Auf der Bürgerversammlung im Sugenheimer Ortsteil Ingolstadt ging es unter anderem um den Gipsabbau in der Region. Kritisiert wurde in erster Linie „ein laxes Vorgehen“, bei der Verfüllung eines bisherigen Abbaugebietes in der direkt benachbarten Gemarkung Krassolzheim.
Der Redaktion liegen Fotos vor, die schwarze Ablagerungen zeigen, die nach Aussage von Dorfbewohnern „nach Teer riechen“.
Im südlichen Steigerwald gibt und gab es einige Gipsvorkommen. Den Abbau in der hiesigen Region nimmt seit geraumer Zeit die im nahen Iphofen (Landkreis Kitzingen) ansässige Firma Knauf vor, was diese zu einem wichtigen örtlichen Arbeitgeber macht. Das Unternehmen gilt als Weltmarktführer in seiner Branche.
Als der „saure Regen“ in den 1980er Jahren mit dem Waldsterben in Zusammenhang gebracht wurde, entwickelte man eine besondere Filtertechnik. Aus den Rauchentschwefelungsanlagen (REA) von Kohlekraftwerken gewann man so Material für synthetischen Gips.
Nun aber droht dem REA-Gips bekanntlich das Aus, weil die Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden sollen. Das erhöht den Druck auf die Firma, wieder vermehrt Gips aus der Erde zu holen. Also gab es bereits im Jahr 2021 in Sugenheim entsprechende Gespräche mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat. Auch stellte sich Uwe Schirmer, Bauingenieur der Firma Knauf, bereits zweimal den Fragen der Bürger.
Die Positionen sind schnell ausgetauscht: Ingolstädter Bürger, die nicht namentlich genannt werden möchten, kritisieren das Bergbaurecht. Dieses führt aus ihrer Sicht zu einer Übermacht der Rohstoffförderer. In der Tat fühlt sich die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Neustadt nicht zuständig und verweist auf das Bergamt Nordbayern mit Sitz in Bayreuth.
Skeptische Dorfbewohner sagen, sie stimmten einem weiteren Abbau nur zu, wenn Grundwasser und Natur nicht nachhaltig geschädigt würden, und wenn die mit sanftem Tourismus werbende Region Oberer Ehegrund dadurch nicht unter die Räder kommt. Insbesondere stimmt es manche Ingolstädter misstrauisch, dass es bei der bereits bestehenden Knauf-Deponie in Dorfnähe ihrer Meinung nach „nicht mit rechten Dingen zugeht“.
Die Firma Knauf argumentiert mit wirtschaftlicher Notwendigkeit und ist damit sehr nahe an der Einstellung von Bürgermeister Reinhold Klein, der sich fragt „wo der Gips denn dann herkommen soll, aus China etwa?“ So viel zu den Positionen.
Befragt nach den vertrauensbildenden Maßnahmen, die sich die Firma vorstellen könnte, antwortet Pressesprecher Andreas Gabriel: „Wir sind in der Region verwurzelt, und es ist uns ein selbstverständliches Anliegen, Bürgerinnen und Bürger transparent zu informieren.“ Bei großem Interesse sei man grundsätzlich zu einer öffentlichen Begehung bereit.
Wenn es um die aktuell beobachteten Missstände bei der Verfüllung des ehemaligen Abbaugebietes geht, wird der Pressesprecher etwas schmallippiger. Auf die Frage, ob wirklich ausschließlich „Teile von Gipsplatten“ (so lautete die Antwort auf eine erste Presseanfrage) auf der Deponie abgeladen werden, wird nun eingeräumt, dass auch „Stäube aus der Weiterverarbeitung“ deponiert werden. Diese bestünden ebenfalls aus unbelasteten Materialien.
„Stoffe, die nicht abgelagert werden dürfen oder unerlaubt von Dritten im Tagebau entsorgt wurden, werden entfernt und der ordnungsgemäßen Entsorgung über das Werk Hüttenheim zugeführt“, heißt es weiter. Ob damit auch die schwarzen, nach Bürger-Aussagen teerartig riechenden Abfälle gemeint sind, bleibt offen. Wäre dies so, stünde es eins zu null für die Ingolstädter Deponiekritiker.
Die Bürger zeigen auch Fotos vom bereits renaturierten Abbaugebiet, in dem recht mickrige und von Flechten überzogene Bäumchen sich nicht altersgemäß entwickelt hätten, so ein mit dem Forstbetrieb vertrauter Dorfbewohner. Die Gruppe der Bergbau-Kritiker führt das darauf zurück, dass der entschädigte Grundstücksbesitzer gerne wieder Wald haben wollte. Auf der dünnen, etwa 30 Zentimeter dicken Humusschicht wachse dieser aber nicht wie zuvor.
Zum Thema Renaturierung sagt Knaufs Presseabteilung: „Die Flächen werden entsprechend der Rekultivierungsplanung wieder nutzbar gemacht, sei es für die Land- und Forstwirtschaft, wie bereits geschehen, oder als Ausgleichsmaßnahme im nördlichen und westlichen Bereich.“ Auf die besonderen Bedürfnisse einer Wiederaufforstung wird trotz konkreter Fragestellung nicht eingegangen.
Wegen der Sorgen um das Grundwasser – in Ingolstadt liegen, wie es heißt, einige Quellen sehr nahe unter der Erdoberfläche – versichert der Pressesprecher, dass es immer wieder Messungen gab. Auch im Bereich des Deponiegeländes „Krassolzheim II“ fanden und finden regelmäßig Beprobungen statt, die bislang noch keinen Anlass zur Besorgnis ergeben hätten. Die nächste Beprobung des Deponiekörpers sei für die erste Maiwoche in Auftrag gegeben.
Bislang, so Pressesprecher Gabriel, „haben die vorgenommenen Grundwasseruntersuchungen gezeigt, dass seit Beginn des Abbaus und der Verfüllung keine Veränderungen des Grundwassers stattgefunden haben.“ Auch liege das Grundwasser in einer Schicht unterhalb der Deponie in etwa acht bis zehn Metern Tiefe.
Dieser Grundwasserkörper sei durch eine undurchlässige Schicht überdeckt. Das Grundwasser weise „gespannte Verhältnisse“ auf. Das bedeute, dass beim Durchbohren dieser undurchlässigen Schicht das Wasser nur im Bohrloch auf zirka zwei bis drei Meter „unter Gelände“ ansteige. Der Deponiekörper stehe nicht in Kontakt zum Grundwasser. Ob diese geologische Argumentation die Kritik in Ingolstadt verstummen lässt, bleibt abzuwarten.