„Lieber den Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach“, lautet ein Sprichwort. Günther Brehm aus Göttelhöf ist das aber nicht genug. Er hält lieber Tauben in der Hand – am liebsten besonders schön gewachsene. „Thüringer Einfarbige“ heißen seine Lieblinge. Mit ihnen fuhr er im Januar einen internationalen Zuchtpreis ein.
Seit 47 Jahren züchtet Günther Brehm bereits Geflügel in Göttelhöf, einem Ortsteil von Gerhardshofen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad WIndsheim). Begonnen hatte er mit Kingtauben. Da man bei dieser Rasse die Täubin aber recht schlecht vom Täuberich unterscheiden kann, wie er sagt, wandte er sich wieder von ihnen ab.
Bei den Thüringer Einfarbigen ist die Unterscheidung optisch deutlich einfacher. Die Männchen sind im Rumpf weiß und die Weibchen grau-silbern, wie der Fachmann erklärt. Vor Jahrzehnten habe er diese von einem Kästeler Züchterkollegen bekommen – und Brehm war angetan.
Von wegen einfarbig. Die Tiere haben warm orangefarbene Augen und einen zartrosa Schnabel. Nacken und Schwung, also die Schwanzfedern, sind schwarz-weiß, der Hals ist bräunlich – ebenso finden sich zwei bräunliche Binden an den Rückenfedern. Ins Auge stechen vor allem die gefiederten Füße.
Der Preis, den Günther Brehm jetzt gewonnen hat, macht ihn besonders stolz. Es gibt 14 Thüringer Taubenrassen. Neben seinen Einfarbigen sind es Mäuser, Weißlatz, Goldkäfer, Weißschwanz, Storchtaube, Mondtaube, Schildtaube, Mönchtaube, Weißkopf, Schwalben, Schnippen, Flügeltauben und Brüster. Auf seiner Sieger-Urkunde sind alle aufgemalt.
Etwa 2000 Tiere dieser 14 Rassen waren bei der „Internationalen Hauptschau für Thüringer Farbentauben“ in Großlangheim (Landkreis Kitzingen) ausgestellt. Immer sechs Exemplare unterliegen den strengen Augen der Preisrichter: Gesamteindruck, Farbe, Kopfform, Augenfarbe (orange bis dunkelorange), Rückendeckung und die füllige Brust werden mit Punkten bewertet. Ergebnis: Der Erfolgreichste bei den Einfarbigen heißt Günther Brehm.
Züchter aus ganz Deutschland und Europa hatten sich bei der Schau eingefunden, erzählt der Göttelhöfer. Eigentlich sollten 3000 Tiere präsentiert werden, aber die Halle war zu klein. Ein Däne, der jedes Jahr zur Ausstellung nach Großlangheim komme, erblickte schließlich Brehms Täuberich und wollte das Tier unbedingt haben. Für 20 Euro gab er ihn her. Und so wird der Name von Gerhardshofen-Göttelhöf nun positiv in ein nordeuropäisches Land getragen.
Die Thüringer, die seines Erachtens „wie richtige Tauben“ aussehen, umgibt ein Geheimnis. Denn niemand weiß, wie sie entstanden sind. Jedenfalls wurden sie auf einem Bauernhof in Thüringen erstmals gesichtet. Alle Arten wurden aus diesen Exemplaren herausgezüchtet. Rund 150 Federtiere hält Brehm in einem eigenen Gebäude – darunter auch Hühner und Gänse. Vereinzelt befinden sich auch Weißlatze, Schnippen und andere Rassen darunter.
Derzeit werden Tauben und Täuberiche noch nach Geschlecht räumlich getrennt. Im März werden sie dann wieder zusammengebracht – damit sich im Frühjahr Nachwuchs einstellt. Jetzt sei es für eine Zusammenführung noch zu kalt. Die Küken könnten sonst womöglich erfrieren.
Außerdem werden die Federtiere jetzt noch fit für eine spätere Elternschaft gemacht: Eine Darmkur, drei Impfungen gegen Viren und eine dreiwöchige Ruhepause gehen der Züchtertätigkeit voraus. Im März dürfte es dann schnell gehen – logisch, wenn man monatelang auf das andere Geschlecht verzichten musste. Mit dem Nachwuchs wird die nächste Generation der besonderen Tauben Einzug in Göttelhöf halten.
Der 60-jährige Günther Brehm tut auch alles dafür, damit sein bald vierjähriger Enkel Leon ebenfalls diesem Hobby frönt und Rassegeflügelzüchter wird. Mit den Worten „Taube, essen“ lockt dieser bereits das Geflügel aus dem Eck, füttert die Tiere und ist zufrieden.