominenz aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Politik und Kultur. Unter der Schirmherrschaft der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner waren in diesem Jahr zum Beispiel Lisa Neubauer, Maja Göpel, Mojib Latif oder Eckart von Hirschhausen unter den Rednern. In einer der 15 Master Classes saß aber spontan auch Lisa Kraft-Scheiderer mit auf dem Podium und erläuterte, wie man mit recyceltem Kunststoff das Raumklima verbessern, der Psyche wohltun und langfristig vielleicht auch die Städte klimaresilienter machen kann.
Das Produkt, das den Preis gewonnen hat, heißt „The Box”. Es wird für Innen- und Außenwände angeboten. Mit Hilfe der Kiste kann die Wand bepflanzt werden. Ein modulares System sorgt dafür, dass die einzelnen Elemente, die etwa DIN A3-groß sind, nach Belieben kombiniert und erweitert werden können.
Patentiert ist auch das System für die Kaskadenbewässerung. Durch ein Loch oben wird das Wasser eingefüllt. Kaskadenartig läuft es von Modul in Modul bis zu einem kleinen Wassertank, so dass die Pflanzen im Idealfall nur alle zwei Wochen gegossen werden müssen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Systemen funktioniere die Bewässerung stromfrei, erläutert die Unternehmerin.
Bei allen Systemen wird darauf geachtet, dass Ressourcen gespart werden: Das modulare Begrünungssystem besteht aus recyceltem Kunststoff und aus bis zu 96 Prozent recyceltem PET-Filz. Torfmoos wird nachhaltig in Paludikultur angebaut.
Das Unternehmen, das das Produkt baut, heißt „Urban Greenery”. Noch nie gehört? Kein Wunder, in Markt Erlbach ist eher der Unternehmensname PHI geläufig. Das Unternehmen produziert technische Produkte für die Fenster- und Türenindustrie und wurde 1990 von den Familien Reichel/Scheiderer gegründet. Lisa Kraft-Scheiderer ist Geschäftsführerin.
Sie ist stolz auf das innovative Führungsteam. Dazu zähle beispielsweise ein italienischer Ingenieur, der speziell in Richtung innovativer Produkte denke. In der Führungsriege habe man schon länger mit dem Gedanken gespielt, neue Branchen zu erschließen. Die Idee für „The Box” sei dann aber im privaten Rahmen bei einer Flasche Wein entstanden, erzählt Kraft-Scheiderer.
„Urban Greenery” gehört zur Unternehmensgruppe von PHI, wurde aber als eigenes Start-up gegründet und bietet seit Mai 2024 online seine Produkte an. Auch wenn das Kerngeschäft von PHI und „Urban Greenery” auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben scheinen: Auch für PHI werden schon zu mehr als 90 Prozent Recyclate, also wieder aufbereiteter Kunststoff, verarbeitet. Für die Entwicklung von „The Box” seien Werkstudierende aus allen möglichen Fachbereichen zusammengekommen.
Ihr selbst und dem ganzen Führungsteam sei Nachhaltigkeit wichtig. Sie war schon viel in großen Städten und habe erlebt, wie sich die Betonwüsten aufheizen und Grün fehlt. Pflanzen hätten nicht nur innen wie außen einen positiven Einfluss auf das Raumklima. Sie könnten auch Schadstoffe aus der Luft filtern.
Aber mit „The Box” muss sie nicht nur auf Kundschaft aus den großen Städten hoffen. Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß ist sehr stolz darauf, dass so ein innovatives Unternehmen in der Gemeinde ansässig ist und gratulierte mit einem großen Blumenstrauß. Aus dem Rathaus bringt sie den Wunsch mit, dass das Unternehmen dort gerne eine Schau-Fläche einrichten kann. Davon könnten beide Seiten profitieren. „The Box” wird in der unmittelbaren Umgebung bekannter und das Rathaus, für das alle Sanierungs-, Neubau- und Umzugspläne erst einmal auf Eis liegen, hätte auf einmal eine zukunftsgerichtete Schauseite.
Über eine Auszeichnung freut sich zunächst einmal jede(r). Allerdings gibt es inzwischen auch einige Preise, die vor allem dem Geschäft der Organisatoren und Organisatorinnen dienen. Wer teilnimmt, zahlt zum Teil nicht unerhebliche Summen. Auch der renommierte und sehr prominent besetzte deutsche Nachhaltigkeitspreis hat deshalb schon Kritik geerntet. Die Bewertungskriterien seien zu intransparent, auch dort werden zum Teil hohe Summen für die Teilnahme, den Besuch der Gala und die Lizenzen für die Nutzung des Siegels bezahlt, lauten die Kritikpunkte. Darauf wurde nun reagiert. Für sie als Newcomer sei die Teilnahme komplett kostenfrei gewesen, betont Lisa Kraft-Scheiderer, Geschäftsführerin von „Urban Greenery” und PHI. Auch die Nutzung des Logos und die Teilnahme an der großen Gala sei kostenfrei. Es gab laut Homepage gut 1300 Bewerbungen für die 100 Preise.