Meistens sorgt Rolf Kindler beim Bad Windsheimer Freilandtheater dafür, dass die Stücke reibungslos über die Bühne gehen. Das ist der Job des Inspizienten. Beim Sommerstück ist die Situation besonders: „Abgedreht” stammt aus seiner Feder.
Rolf Kindler, der in Hannover lebt und 1966 geboren wurde, hat Verlagskaufmann gelernt. Später studierte er Germanistik und Geschichte. Währenddessen brachte er „Trash-Komödien” mit verschiedenen Bekannten auf die Bühne, sammelte in dieser Zeit viele Erfahrungen. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dachte: Das mach’ ich weiter.” Nach und nach wurde es immer professioneller.
Er stieg an einem Boulevard-Theater in Hannover ein, kümmerte sich dort vor allem um die Technik, war aber auch in der Regieassistenz tätig. So bekam Kindler auch viel von den Proben mit. Hauptsächlich wurden dort Komödien aufgeführt – „und das liegt mir eigentlich auch ganz gut”.
Anschließend arbeitete Rolf Kindler an Staatstheatern in Wiesbaden und Hannover als Inspizient. „Man sorgt für den reibungslosen Ablauf eines Stückes, gibt zum Beispiel Zeichen für Licht oder Ton. Gibt die Einrufe für die Schauspieler”, erklärt er den Beruf. Was alles zu ihm dazugehört, kann man sicher lernen – und doch hilft ein gewisses Gespür und Talent, in ihm glücklich zu werden. Das Manko: Man ist nicht gestalterisch tätig. „Mal gucken, was es sonst noch gibt”, dachte sich Rolf Kindler damals.
Über eine Art „Agentur für Arbeit für Bühnenmenschen” gab er an, was er kann und machen will. Christian Laubert, künstlerischer Leiter des Freilandtheaters, meldete sich auf die Anzeige auf dieser Plattform. „Dann haben wir uns auf halbem Wege getroffen, uns unterhalten. Es hat irgendwie einfach gepasst.” Beim Stück „Himmelsstürmer” im Jahr 2007 war Rolf Kindler erstmals Teil der Produktion. Seitdem wirkt er regelmäßig in verschiedenen Bereichen mit. Wenngleich seine Schwerpunkte stets bei der Inspizienz, der Requisite, der Technik – unterstützt von einem Team –, aber auch der Regie lagen und liegen. Letztere teile man sich auf.
Dass Rolf Kindler als Inspizient eher im Hintergrund agiert, stört ihn nicht. „Ich bin nicht gerne auf der Bühne. Auch wenn ich das immer mal wieder machen muss. Jeder, der Regie führt oder etwas schreibt, sollte diese Erfahrung machen. Nur um zu merken, wie schwierig das ist”, findet er.
Jeder Arbeitsbereich hat für ihn seinen eigenen Reiz. Kindlers Favoriten sind die Regie und das Schreiben. Letzteres sei toll, „wenn man weiß, dass das Stück dann auch aufgeführt wird. Wenn man es sehen kann, dann macht das großen Spaß.” Vor sich hinzuarbeiten, sei zwar entspannt. „Aber man ist auch für sich und bekommt kein Echo. Deswegen macht es mir Freude, zu sehen, was danach mit meinem Geschriebenen passiert. Ich schreibe ja keine Literatur, das ist ja quasi eine Spielvorlage. Material, um damit zu spielen.”
Eine Premiere war es für Rolf Kindler nicht, ein Stück für das Freilandtheater zu schreiben. Die Kinderstücke „Der Zeitmechaniker” (2010), „Winterkinder” (2010) und „Lockenköpfchen” (2012) stammen ebenfalls aus seiner Feder. Dass er auch das jetzige Stück schreibt, hat sich durch private Umstände ergeben. Im Normalfall ist er für eine Produktion mehrere Monate am Stück in Bad Windsheim, das war dieses Mal nicht möglich. Deshalb bot Laubert ihm an, das Stück zu schreiben. Das Thema war ihm vorgegeben, drumherum baute Kindler die Geschichte rund um die Pechsträhne einer Stummfilmcrew im Sommer 1927 bei der Herstellung ihres Films „Das fliegend Schweyn”.
Klar habe man beim Schreiben auch schon eine erste Vorstellung im Kopf, wie es auf der Bühne aussehen könnte. Ganz anders wird die Umsetzung in der Regel aber nicht, sagt Rolf Kindler. „Sonst hat man es wohl zu unbestimmt geschrieben.”