Der Klosterchor in Bad Windsheim wird endlich wachgeküsst | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.07.2025 08:00

Der Klosterchor in Bad Windsheim wird endlich wachgeküsst

Auch im Innern des Klosterchores müssen Bohrpfeiler gesetzt werden. Deswegen hat hier zuvor ein Archäologe gegraben. (Foto: Nina Daebel)
Auch im Innern des Klosterchores müssen Bohrpfeiler gesetzt werden. Deswegen hat hier zuvor ein Archäologe gegraben. (Foto: Nina Daebel)
Auch im Innern des Klosterchores müssen Bohrpfeiler gesetzt werden. Deswegen hat hier zuvor ein Archäologe gegraben. (Foto: Nina Daebel)

Die Angst wollte lange nicht gehen. Weil sie in den vergangenen Jahren ein ständiger Begleiter der Verantwortlichen gewesen ist, die sich für die Instandsetzung des Klosterchores in Bad Windsheim eingesetzt haben. Es war die ständige Furcht davor, dass das Projekt wieder gekippt werden könnte. Doch jetzt sind die ersten Gewerke vor Ort.

Sabine Detsch steigt mit weißem Bauhelm auf dem Kopf über die Gerüststangen. Die Vorsitzende des Fördervereins Klosterchor und historische Stadtbibliothek ist erleichtert. Lange hat sie diese Baustelle herbeigesehnt, hat dafür gekämpft, hat sich nicht beirren lassen, hat Niederschläge weggesteckt und war mitunter unbequem für andere. Und das alles mit dem Ziel, den Bad Windsheimer Klosterchor, ein Denkmal von nationaler Bedeutung, zu retten. Jetzt ist es so weit, jetzt wird das Gebäude „wachgeküsst”, wie es ein Plakat am Baugerüst seit Kurzem weithin sichtbar verkündet.

Detsch und Christa Schlosser, Schriftführerin des Fördervereins, stehen im Chorraum. Um die Pfeiler herum wurde in den Untergrund gegraben, der Aushub türmt sich daneben. Hier war der Archäologe Wolfgang Steeger am Werk. Denn bevor die Firma anrücken kann, die zur Stabilisierung des Gebäudes diverse Bohrpfeiler im Boden versenken wird, musste dieser erst einmal archäologisch untersucht werden.

„Es ist kein Stiftergrab oder ähnlich Bedeutungsvolles gefunden worden, aber das hatten wir auch nicht erwartet”, sagt Detsch. Bei den Grabungen außerhalb des Chores hat man aber zumindest ein Opfergrab gefunden, ein Katzenskelett und eine Münze. Die Münze ist mittlerweile bei einer Münchener Spezialfirma, die ihr Alter bestimmen soll.

Außenwand ist wieder sichtbar

Zwei zugemauerte Durchgänge im Chor sollen Detsch zufolge herausgebrochen werden und so neue Verbindungen schaffen. Die eine wird in den Garten führen, die andere zur Husarengasse. Im Gebäude des H1 haben die Handwerker bereits einiges von der Theorie in die Praxis umgesetzt. So ist der Putz vom unteren Teil der Hausfassade entfernt worden und hat den Blick auf das dahinter verborgene Fachwerk freigelegt. „Es ist in einem ordentlichen Zustand und soll erhalten bleiben, genauso wie der Türstock, der noch aufgearbeitet wird”, erklärt Detsch.

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Wer in der Haustür des H1 stehend den Blick nach links richtet, kann den bereits jetzt weit empor gleiten lassen. Denn die bislang komplett verbaute Außenwand des Klosterchors ist nun wieder sichtbar, inklusive eines Ursprungsfensters. Auch ein weiterer Teil der Decke und die Treppe hinauf in den ersten Stock werden bald weichen.

Hier soll eine Art Foyer entstehen, damit die Architektur des Gebäudes gut zu erfassen ist. Zwar bleibe die enge Verzahnung beider Gebäude, also des H1 und des Klosterchores, aber die Wahrnehmung werde eine andere sein, so Detsch. Das Kleinteilige werde aufgelöst, die historische Bausubstanz solle ihre Geschichte erzählen.

Komplett neuer Dachstuhl

Der Hauptraum des ersten Stocks wirkt nun in sich stimmiger. Viel dazu beigetragen hat, dass dort eine bislang nur noch zur Hälfte vorhandene Fachwerkwand wieder vervollständigt worden ist. „In diesem Raum war auch sichtbar geworden, dass das Gebäude insgesamt abgesackt ist”, erklärt Detsch und zeigt auf einen der Balken, der quasi auf der Wand hing. Er ist mit breiten Riemen wieder hochgezogen worden, die Wand darunter wurde neu aufgemauert. Dadurch gewinnt der Raum an Höhe, die er vorher nicht hatte.

Der Dachstuhl indes muss nahezu komplett erneuert werden. Sobald das erledigt ist, folgt der Dachstuhl des Klosterchores. So steht es im Bauzeitenplan. Demzufolge wird auch bald die Spezialfirma anrücken, die für die Stabilisierung des historischen Kirchengebäudes sorgen und Bohrpfeiler setzen wird. Andere Gewerke werden parallel arbeiten und sich mitunter die Klinke in die Hand geben.

Erdgeschoss ohne Barrieren

„Es gab schon viele positive Überraschungen, die gezeigt haben, dass das Gebäude an der Husarengasse mehr Potenzial hat als gedacht”, so Detsch. Positiv sei beispielsweise, dass nichts feucht und kein Schimmel vorhanden sei. Im Erdgeschoss soll ein barrierefreier Raum entstehen. Deswegen werden voraussichtlich die beiden dort irgendwann einmal eingezogenen Wände wieder herausgerissen. „Sie sind nicht historisch.” Im Erdgeschoss werden auch die Toiletten eingebaut, die sowohl vom Garten als auch vom Klosterchor aus problemlos zu erreichen sein werden.

Dass der Klostergarten, der aktuell keiner ist, später wieder einer sein wird, liegt Detsch sehr am Herzen. Weil aktuell aber keine finanziellen Mittel vorhanden sind, um das Gelände zu gestalten, will sie hier andere Wege gehen. Geplant ist, die Bevölkerung und ihre Ideen einzubeziehen. „Der Garten ist ein Teil des Ensembles, er muss mitgedacht werden.” So solle ausgelotet werden, was es an Wünschen gebe und was wirtschaftlich machbar sei – auch mit Blick auf die Landesgartenschau 2027.

„Nur ein belebtes Denkmal kann überleben”

Die Kostenkontrolle ist ohnehin etwas, was Detsch bei dem gesamten Projekt enorm wichtig ist. „Wir kennen die wirtschaftlichen Probleme der Stadt und wollen nicht nur fordern, sondern schauen, was möglich ist.” Die Instandsetzung müsse sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen. Umso mehr freut es Detsch, dass man aktuell noch unterhalb der Kostenschätzung liegt.

Darin enthalten ist auch die Sanierung des Anbaus, der im rückwärtigen Teil des H1 an dieses angrenzt. Dort soll ein Kiosk entstehen, inklusive einer Küche und Terrasse. Bei Veranstaltungen im künftigen Klostergarten kann dann von hier aus bewirtet werden. Denn eines sei Detsch zufolge ganz klar: „Nur ein belebtes Denkmal kann überleben.”

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