Der etwas andere Blick: Paul Kappler aus Uehlfeld setzt die Natur neu in Szene | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 07.08.2025 11:11

Der etwas andere Blick: Paul Kappler aus Uehlfeld setzt die Natur neu in Szene

Die Nordlichter vor typischer Aischgrund-Kulisse: Bei dem außergewöhnlichen Himmelsphänomen war Paul Kappler rund um Uehlfeld auf Tour. (Foto: Paul Kappler)
Die Nordlichter vor typischer Aischgrund-Kulisse: Bei dem außergewöhnlichen Himmelsphänomen war Paul Kappler rund um Uehlfeld auf Tour. (Foto: Paul Kappler)
Die Nordlichter vor typischer Aischgrund-Kulisse: Bei dem außergewöhnlichen Himmelsphänomen war Paul Kappler rund um Uehlfeld auf Tour. (Foto: Paul Kappler)

Paul Kappler liebt die Natur – und er liebt Sonnenaufgänge, vor allem bei Nebel. Denn dann ist die Lichtstimmung besonders und seine Bilder entwickeln diese einmalige Ausdruckskraft. Fotografisch ist der 32-Jährige vor allem rund um Uehlfeld unterwegs. Sein Markenzeichen: bekannte Orte fotografisch neu in Szene zu setzen.

Für die einen ist es nur eine langweilige Wiese mit bunten Blumen. Paul Kappler sieht darin einen ganz eigenen Mikrokosmos. Mit seinem Makro-Objektiv zoomt er die kleinen Dinge heran. Da grinst die Miniatur-Springspinne regelrecht in die Kamera und bei der Blume daneben lässt sich jede einzelne Polle bestaunen. Jeder kennt die Wiese, aber kaum jemand weiß um die Tausenden Insekten, die sich darin tummeln. Dabei liegt die Natur doch direkt vor der Haustür.

Den Blick verändert

Und da hat besonders die Weiher-Welt rund um Gottesgab einiges zu bieten. „Der landschaftliche Reiz hier war mir lange gar nicht so wirklich bewusst”, sagt Kappler. Bekanntlich weiß man seine direkte Umgebung erst dann zu schätzen, wenn man einmal den Blickwinkel geändert hat. Und das hat der Uehlfelder getan. Als Schüler war er auf Expedition in Brasilien, hat für Schulen Wasserleitungen gebaut und in den Favelas Spielplätze repariert. Erfahrungen, die Paul Kappler geprägt haben. Die seinen Charakter geformt haben. Und der offenbart sich auch in seinen Fotografien.

Schon als Jugendlicher hat der heute 32-Jährige auf den Klassenfahrten immer die klobige Spiegelreflexkamera mitgezerrt. Denn die Natur hat ihn schon als Kind fasziniert. „Wir hatten immer viele Geo-Magazine im Wohnzimmer liegen.” Die großen bunten Bilder vom Himalaya-Gebirge, die Nahaufnahmen, die Gebirgsschluchten. Die spannenden Reportagen. All das hat ihn tief beeindruckt. Und da der Vater auch kameraaffin ist, wurde das quasi in Paul Kapplers DNA geschrieben.

Welchen Fotos kann man trauen?

Mittlerweile ist die Naturfotografie dem bisweilen „nerdigen” Ruf enteilt. „Sie erfährt einen riesigen Hype durch Instagram.” Mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Ist das Bild wirklich echt? Eine Frage, die seit der Künstlichen Intelligenz ungewollte Beachtung findet. Welchen Fotos kann man noch trauen? Denen von Paul Kappler auf alle Fälle, er bearbeitet seine Aufnahmen möglichst wenig, um ein „Naturdokument” zu schaffen.

Das könnte Sie auch interessieren
Waldbegehung in Matzmannsdorf: Entdeckungsreise durch Natur und GeschichteHunde an die Leine: LBV ruft zum Schutz von Wiesenbrütern in der Region aufWechsel an der Spitze: Neustädter Landschaftspflegeverband hat eine neue ChefinDie „grüne Stimme” der CSU aus Herrieden ist noch immer zu hörenSchätze der Natur am Wegesrand: So bewahrt das Taubertal seine IdylleGegen den Mähtod: Münchsteinacher Kindergartenkinder begeben sich auf RehkitzsucheGegen den „Mäh-Wahn”: Trautskirchener Landschaftsgärtner startet besondere AktionMähroboter als Todesfalle für Igel: Stadtrat Ansbach beschließt NachtfahrverbotSchnelldorf: Die Firma Groninger & Co GmbH setzt konsequent auf KlimaneutralitätExpertentipps beim Jungbaumpflegekurs: Wie pflanze ich einen Streuobstbaum?Hier stehen jetzt Bäume: Kleine Frischekur für das Fischhausbad SchillingsfürstHerrieder Erfolgsmodell für die Umwelt: Naturschützer und Landwirte an einem TischIn Rothenburg ist die kommunale Wärmeplanung auf der ZielgeradenWie sauber ist die Haslach? Gemeinderat Burghaslach informiert sich vor OrtNestbau am Rathaus in Bad Windsheim: Darf der Storch bleiben?

Der Fotograf setzt dafür auf andere Methoden. Er wählt kleine Ausschnitte, Kompressionen. „Dann wirkt Bekanntes plötzlich ganz anders.” Irgendwie fremd. Das Tele-Objektiv, das Kappler gerne nutzt, verstärkt das, durch den enormen Zoom. Die Kurve am Torhaus, die der normale Autofahrer kaum merkt, wird dann zum künstlerischen Wellenwerk. „Diesen Tele-Look kann auch ein Handy nicht erzeugen.”

Zum Morgenmensch geworden

Durch seine Leidenschaft ist Paul Kappler gar zum Morgenmensch geworden: „Ich stehe ganz gerne mal – wenn ich es schaffe – um 5 Uhr auf.” Denn in der Kulturlandschaft gibt es besonders dann hübsche Anblicke zu entdecken. Besondere Vögel, die auf Baumstümpfen mit morbidem Charme sitzen, im Nebel mit gelb-orangenem Farbverlauf. „Ich bin gerne draußen auf Entdeckungstour.” Kreativ. Nur ab und an auch dokumentarisch. Und immer auf der Suche nach Anregungen.

Da verschlägt es ihn auch schon mal auf die hohen Schweizer Berge, um mit dem berühmten Naturfotografen Radomir Jakubowski und anderen Gleichgesinnten bei einem Workshop auf fotografische Steinbock-Jagd zu gehen. Das Bergpanorama mit seinen Wiesen und Gipfeln gibt unbeschreibliche Bild-Motive her. Mit Jakubowski bespricht der Uehlfelder auch seine Fotos, er will besser werden, immer besser.

Begeisterung nochmal verstärkt

„Das hat meine Begeisterung noch einmal verstärkt. So vielschichtig ist die Natur. Man weiß nie, was als Nächstes kommt.” Vielleicht knutschen gleich im Rohensaaser Weiher zwei Schwäne. Oder ein Reiher startet durch. „Das lässt sich fotografisch gut transportieren”, diese einmalige Natur-Stimmung.

Maximal zwei Kilometer um die Jakobus-Kirchturmspitze knipst Paul Kappler schwerpunktmäßig. Beim Nordlichter-Spektakel 2024 war er auf nächtlicher Mission. Die Störche besucht er schon mal nach einem Starkregen, um ihre bedröppelten Gesichtsausdrücke für die Ewigkeit festzuhalten. Daheim ist es eben sehr schön, auch wenn Paul Kappler durchaus auch Fernweh kennt und schon gut herumgekommen ist – in Indien, in Norwegen, in Brasilien.

Offizielle Eröffnung im September

Lange Zeit hat Kappler sein Hobby nur für sich ausgeübt – bis es gewissermaßen zum Selbstläufer wurde. Die Inhaberin der neuen Physio-Praxis in Voggendorf hatte für ihre Räume gefragt, ob sie nicht ein paar Impressionen aus der Kappler'schen Naturpalette haben könnte. Bei der Praxis-Eröffnung wurde wiederum der Uehlfelder Bürgermeister Detlef Genz auf die Aufnahmen aufmerksam und lud den Fotografen für eine Ausstellung ins Rathaus ein.

Dort wiederum erlangte der Kulturverein „Bänkla” Kenntnis von Kapplers verborgenem Talent und fragte kurzerhand für eine Schau im Torhaus bei ihm an. Die wird zum Tag des offenen Denkmals am 14. September mit einer Vernissage offiziell eröffnet. „Das Feedback ist bisher ganz schön, das tut natürlich gut, wenn es anderen gefällt.” Und: „Ich habe noch super viele Ideen”, auch wenn die Freundin darunter womöglich ein bisschen leiden muss, mutmaßt Kappler ob der vielen Zeit, die in seine Passion fließt.

Immer auf der Suche

Der 32-Jährige ist gelernter Mediengestalter, aber hat mittlerweile ein bisschen umgeschwenkt und sich mit seiner Fotografie und Gestaltung komplett selbstständig gemacht, begleitet Brautpaare und Firmen. Aber trotzdem zieht es ihn weiterhin hinaus in die Natur, für weitere „Glücksmomente”. Wenn der Raubvogel wieder auf dem Baumstumpf sitzt, wird Paul Kappler nicht weit sein, immer auf der Suche nach besonderen, kleinen Naturbeobachtungen. „So etwas kannst du nicht planen.” Und: „Es gibt mehr zu entdecken, als man denkt.”

north