Der Reitclub Trautskirchen (RCT) feiert am Samstag, 26. Juli, sein 50-jähriges Bestehen mit einem Gaudi-Turnier für Teilnehmende mit und ohne Pferd am Vormittag sowie einer Feier am Abend für Mitglieder, Helfer und Unterstützer.
Helfer und Unterstützer – davon gibt es traditionell viele beim RCT. Jedes Jahr beim Reitturnier sind über 100 Freiwillige im Einsatz, von denen ein großer Teil noch nie auf einem Pferd gesessen hat. „Die meisten davon kamen über persönliche Kontakte zu den Reitern zu unserem Verein und sind geblieben“, erläutert die ehemalige Vorsitzende, Anja Raatz.
Denn dass es sich beim RCT gut aushalten lässt, ist überregional bekannt. Gäste von nah und fern schwärmen jedes Jahr von der guten Küche, die Anja Raatz und ihr Gastronomie-Team komplett selbst auf die Beine stellen und von langer Hand planen. Für die handgemachten Spätzle trifft sich das Team vier Wochen vorher, um den Teig zu machen. Verarbeitet werden unter anderem rund 200 Eier.
Anlässlich des 50. Geburtstags blicken der Vorsitzende Lukas Lockl, Anja Raatz und der langjährige, frühere Vorsitzende, Ehrenmitglied Hans Ebert, auf die Anfänge zurück. „Die Gründungsmitglieder waren eine Gruppe von Pferdenarren, die sich beim Reitstall Bibelriether in Schußbach zu gemeinsamen Ausritten trafen“, erzählt Raatz. Dabei sei die Idee zur Vereinsgründung entstanden. Am 3. Dezember1975 wurde die Urkunde unterzeichnet. Erster Vorsitzender wurde der damalige Gastronom Heinz Hecht.
Bereits ein Jahr später trat Hans Ebert dem Verein bei, der die Geschicke über die Anfangsphase hinaus mitprägte. „Damals hatten wir keinerlei eigene Infrastruktur“, erinnert er sich. Da der RCT noch nicht so etabliert war, gestaltete sich die Suche nach einem Grundstück schwierig. „In der Flurbereinigung haben wir dann unsere Chance gesehen und schließlich 1986 die 10.000 Quadratmeter am jetzigen Standort erwerben können.“
Als Nächstes wurde ein Dach über dem Kopf benötigt. Zwar stellen die Mitglieder traditionell ihre Tiere dezentral ab, sodass der Verein bis heute weder einen Stall betreibt noch unbedingt einen braucht. Als noch Reitunterricht angeboten wurde, fand dieser auf dem Bibelriether-Hof in Schußbach statt. Ein trockenes Plätzchen zum Beisammensitzen sowie ein Lager wollte man aber unbedingt.
Günstig konnte eine ausrangierte Baracke aus der Bauphase des Main-Donau-Kanals erworben werden. „Die wurde dann geliefert und lag in Einzelteilen hier auf der Wiese, nichts schien zu passen“, so Ebert schmunzelnd. Eine Dokumentation sei nicht dabei gewesen, sodass man an der Aufgabe schnell verzweifelt sei und sich auf die Suche nach einem Experten machen musste.
Ergänzt wurde das Häuschen durch selbst gebaute Verkaufsstände für Wein und Snacks. Gemeinsam mit den Schützen und dem Sportverein wurden außerdem Festzelte angeschafft. Damit stand der Durchführung des ersten RCT-Turniers am 30. August 1986 – einer entspannten Veranstaltung für Freizeitreiter – nichts mehr im Wege. Das große Besucherinteresse bestärkte die Mitglieder, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Viele Feste für die Dorfgemeinschaft brachten ein wenig Geld ein, und auch das Turnier nahm von Jahr zu Jahr Fahrt auf. „Bei der Premiere waren nur 80 Starts gemeldet, und drei oder vier Jahre danach waren es so viele, dass wir zwei Parcours aufbauen mussten – sonst hätten wir die Prüfungen an einem Wochenende nicht geschafft“, berichtet Ebert.
Eine ähnlich gute Gelegenheit zum Ausbau der Infrastruktur ergab sich dann Anfang der 2000er Jahre, als die Baracke langsam baufällig zu werden drohte. Anja Raatz las beim Frühstück in der Zeitung, dass Container-Gebäude in Leichtbauweise veräußert wurden. Kurz entschlossen schlugen die Trautskirchener zu und erwarben die Container, in denen bislang die Wiesen-Polizeistation beim Münchner Oktoberfest untergebracht war. Eine ideale Lösung. „Die Errichtung eines Gebäudes in Massivbauweise ist an diesem Standort gar nicht zulässig, da wir uns im Retentionsgebiet der Zenn befinden“, erläutert Ebert. Das Reiterheim ruht auf Punktfundamenten und ist, den Vorgaben entsprechend, komplett unterspülbar.
Auch diese Maßnahme war eine Herausforderung für die Mitglieder. Komplett in Eigenleistung dauerten die Bauarbeiten fast zwei Jahre. „Wenn ich mich hier so umschaue – von den Pflastersteinen auf der Terrasse habe ich jeden zweimal und die meisten sogar dreimal in der Hand gehabt“, erinnert sich Ebert. Einweihung war im Mai 2009.
Aktuell zählt der Verein 196 Mitglieder, Tendenz leicht steigend. „Da wir allerdings seit der Pandemie aufgrund von Trainermangel keinen Reitunterricht mehr anbieten können, haben wir kaum reiterlichen Nachwuchs“, informiert Lockl. Um ein wenig gegenzusteuern, wurde unter anderem die Teilnahme am Ferienspaß wiederbelebt. Das kommt gut an. Für die Veranstaltung „Pferdespaß mit dem Reitclub“ Anfang August wird bereits eine Warteliste geführt.
Die Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr gehen am Samstag, 6. September, mit der traditionellen Jagdveranstaltung zu Ende, die diesmal mit zwei Jagdhund-Meuten doppelt so groß wie sonst sein wird.