Vor 20 Jahren sah er noch sehr manierlich aus, doch mittlerweile ist der Apothekergarten im Innenhof des Alten Schlosses nur noch ein Schatten seiner selbst. Im Stadtrat präsentierte nun Landschaftsarchitektin Kerstin Gruber ein neues Konzept – erstellt auf ehrenamtlicher Basis und aus Liebe zur Natur.
Zusammen mit einer Freundin und als Mitglied des Neustädter Obst- und Gartenbauvereins fühle sie sich nach einem entsprechenden Aufruf im Rathausboten der Pflege des Gärtchens verpflichtet, so Gruber im Rat. Einen Auftrag dazu, geschweige denn für eine Neugestaltung, habe sie nie erhalten, doch so wie der Garten jetzt aussehe, könne er nicht bleiben.
Angelegt worden sei er vor 25 Jahren, inklusive einer kleinen Statue der Markgräfin und Kurfürstin Anna (1437 bis 1512), zweite Ehefrau des Markgrafen Albrecht Achilles, die Neustadt und das Alte Schloss zu ihrem Witwensitz erkoren hatte. Ihre Figur wacht heute über den Garten, der im Jahr 2000 auf 115 Quadratmetern mit 112 Pflanzen angelegt worden war – jede davon mit einem Schildchen und einer kurzen Beschreibung versehen.
Hübsch sah das ein paar Jahre aus, vor allem im Frühjahr und Sommer, doch, so Gruber, „für einen Staudengarten sind 25 Jahre schon lang”. Im Klartext: Ein Großteil der Schilder sei nicht mehr zuzuordnen gewesen, die gesamte Anlage sei mit unerwünschten Dauerunkräutern durchzogen, invasive Arten und einige Gewächse mit „starkem Ausbreitungsdrang” sorgen darüber hinaus für eine zunehmende Unansehnlichkeit und fehlendes Gleichgewicht bei der ursprünglichen Pflanzung.
Darüber hinaus, so Gruber, fehle es an Pflegewegen – um an die Pflanzen heranzukommen, müsse man teilweise abenteuerliche Verrenkungen machen. Insgesamt sei es schwierig für die Freiwilligen, die sich im laufenden Jahr der Pflege des Gartens verschrieben hätten, viel Erfolg habe man nicht gehabt.
Sie schlage nun stattdessen einen Neuanfang vor: Nur noch rund 40 Arten auf einer auf rund 65 Quadratmetern reduzierten Fläche. Die damit frei werdenden Bereiche müsse man keinesfalls unbedingt pflastern, erklärte Gruber auf Nachfrage von Lisa Kastelan (Grüne), da seien auch Rasenflächen gut vorstellbar. Abschaffen würde sie die Erklärschilder („Die stören die Ästhetik und behindern die Pflege”) und empfehle stattdessen eine einzelne Informationstafel, auf der beispielsweise die Heilkräfte der vorhandenen Pflanzen mittels QR-Code abgerufen werden könnten.
Auf die Anfrage von Richard Cesinger (SPD), ob es eventuell alte Pläne oder Zeichnungen gebe, aus denen man ersehen könne, wie der Garten im historischen Kontext der Markgräfin ausgesehen habe, und ob man sich bei der Gestaltung eventuell danach richten könne, antwortete Gruber, dass sie von solchen Papieren keine Kenntnis habe und wohl auch beim Heimatverein nichts vorliege.
Vorstellen könne sie sich, so Gruber, dass man die geschätzten Umgestaltungskosten (rund 32.000 Euro), die auch eine neue Umrandung des Gartens beinhalten, über eine Leader-Förderung, das Regionalbudget oder auch über Sponsoren für die klamme Stadtkasse noch deutlich drücken könne. Wie Bürgermeister Klaus Meier dazu ergänzte, gebe es von der LAG schon positive Signale: „Die denken, das ist ein super Projekt.”
Beschlossen wurde am Ende einstimmig, dass der Kräutergarten im Sinne von Grubers Konzept umgestaltet wird. Dabei soll darauf geachtet werden, so wenig Flächen wie möglich zu versiegeln. Zusätzlich soll nochmals genauer geprüft werden, ob es nicht doch eine historische Vorlage gibt, die man eventuell mit einbeziehen kann.