Sie gelten und bezeichnen sich selbst, natürlich im positiven Sinn, als ein wenig verrückt. Die Mitglieder des Ansbacher Heimatvereins, die das Erbe der Markgrafenzeit in historischen Kostümen hochhalten, kämpfen um die Zukunft des Vereins. Dennoch soll der 75. Geburtstag der Rokoko-Festspiele 2025 ein Höhepunkt werden.
So ganz leicht fällt es Martin Etschel, dem Vorsitzenden des Vereins mit rund 270 historisch affinen Mitgliedern, derzeit nicht, über die Aussichten zu sprechen. Zwischen den Zeilen ist aber dann doch deutlich herauszuhören, dass es im Binnenverhältnis mit der Stadt und der Schlösserverwaltung mitunter ein wenig knirscht.
Von der Aussetzung der Festspiele in diesem Jahr hatte der Verein erst aus der Zeitung erfahren, mit Kulturreferentin Nadja Wilhelm soll man sich auch deshalb nicht immer ganz grün sein. Etschel will aber nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Die Stadt, die den Heimatverein für Auftritte des Markgrafen, seiner Gattin und dem Gefolge bucht, gibt schließlich die Eckdaten eines jeden Events mit dem Verein vor.
Insofern gilt es aus Etschels Warte, gerade im Hinblick auf das anstehende Jubiläum zusammenzuarbeiten und sich nicht aneinander aufzureiben. „Die Festspiele sind schon in Planung. Aber das funktioniert nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen“, sagt der Vorsitzende bedeutungsschwanger.
Ein mehr oder minder wichtiger Mitspieler ist dabei auch die Schlösser- und Gartenverwaltung, die über den Hofgarten mit seinen nach barockem Vorbild nach dem Krieg wieder aufgebauten Gebäuden mitsamt der Orangerie regiert. Auch dort wurde das jahrelang gültige Reglement aus Sicht des Heimatvereins inzwischen deutlich verschärft. Was früher für den Markgrafen und Co problemlos möglich war, ist nun verboten. Beispiele gefällig?
Die Böllerschüsse als traditioneller Auftakt der Festspiele sind innerhalb der Grenzen des Hofgartens inzwischen passé. Zu laut für die Vögel soll das Abfeuern der Musketen generell sein, die Ausweisung der Gartenanlage als Fauna-Flora-Habitat für verschiedene geschützte Tier- und Pflanzenarten liefert dafür ausreichend Argumente. Auch das farbenprächtige Feuerwerk zu den Abendveranstaltungen der Festspiele, das laut Etschel „für viele Menschen ein Höhepunkt war“, hat die Schlösser- und Gartenverwaltung aus dem Hofgarten verbannt.
Schade findet das der Vorsitzende des Heimatvereins, allzu deutlich darüber klagen mag er jedoch nicht. Michael Rotschedel als Vorstand der Ansbacher Dependance der Schlösser- und Gartenverwaltung habe schlichtweg seine Vorgaben aus München, an die er sich eben halten müsse. „Wir müssen das akzeptieren. An sich ist die Zusammenarbeit ja super. Aber ein wenig trauern wir dem hinterher, was wir im Hofgarten schon hatten.“
2019, im Jahr vor Corona, fanden im Hofgarten zwei Abendveranstaltungen statt, ehe man sich pandemiebedingt im Jahr darauf auf „Notspiele“ beschränken musste. Im Anschluss an das Rokoko-Varieté 2021 mussten die Festspiele aufgrund von Bauarbeiten im Hofgarten in den Innenhof des Schlosses ausweichen.
Da dieser Bereich aber noch länger aufgrund von Sanierungsmaßnahmen für die Öffentlichkeit gesperrt ist, musste der Heimatverein mitsamt seinen Aufführungen abermals umziehen. „Ganz so ein tolles Flair kommt da nicht auf. Geschmackssache“, sagt Etschel zum Quartier in der Reitbahn, die andere Mitglieder deutlich kritischer als „Parkplatz“ einstufen.
Der Ort der Jubiläumsfestspiele im kommenden Jahr ist derzeit noch offen. Zwar hat die Schlösser- und Gartenverwaltung in Person von Michael Rotschedel schon durchblicken lassen, dass der Hofgarten zur Verfügung stünde – in trockenen Tüchern ist es aber noch nicht, dass edle Damen und Herren des 18. Jahrhunderts wieder durch die Alleen des Parks flanieren dürfen. „Das Ambiente des Hofgartens ist ideal. Da muss man nicht diskutieren“, sagt Etschel bestimmt.
Eine Quadrille schwebt dem Verein unter anderem vor, also eine Reitgruppe, die mit musikalischer Untermalung eine Choreographie verschiedener Hufschlagfiguren und Gangarten präsentiert. „Wir werden etwas Schönes auf die Beine stellen“, verspricht Etschel schon mal und sagt: „Wir wollen opulente Spiele.“ Dafür aber, und das wiederholt er gerne, müssten aber alle Beteiligten an einem Strang ziehen: „Wir möchten Harmonie.“