Der Eine-Million-Mark-Schein aus Gollachostheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.08.2023 12:07

Der Eine-Million-Mark-Schein aus Gollachostheim

Stolz präsentieren Manfred Gundel sowie Alina und Heidi Breitschwerdt und die kleine Anna (v.l.) die Werke von Johann Georg Kern. Sie sind die Nachkommen. Kern hatte vor 100 Jahren einen Geldschein über eine Million Mark für Uffenheim und Bad Windsheim unterschrieben. (Foto: Christa Frühwald)
Stolz präsentieren Manfred Gundel sowie Alina und Heidi Breitschwerdt und die kleine Anna (v.l.) die Werke von Johann Georg Kern. Sie sind die Nachkommen. Kern hatte vor 100 Jahren einen Geldschein über eine Million Mark für Uffenheim und Bad Windsheim unterschrieben. (Foto: Christa Frühwald)
Stolz präsentieren Manfred Gundel sowie Alina und Heidi Breitschwerdt und die kleine Anna (v.l.) die Werke von Johann Georg Kern. Sie sind die Nachkommen. Kern hatte vor 100 Jahren einen Geldschein über eine Million Mark für Uffenheim und Bad Windsheim unterschrieben. (Foto: Christa Frühwald)

Ein Eine-Million-Euro-Schein? Heute unvorstellbar. Am 21. August 1923 – damals freilich noch in Mark – gab es einen Geldschein über die siebenstellige Summe. Der damalige Bezirksausschussvorsitzende Johann Georg Kern aus Gollachostheim unterzeichnete ihn für die Bezirksgemeinde Uffenheim-Bad Windsheim höchstpersönlich.

Seine Urenkel Manfred Gundel (63 Jahre) und Heidi Breitschwerdt (72 Jahre) sind stolz auf ihren Urgroßvater. Sie haben die Original-Reichsbanknote tatsächlich noch zu Hause aufgehoben. Das Haus, in dem Heidi Breitschwerdt mit ihrer Familie noch heute lebt, baute Johann Georg Kern im Jahr 1900 in der Adelhöfer Straße in Gollachostheim. Es ist Wohnhaus und ein Stück Erinnerung in einem.

Geboren wurde Kern im Jahr 1870 und verstorben ist er 1950. Auch ein Schreiben von König Ludwig III. erhielt er, im Jahr 1917, und auch dieses existiert noch und hat eingerahmt einen Ehrenplatz erhalten. Urenkel Manfred Gundel, der als Allgemeinarzt in Ansbach tätig ist, hält es voller Stolz in den Händen.

Eine hohe Auszeichnung von Ludwig III.

Darauf steht, dass Johann Georg Kern das „König-Ludwig-Kreuz“ für besondere Heimatverdienste während der Kriegszeit in ehrender und dankbarer Anerkennung verliehen wurde. Dies wurde, im allerhöchsten Auftrag beurkundet, vom Staatsministerium des Inneren unterzeichnet, steht Schwarz auf Weiß auf dem Papier. Eine hohe Auszeichnung also.

Aber nun zur Vorgeschichte der Eine-Million-Mark-Note: Die Deutsche Inflation dauerte von 1914 bis 1923 an – das Geld war plötzlich nichts mehr wert, bis heute ein beispielloses Kapitel der Bundeshistorie. Diese Hyperinflation war durch den Ersten Weltkrieg ausgelöst worden. Mit dem Ende des Krieges 1918 hatte die Mark bereits mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Die Preise für Waren seien damals angeblich staatlich kontrolliert worden, die des Schwarzmarktes stiegen jedoch weiter und weiter, war nachzulesen.

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Mit weißer Flagge der US-Armee entgegen

Zudem warf der Staat in den Anfangsjahren der Weimarer Republik gerne die Gelddruckmaschinen an – wegen der hohen Reparationszahlungen, die von Deutschland gefordert wurden. Und Johann Georg Kern stellte für die Bezirksgemeinde Uffenheim-Bad Windsheim eben den besagten Eine-Million-Mark-Schein aus. Wie die Mittel eingesetzt wurden, ist heute aber nicht mehr bekannt.

Kern war eine gewisse Zeit lang Bürgermeister des damals noch selbstständigen Dorfes Gollachostheim (heute Gemeinde Gollhofen). Wie aus Erzählungen bekannt wurde, sei Kern ein mutiger Mann gewesen. Als gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 die Amerikaner das Dorf stürmen wollten, fuhr er mit seiner Kutsche, beflaggt mit weißer Fahne, den Angreifern entgegen. Es sollte ein Zeichen der Versöhnung sein. Eine einzige Granate, die gezündet wurde, landete in Kerns Scheune im Getreidehaufen. Sie zündete nicht.

Als die Amerikaner zur Haustür der Kerns kamen, wurden sie von der russischen Haushälterin verscheucht, wusste Gundel aus Erzählungen. Gollachostheim blieb wahrscheinlich exakt aus diesem Grund fast unzerstört, während der Nachbarort Gollhofen zu fast 80 Prozent in Schutt und Asche fiel.

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