„Der Welt Gutes tun“: Bio-Hof aus Egenhausen geht voran | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.06.2024 15:00

„Der Welt Gutes tun“: Bio-Hof aus Egenhausen geht voran

Jutta, David und Wolfgang Baumann (von links) mit einem der Fahrzeuge, mit denen die Öko-Kisten ausgeliefert werden. (Foto: Matthias Oberth)
Jutta, David und Wolfgang Baumann (von links) mit einem der Fahrzeuge, mit denen die Öko-Kisten ausgeliefert werden. (Foto: Matthias Oberth)
Jutta, David und Wolfgang Baumann (von links) mit einem der Fahrzeuge, mit denen die Öko-Kisten ausgeliefert werden. (Foto: Matthias Oberth)

Am Anfang waren zwei Ziegen und der Wunsch, die Welt zu retten. Und wenn schon nicht die ganze Welt, dann zumindest einen Teil davon. Jutta und Wolfgang Baumann gehörten vor über 35 Jahren zu einer Schar idealistischer, junger Menschen, die sich sehr viele Gedanken über die Chancen für eine ökologische Landwirtschaft machten und einen Wandel herbeiführen wollten.

Aus dem damals oft belächelten Projekt der „grünen Spinner“ im Obernzenner Ortsteil Egenhausen ist heute ein mittelständisches Unternehmen geworden, bei dem rund 30 Menschen in Voll- und Teilzeit beschäftigt sind. Der Wechsel von der Tierhaltung zum Gemüseanbau, der Aufbau des Lieferservice mit der Öko-Kiste, die Gestaltung und Eröffnung des Hofladens – auf dem „Baumannshof“ ist in den vergangenen Jahrzehnten kaum einmal Ruhe eingekehrt.

Sohn David stieg vor etwa vier Jahren ein

Was es bedeutet, ökologische Landwirtschaft zu betreiben, ein eigenes Vertriebssystem aufzubauen und sich mit allen möglichen Widrigkeiten auseinanderzusetzen, hat David Baumann von Kindesbeinen an hautnah mitbekommen. Dennoch hat sich der heute 29-Jährige entschieden, in die Fußstapfen seiner Eltern zu steigen, und gehört nun seit rund vier Jahren zum Team.

Ein logischer Schritt? Wohl eher nicht. In einem Haushalt aufzuwachsen, der großen Wert auf eine gesunde Ernährung legt und in dem Rohkost fester Bestandteil in der Vesperbox für die Schule war, hat nicht nur Freude hervorgerufen. „Es gab schon Zeiten, da war ich neidisch auf das Pausenbrot meiner Mitschüler.“ David Baumann lacht, als er das sagt, denn viele, viele Jahre später hat er beim Gespräch mit einem seiner früheren Klassenkameraden erfahren, dass dieser mindestens genauso neidisch auf den Inhalt seiner Vesperbox schielte.

Fachabitur in Triesdorf abgelegt

„Mit 15 habe ich in mein Tagebuch geschrieben, dass ich mit der Sache meiner Eltern nie etwas zu tun haben will.“ Erst als er mit 16 von zu Hause auszog, um in Triesdorf sein Fachabitur abzulegen, sei ihm immer mehr bewusst geworden, dass seine Eltern viel mehr als ein Unternehmen in seinem Heimatdorf aufgebaut hatten. „Werte und Beziehungen“. Diese beiden Begriffe fallen immer wieder im Gespräch mit Jutta, Wolfgang und David Baumann.

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„Wir halten den Kontakt zu unseren Lieferanten und unseren Kunden“, sagt Jutta Baumann. Denn hinter diesen „Beziehungen“ stehen auch die Werte, die Lieferanten, Kunden und die Baumanns miteinander verbinden. „Es muss zwischen uns und den Lieferanten passen, es soll ein Verhältnis auf Augenhöhe sein“, erläutert Jutta Baumann. Dabei geht es um keine festgeschriebenen Regeln, sondern um einen fairen, offenen Umgang miteinander.

Regionalität und Nachhaltigkeit sind sehr wichtig

Regional und nachhaltig, der Ansatz gehört sozusagen schon immer zur DNA des Hofes. Für die Unternehmer-Familie sind es aber nicht nur Schlagworte, sondern es wird im Kleinen, wie im Großen gelebt. Die Zulieferer sollen nicht nur nach Möglichkeit aus der näheren Umgebung kommen, sondern werden auch direkt angesteuert, wenn sie auf einer Ausliefer-Route der Öko-Kiste liegen. „Die Mengen, die wir abnehmen, sind ja nicht so riesig“, sagt Jutta Baumann. Eine separate Anlieferung verursacht zusätzliche Kosten und verbraucht Energie. „Das versuchen wir zu vermeiden“, so David Baumann.

Klar, es war nicht alles Sonnenschein in den vergangenen Jahrzehnten. Der mühsame Start mit den Bio-Kooperationen in Nürnberg, auf deren Märkten Jutta und Wolfgang Baumann ihre ersten Kunden gewinnen konnten. Der Sprung von der Festanstellung als Heilerziehungspfleger in die Selbstständigkeit, die Investitionen in Lagerhallen, Kühlräume und später dann in die Fahrzeuge zum Ausfahren der Öko-Kiste. Ein „organisches Wachstum“ konstatiert Wolfgang Baumann, das allerdings auch mit unzähligen Arbeitsstunden verbunden war und ist.

Öko-Kiste feierte in der Pandemie große Erfolge

Die Corona-Pandemie war dabei eine besondere Herausforderung für den Baumannshof. Die Nachfrage nach der Lieferung von Öko-Kisten explodierte. Inzwischen hat sich das Niveau wieder auf Vor-Corona-Zeiten eingependelt. Gleichzeitig haben viele Discounter und Supermärkte ihr Angebot an Bio-Waren deutlich ausgebaut. Damit verlagerte sich der Preiskampf auch in dieses Segment der Nahrungsmittelerzeuger. Während die großen Ladenketten mit ihrer Marktmacht, die Erzeuger massiv unter Druck setzen, bleiben die Baumanns bei ihrem Credo, nachhaltig und fair.

Der Einstieg von David Baumann ist für die beiden Öko-Pioniere nicht nur mit Blick auf die Firmennachfolge eine erfreuliche Entwicklung. Vielmehr kann sich Wolfgang Baumann nun ganz auf den Gemüseanbau konzentrieren, David ist für die Öko-Kiste und den Lieferservice zuständig und Jutta kümmert sich um den Hofladen und die Veredelung der Produkte.

Mehr Präsenz auf Märkten und Events

Ihre Rezepte haben bei den Kunden Kultstatus und sie probiert gerne und viel aus. „Als wir noch Tierhaltung betrieben, war ich beim Schlachten dabei, aber ich wollte nie eine Metzgerin werden“, erinnert sich Jutta Baumann. Genauso erging es ihr, als sie mit dem Brotbacken begann. „Mir ist es wichtig, den Produktionsprozess zu kennen und zu wissen was dahintersteckt, ausschließlich eine Bäckerin wollte ich jedoch nicht sein“, so ihr Credo.

Dank des Einstiegs von David Baumann ist jetzt sogar wieder Zeit für eine der Leidenschaften von Jutta Baumann: Wieder verstärkt auf Märkten und Events die Vielfalt der Produkte des Baumannshof zu präsentieren. Wolfgang Baumann hätte sich derweil gewünscht, dass David verstärkt beim Gemüseanbau einsteigt und ihn entlastet.

David Baumanns Stärke liegt in der Organisation

„Seine Stärken liegen aber in der Organisation und im Kontakt zu unseren Kunden und Lieferanten“, konstatiert der 64-Jährige und stellt sich deshalb darauf ein, noch ein paar Jahre auf den Äckern mit seinen Maschinen unterwegs zu sein. David Baumann packt jedoch selbstverständlich überall mit an, wo er gebraucht wird. Das Arbeitspensum seines Vaters hat sich dadurch jedenfalls reduziert. „Jetzt komme ich zum ersten Mal dazu, meine Werkstatt aufzuräumen und nicht nur einfach alles in die Kisten und Schränke zu stopfen.“

Und David Baumann? Er wirkt entspannt. Holt sich seine Abwechslung als Mitglied beim Impro-Theater in Rothenburg und hält etwas Distanz zum elterlichen Hof, indem er sich eine Wohnung in Bad Windsheim gesucht hat. Seinem Tagebuch hat er übrigens in seiner Zeit in Triesdorf anvertraut, dass er sich inzwischen vorstellen könnte, in den Öko-Betrieb einzusteigen. Seinen Eltern will er das zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, „weil sie sonst vielleicht enttäuscht werden“.

Beim Hoffest im Juni wird gefeiert

Und wie steht es mit der Rettung der Welt? „Ich will das weiterhin“, sagt Jutta Baumann und lacht. Wolfgang Baumann sieht es eher skeptisch und glaubt nicht mehr recht daran, dass angesichts von Kriegen, Krisen und Konsumdenken „die ganze Welt noch zu retten ist“. David Baumann geht es da eher pragmatisch an und sagt: „Wenn wir schon nicht die ganze Welt retten können, dann versuchen wir zumindest in unserer kleinen Welt etwas Gutes zu tun.“

Worin sich alle drei dann wieder komplett einig sind, ist die Freude auf ihr Hoffest, das am Sonntag, 23. Juni, stattfindet und sein 25-jähriges Bestehen feiert. Von 10 bis 17 Uhr wird ein buntes Programm geboten, Zulieferer stellen aus, Handwerker präsentieren sich und vor allem die Kinder kommen an diesem Tag auf ihre Kosten. Ein Tag, an dem die Baumänner mit ihrem Team aber auch zeigen wollen, was ihnen wichtig ist: Werte und Beziehungen.


Von Matthias Oberth
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