Meisterfeier, Bierduschen, Rathausbalkon - beim FC Bayern steht eine Woche vor dem DFB-Pokalfinale in Berlin schon mal ein bestens eingeübtes Party-Ritual an. Und im Fokus wird der „ewige Manu“ stehen.
Denn die Übergabe der Meisterschale an Kapitän Manuel Neuer im Anschluss an das letzte Saisonspiel in der Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Köln am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in der ausverkauften Allianz Arena wird nicht das Ende der einzigartigen Karriere von Deutschlands Rekordtorwart einleiten. Nein, es folgt noch eine Zugabe, definitiv beim FC Bayern bis 2027 - und womöglich auch in der Nationalmannschaft bei der in Kürze beginnenden WM?
Bayern-Coach Vincent Kompany wehrte zwar konkrete Nachfragen zu einem von Bundestrainer Julian Nagelsmann nun doch noch erwogenen DFB-Comeback von Neuer charmant, aber auch gewohnt konsequent ab.
„Mein Kollege hat jetzt diesen vollen Druck, den Kader zusammenzustellen für die WM. Und da muss der Bayern-Trainer nicht noch mal eine Meinung dazu sagen. Ich würde ihm die Ruhe geben, seinen Kader zu bauen“, sagte Kompany in Richtung Nagelsmann.
Aber natürlich hat Kompany eine Meinung zum deutschen Torwart-Ranking. „Der FC Bayern ist deutscher Meister - und wir haben den besten deutschen Torwart“, sagte der Belgier. Damit habe er aber nur beantwortet, was Neuer „für mich, für uns, für diesen Verein geleistet hat“. Und weiterhin leisten soll.
Neuer wird nach dem Köln-Spiel im rot-weißen Konfettiregen die Meisterschale in Empfang nehmen und zum insgesamt 13. Mal in den Händen halten. Der 2011 vom FC Schalke 04 gekommene Torwart ist damit Spieler-Rekordmeister neben Ex-Bayern-Kollege Thomas Müller. Und es muss nicht die letzte Meisterfeier sein.
„Wir reden - und es sieht gut aus“, sagte Sportvorstand Max Eberl mit einem geheimnisvollen Lächeln eine Woche vor dem Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart. Die Einigung auf einen neuen Vertrag bis Mitte 2027 gilt längst als ausverhandelt. Die Verkündung könnte die Feiern des 35. Meistertitels erst im Stadion, danach vereinsintern am Münchner Nockherberg und schließlich am Sonntag (13.30 Uhr) vor tausenden Fans auf dem Rathausplatz abrunden.
Eberl griff den Abläufen schon mal verbal vor, als er über Neuers nach wie vor großen sportlichen Wert und vor allem die optimale Torwart-Kombination mit dem 22 Jahre alten Jonas Urbig als Nummer eins der Zukunft hervorhob.
„Manu ist top.“ Was Neuer in seiner 15. Bayern-Saison geleistet habe, „das ist wirklich besonders“, sagte Eberl und ergänzte: „Seine ganze Karriere ist außergewöhnlich. Von Höhen, aber auch der einen oder anderen Tiefe geprägt, wenn man an die Verletzungen denkt oder die Unfälle, die er erleben musste. Aber wenn man sieht, wie er in der Champions League agiert, dann ist das schon sehr besonders.“
Neuers herausragenden Königsklassen-Auftritte etwa beim 2:1 gegen Real in Madrid oder auch im erfolglosen Halbfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain (1:1) haben laut Medienberichten auch beim DFB rund um Nagelsmann und gerade auch Sportdirektor Rudi Völler dazu geführt, dass es zu einer Rolle rückwärts bei Neuer kommen könnte.
Der war nach der Heim-EM 2024 zurückgetreten. Und Nagelsmann hatte sich eigentlich schon im März auf den Hoffenheimer Oliver Baumann (35) als seine Nummer eins beim WM-Turnier festgelegt. Am Samstagabend ist Nagelsmann Gast im „Sportstudio“ des ZDF. Dort hatte er im Vorfeld der Heim-EM schon mal ein sensationelles Comeback angedeutet - und zwar das von Toni Kroos.
Wiederholt sich das Prozedere nun bei Neuer? Lüften wird Nagelsmann sein Kader-Geheimnis endgültig am kommenden Donnerstag in Frankfurt, wenn er die 26 Spieler für die WM-Endrunde vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, Mexiko und den USA bekanntgibt.
Fällt dann auch Neuers Name? Garantiert genannt wird dann Leon Goretzka. Dem 31-Jährigen, den Nagelsmann für die EM 2024 ausgebootet hatte, hat er schon im März ein WM-Ticket fix versprochen. Kompany wiederum hat dem Mittelfeldspieler einen gebührenden Abschied in der Allianz Arena nach acht Bayern-Jahren zugesichert.
„Klar startet Leon von Anfang an“, sagte Kompany zur Köln-Partie, in der er ansonsten weitgehend die Elf aufbieten dürfte, die sich erfolgreich auf „das ganz wichtige Pokalspiel“ gegen Titelverteidiger Stuttgart einstimmen soll.
„Es ist kein Geschenk, sondern etwas, das er sich verdient hat über viele, viele Jahre Leistung und Erlebnisse mit diesem Verein“, sagte Kompany zu Goretzka.
Der Triple-Gewinner von 2020 steht beim Rekordmeister neben Raphael Guerreiro und Leihspieler Nicolas Jackson als Abgang fest. Goretzka zieht es weiter ins Ausland - Ziel weiterhin unbekannt. Mit Langzeitkollege Neuer könnte es womöglich noch ein gemeinsames WM-Ziel in diesem Sommer geben.
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