Der Stupfl-Mikrokosmos in Schillingsfürst ist intakt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.02.2025 14:00

Der Stupfl-Mikrokosmos in Schillingsfürst ist intakt

Die Tanzgruppen überzeugten mit ausgefeilten Choreografien. Das Foto zeigt das Schratzi-Ensemble, das eine temperamentvolle ABBA-Einlage präsentierte. (Foto: Jürgen Binder)
Die Tanzgruppen überzeugten mit ausgefeilten Choreografien. Das Foto zeigt das Schratzi-Ensemble, das eine temperamentvolle ABBA-Einlage präsentierte. (Foto: Jürgen Binder)
Die Tanzgruppen überzeugten mit ausgefeilten Choreografien. Das Foto zeigt das Schratzi-Ensemble, das eine temperamentvolle ABBA-Einlage präsentierte. (Foto: Jürgen Binder)

Die Welt spielt verrückt und braucht dringend Konstanten. Da trifft es sich gut, dass der Stupfl-Mikrokosmos noch intakt ist. Am Wochenende entfaltete er seine ganze närrische Pracht. Die Aktiven zündeten bei den Auftaktvorstellungen in der Albert-Zietz-Halle ein Feuerwerk in Sachen Wortwitz und Tanzdynamik.

Nach dem Einzug des Fünferrats um Präsident Werner Rauch legten die Gardetänzerinnen eine blitzsaubere Eröffnungschoreografie hin, bevor die „Stupflschrabbe“, also die Kleinsten in den Reihen der Frankemer Faschingsgilde, die Bühne zur Manege machten und mit einigen artistischen Formationen für Begeisterung im Publikum sorgten.

Wenn der Polizist nur Bahnhof versteht

Weiter ging es mit einer Hommage an die Schillingsfürster Geheimsprache. In dem Sketch verstand Polizist und Hochdeutsch-Sprecher Mathias Neigenfind nur Bahnhof, als ihm die ledige Mutter Regina Rothenberger und der mutmaßliche Erzeuger des Kindes, Ralf Albig, den komplizierten Sachverhalt auf Jenisch zu erklären versuchten.

Es folgte der Auftritt der fünf Frankemer Originale. Bettler Stefan Barthelmeß, Schausteller Matthias Bär, Känzenweib Lena Zobel, Stupfler Markus Hofmann und Holzgehner Rainer Kolb deckten gnadenlos einige Peinlichkeiten des Schillingsfürster Ortsgeschehens auf, darunter einen rohrbruchbedingten Wasserengpass in der Stadt, der sich ausgerechnet an jenem Wochenende einstellte, an welchem ein Bus voller Gäste aus der französischen Partnergemeinde Chamberet zum gemeinsamen Jubiläumsfeiern da war.

Besucher beim Stupflfasching 2025.  (Foto: Evi Lemberger)
Besucher beim Stupflfasching 2025.  (Foto: Evi Lemberger)

In Schillingsfürst ist die stachlige Verwandtschaft los: Die Bilder vom Stupflfasching 2025

Die Session der Frankemer Narrengemeinde läuft. Die Aktiven sparen nicht mit Gags und dynamischen Tanzeinlagen.

Mit gesanglichen Mitteln erläuterte das Quintett die prekäre finanzielle Lage Schillingsfürsts, indem es Helene Fischers Hitrefrain „Atemlos durch die Nacht“ umtextete in „Mittellos ist die Stadt“.

Eine geschmeidige Premiere als Büttenredner absolvierte Philipp Drechsel. Als „Dr. Echsel“ sezierte er diverse Lokalthemen, darunter die Entstehungsgeschichte des Mehrgenartionenspielplatzes im Neubaugebiet. Der trage diesen Namen, weil sich seine Fertigstellung über neun Jahre und damit quasi „über mehrere Generationen“ hingezogen habe, so die Erklärung des gut informierten Mediziners.

Keine Stupfl-Sitzung ohne Ordensverleihung: Auszeichnungen gingen unter anderem an zwei verlässliche Materiallieferanten des Frankemer Faschings, nämlich den Schillingsfürster Bürgermeister Michael Trzybinski und dessen Wörnitzer Kollegin Friederike Sonnemann. Ersterer hatte mit dem Nichterscheinen bei einer von ihm selber initiierten Einweihungsfeier für Inspiration gesorgt, während Zweitere die Fördermittel für eine groß angelegte Baumpflanz-Aktion gestrichen bekam, weil die von ihr georderten Setzlinge nicht den amtlichen Vorgaben entsprachen.

Die Stupfl-Tratschn ziehen über den Mann her

Auch ohne vergleichbare Vorleistungen wurden zwei weitere Politiker mit Orden bedacht: der Ornbauer Bürgermeister Marco Meier und der Bundestagskandidat der Freien Wähler, Markus Mooser.

Im Schlussdrittel des fünfstündigen Programms bekam das Publikum weitere Highlights vorgesetzt, etwa den Auftritt der vier Stupfl-Tratschn Alexandra Kolb, Silvana Greiser, Regina Böhringer und Simone Galle, die ziemlich ausgelassen über den Mann als solchen herzogen, etwa mit dem Trinkspruch: „Siehst du ihn im Moore winken, wink’ zurück und lass ihn sinken.“ Die Ehre der Spezies hielten aber die Aktiven des Männerballetts hoch, und zwar mit einer aufwändig choreografierten Reminiszenz an die Addams-Family.

Und dann waren da noch Ralf Albig und Markus Löschel, die als Kultduo Rancher und Mäx eine aberwitzige Musikperformance hinlegten.

Bis Rosenmontag folgen weitere neun Stupfl-Sitzungen. Karten sind aber nicht mehr verfügbar.

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