Der Rothenburger Weg: Sechs Räume für 130 Jahre Stadtgeschichte | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.04.2025 07:00

Der Rothenburger Weg: Sechs Räume für 130 Jahre Stadtgeschichte

Der dem „Rothenburger Weg“ gewidmete neue Dauerausstellungsbereich verteilt sich über sechs Räume des Museums. In einem davon wird die Zerstörung durch den Bombenangriff vor 80 Jahren thematisiert. (Foto: Jürgen Binder)
Der dem „Rothenburger Weg“ gewidmete neue Dauerausstellungsbereich verteilt sich über sechs Räume des Museums. In einem davon wird die Zerstörung durch den Bombenangriff vor 80 Jahren thematisiert. (Foto: Jürgen Binder)
Der dem „Rothenburger Weg“ gewidmete neue Dauerausstellungsbereich verteilt sich über sechs Räume des Museums. In einem davon wird die Zerstörung durch den Bombenangriff vor 80 Jahren thematisiert. (Foto: Jürgen Binder)

Für die vielen Abschnitte und Gabelungen des „Rothenburger Wegs“ sind sechs Räume eigentlich zu wenig. Es ging aber darum, dieses Thema mit all seinen Facetten überhaupt einmal museal aufzubereiten. Und das ist denen, die sich der Mammutaufgabe annahmen, nach Auffassung der Eröffnungsgäste ziemlich überzeugend gelungen.

Veranschaulichen soll der neue Dauerausstellungsbereich im RothenburgMuseum, der mit einer Feierstunde eingeweiht wurde, den von der Bürgerschaft und den Stadtverantwortlichen gewählten Umgang mit dem historischen Bauerbe. Für diesen Prozess, der den Zeitraum vom Einsetzen des ersten Fremdenverkehrsbooms Ende des 19. Jahrhunderts über die Zerstörung des östlichen Teils der Altstadt 1945 und den gemäß spezieller Kriterien erfolgten Wiederaufbau bis hin zur Gegenwart umfasst, hat sich der Begriff „Rothenburger Weg“ etabliert.

Optisch markante Arrangements

Es ist in jedem Fall ein sehr weites Feld, dem sich die Macher der ab sofort im Obergeschoss des Museums zugänglichen Themenschau da gewidmet haben. Hunderte historischer Darstellungen und Fotos trugen Kunsthistorikerin Edith von Weitzel-Mudersbach und Architekt Hanns Berger zusammen, um damit in chronologisch sinnvoller Reihung die Räume zu gestalten. Zahlreiche begleitende Texttafeln waren zu erstellen. Überdies wurden aus Bauteilen, Werkzeugen und Trümmerresten markante Arrangements montiert. Die Umsetzung dieser optisch wichtigen Elemente erledigte der Architekt Tom Macht aus Dresden.

Bei der Eröffnung unterstrich Oberbürgermeister Dr. Markus Naser den hohen Stellenwert dieser neuen Abteilung für die Gesamtwirkung des Museums. Der „Rothenburger Weg“, der dort nun nachvollziehbar werde, sei vor 130 Jahren eingeschlagen worden, und zwar mit der Festlegung von Richtlinien, die seither einen durchgehenden rechtlichen Schutz für das bauliche Erbe darstellten. Der Wunsch, die Einheitlichkeit des Stadtbildes zu sichern, sei damals aus der Bürgerschaft erwachsen und nicht von außen gekommen. Hauptmotiv sei die Förderung des Fremdenverkehrs gewesen.

Ein paar Jahrzehnte später hätten die Nationalsozialisten dieses Ideal einer alten deutschen Stadt für ihre Zwecke instrumentalisiert, so Naser. Geführt habe das „zur schlimmsten Zerstörung“ durch Bomben am 31. März 1945. Danach sei es in Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele der Bewahrung des Stadtbildes gelungen, den Wiederaufbau in verantwortungsvoller und konsequenter Form hinzubekommen, erklärte der OB, der hier vom „Wunder des Rothenburger Wegs“ sprach. Was in Trümmern lag, sei alten Straßenverläufen und Kubaturen gemäß neu entstanden, und zwar von einigen Ausnahmen abgesehen ohne historistische Zusätze und Verzierungen.

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Präsentation mit offenem Ende

Kuratorin Edith von Weitzel-Mudersbach dankte dem Trägerteam des Museums um Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler für die wertvollen Impulse bei der Umsetzung. Es handele sich zwar um eine Dauerausstellung. Deren Form sei aber nicht in Stein gemeißelt. Vielmehr könnten sich in Details immer wieder Änderungen ergeben, analog zum „Rothenburger Weg“, der ebenfalls noch nicht an einem Endpunkt sei, sondern weitergehe, meinte sie. Ihr Kollege Hanns Berger äußerte sich ähnlich. Unter dem Begriff „Rothenburger Weg“ verstehe jeder etwas anderes. Diese Lust am Interpretieren wolle die Schau fördern, meinte er.

Traudl Reingruber erinnerte mit Zeitzeugenberichten an den Bombenangriff 1945. Das griff zum Schluss auch Museumsleiterin Franziska Krause auf: Der „Rothenburger Weg“ werde zu Recht als Erfolgsgeschichte bezeichnet. Zu begreifen sei er mit Blick auf die Kriegszerstörung aber auch als Mahnung.

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