Am Start: „Spirit of 76“, eine F-15 der amerikanischen Luftwaffe im bunten „Bicentennial-Anstrich“, 1976 eine Erinnerung an das 200. Gründungsjubiläum der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Maschine war am Wochenende eine der Stars der diesjährigen Modellflugtage der Flugsportgruppe Neustadt (FSG) an deren Platz unweit von Dottenheim.
Als „Show-Event“, als Schaufliegen, hat die Veranstaltung im zweijährigen Rhythmus einen festen Platz im Kalender Flugsportbegeisterter. Rund 2000 Besucher waren es am Wochenende, so schätzt Sven Felbinger, Referent Modellflug bei der FSG, die Anzahl der Leute, die sich für die Technik der Flugzeuge und das fliegerische Können ihrer Piloten an der Fernsteuerung interessierten. Was sie zu sehen bekamen, war in jeder Hinsicht spektakulär.
Am Start war die Elite deutscher und österreichischer Modellbauer mit ihren Maschinen. Sie zeigten Kunstflug in meisterlicher Form, sei es mit einem Doppeldecker, mit Jets, Propellermaschinen oder Hubschraubern. Nachdem kein Wettbewerb aufgerufen war, sondern reines Schaufliegen, boten die Besitzer der teils bis zu 20.000 Euro teuren Flugzeuge dem Publikum, wofür es gekommen war. Loopings, steiles „in den Himmel ziehen“, Vorbeiflug in Rückenlage, Tiefflug knapp in Bodenhöhe und dann wieder steile Kurven vor dem Hintergrund der Burg Hoheneck.
Mit lebhaftem Beifall quittierten die Gäste, die durch einen Zaun zwischen Besucherbereich und Flugbetrieb geschützt waren, die spektakulären Flugmanöver. Apropos Sicherheit: Natürlich liegt ein entsprechendes Sachverständigengutachten für den Platz vor und luftfahrttechnische Abnahmen für bestimmte Modellflieger sind ebenfalls Voraussetzung, um damit an den Start zu gehen. Schließlich wogen manche der Modellflieger bis zu 40 Kilogramm, der Platz ist für Flugzeuge bis zu 150 Kilogramm Gewicht zugelassen.
Die Flugzeuge sind bis ins Detail ihren großen Vorbildern nachempfunden, weiß Sven Felbinger. Bausätze, die auch mal 250 Arbeitsstunden und mehr verschlingen, bis die Teile aus dem Karton zusammengefügt sind und sich als Flieger in die Luft erheben können, seien keine Seltenheit. Umso mehr wird dann auch der Wert auf Äußeres gelegt. Da ist ein Modell in den Farben der Schweizer Kunstflugstaffel „Patrouille Suisse“ in Parkposition zu sehen, die Italiener sind mit ihrer „Frecce Tricolori“ vertreten, eine amerikanische F-16 zeigt eine Sonderlackierung, die an den D-Day, die Landung in der Normandie 1944 erinnert, und eine belgische F-16 ziert eine beeindruckende Schlange am Leitwerk.
Dass Militärmaschinen mit ihren farbenfrohen Sonderlackierungen immer ein Hingucker sind, liegt auf der Hand. Ganz anders, deswegen aber nicht minder spannend, zeigt der Doppeldecker Bücker Jungmeister in seiner Parkposition. Eine Puppe am Steuer, mit Pilotenbrille, stilecht bekleidet, passende Fliegerhaube auf dem Kopf und der obligatorische weiße Schal – der Anblick ist schon am Boden bemerkenswert. Weht dann der Schal bei Vorbeiflug im Wind, verschwimmt die Grenze zwischen Modell und Wirklichkeit. Fehlt nur noch das Winken ins Publikum.
Kunstflug „at its best“ zeigten Nick Ruppert und Oliver Preis mit ihren beiden Jets im Formationsflug. Sie standen den großen Vorbildern in nichts nach. Mit einer Vektorsteuerung ausgestattet, sprich der gezielten Steuerung der Schubrichtung eines Modells, sind Manövrierfähigkeiten beim Kunstflug ungleich präziser. So waren beide Jets auch im Schwebefluge in unmittelbarer Bodennähe präzise steuerbar.
Wer nach den Vorführungen der „Elite-Spitzenpiloten“ (Felbinger) selbst Lust auf Modellflug bekam, von den in großer Höhe angesiedelten Preisen aber abgeschreckt wurde, für den hatte Sven Felbinger einen Rat parat. Mit rund 300 Euro lassen sich „einstiegstaugliche“ Modelle erwerben, die auch dem Modellflug-Anfänger Spaß garantieren. Mit den zahlreichen anwesenden Kindern, für die übrigens in Rosinenbomber-Manier auf dem vorab gesperrten Flugfeld Bonbons abgeworfen wurden, steht der Nachwuchs jedenfalls am Start.