Denkmalpflege: Wird Detwang Teil des Ensembles? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.10.2024 10:00

Denkmalpflege: Wird Detwang Teil des Ensembles?

Was ein Ensembleschutz wirklich ganz genau bedeutet, darüber wird in der Bürgerversammlung für Detwang gesprochen werden. Termin ist am Montag, 25. November, um 20 Uhr. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Was ein Ensembleschutz wirklich ganz genau bedeutet, darüber wird in der Bürgerversammlung für Detwang gesprochen werden. Termin ist am Montag, 25. November, um 20 Uhr. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Was ein Ensembleschutz wirklich ganz genau bedeutet, darüber wird in der Bürgerversammlung für Detwang gesprochen werden. Termin ist am Montag, 25. November, um 20 Uhr. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

Fällt Detwang bald unter Ensembleschutz? Der Stadtrat hat sich zwar am Donnerstagabend eindeutig dagegen ausgesprochen – das hat aber wohl keinen Einfluss auf das Verfahren des Landesamtes für Denkmalpflege.

Insgesamt 22 Mitglieder des Stadtrates waren anwesend, alle 22 waren dagegen, das „Benehmen zur Erweiterung des Ensembles Altstadt Rothenburg ob der Tauber um Detwang und dessen nördlichen Außenbereich“ zu erteilen. Nur Oberbürgermeister Dr. Markus Naser stimmte für den Antrag, so wie es die Verwaltung auch vorgeschlagen hatte.

Nur symbolisch

Auf die Frage was das „Nein“ des Stadtrates jetzt schlussendlich für eine Konsequenz hat, meinte der OB am Freitag auf Nachfrage der Redaktion: Ob die Stadt das Benehmen erteilt oder nicht, habe „gar keine Konsequenz.“ Dies sei nur symbolisch zu sehen.

Zu seinem persönlichen Abstimmungsverhalten meinte er, dass sich ja auch Stadtbaudirektor Michael Knappe dafür ausgesprochen habe und erklärte: „Ich lasse ja meine Verwaltung bei solchen Sachen nicht im Stich.“

Kein fünfgeschossiges Gebäude möglich

Laut dem Stadtbaudirektor bedeutet ein Ensemble Detwang „im Prinzip, dass jeder Bauantrag, der bei uns eingeht, zukünftig am Amtstag, also alle vier Wochen, gemeinsam begutachtet wird“. Das erklärte er in der Stadtratssitzung. So sei auch die Vorgehensweise bei Einzeldenkmälern, zum Beispiel bei den Mühlen der Tauber. Das heißt ihm zufolge aber nicht, dass die Gestaltungssatzung der Stadt Rothenburg in Detwang gilt.

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Aufwendungen später steuerlich absetzen

Knappe zu den Auswirkungen eines Ensembleschutzes: „Es kann dann keiner ein fünfgeschossiges Gebäude neben ein Einzeldenkmal stellen. Das wäre jetzt aber auch schon im Moment schwierig gewesen.“ Er erläuterte weiter: „Es gibt auch jetzt einige Anträge, die wir genau anschauen, aber wir haben momentan zumindest nicht das Gefühl, dass wir die Leute, die später bauen oder umbauen wollen, schlechter stellen.“ Ein „Riesenvorteil“ laut ihm: Die Aufwendungen, die man dort tätigt, können später „steuerlich erhöht“ abgesetzt werden.

Die Reaktionen aus dem Gremium fielen durchweg negativ aus. CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Scheurer sprach von einem Ensembleschutz, der „ohne Not“ darübergelegt werde. Dies könne man als Misstrauen deuten.

Von wem stammt die Idee?

Peter Wack, der für die CSU im Stadtrat sitzt, hatte einige Fragen mitgebracht. Die erste: Wer konkret ist auf die Idee gekommen? Hier holte der OB weit aus. Er erklärte, dass im Rahmen von Begehungen des Landesamtes für Denkmalpflege für die Denkmaltopographie „die Überzeugung gereift“ sei, dass der Bereich Detwang Teil des Ensembles der Stadt werden soll. Naser: „Wer genau im Landesamt für Denkmalpflege wann mit wem über diese Sache gesprochen hat, das entzieht sich meiner Kenntnis. Und das wird auch, glaube ich, keiner mitteilen.“

Wack wollte daraufhin noch wissen, ob es niemand aus der Rothenburger Verwaltung vorgeschlagen hatte. Die Antwort des OB: Es sei ein Vorschlag vonseiten des Landesamtes für Denkmalpflege.

Kopfschütteln ausgelöst

Die nächste Frage von Wack drehte sich um eine Unterschriftenliste der Detwanger, die sich ihm zufolge gegen die Pläne ausspricht. Wack: „Ist dies der Verwaltung bekannt?“ Hier erntete er Kopfschütteln. Nach kurzer Rückfrage unter anderem bei Rechtsdirektor Michael Sommerkorn meinte der OB, dass die Liste der Verwaltung nicht bekannt ist. Am Freitag bestätigte der OB am Telefon noch einmal, dass von einer solchen Liste in der Verwaltung nichts bekannt sei.

Auch Fritz Sommer (UR) erkundigte sich in der Sitzung nach der Liste – er nannte sie Petition – und meinte, die Bürgerinnen und Bürger sollten mitgenommen werden. Ihm zufolge gibt es „massiven Unmut“ in Detwang. Wichtig für ihn: Das Signal an die Bürgerinnen und Bürger geben, dass Bauen in Detwang weiterhin möglich ist.

Gegen die Pläne

Es meldeten sich noch eine ganze Reihe an Gremiumsmitgliedern, die sich gegen die Pläne aussprachen. Peter Schaumann (CSU) zum Beispiel fragte in Richtung Landesamt: „Haben die nichts anderes zu tun?“ FRV-Fraktionschefin Jutta Striffler appellierte: „Nehmt die Detwanger Bürger mit, so wie immer.“ Sie bat darum, künftig mit den Betroffenen zu sprechen, bevor so etwas vorgelegt werde. Dies mache vieles leichter.

Eine ganz andere Meinung als der Stadtrat vertritt Stadtheimatpfleger Hans-Gustaf Weltzer. Er war zwar nicht in der Sitzung anwesend, erklärte aber auf Nachfrage der Redaktion, dass er die Pläne begrüße. Er bezeichnet Detwang als „die Mutter von Rothenburg“, denn aus Detwang sei Rothenburg hervorgegangen.

Die Pläne des Landesamtes sind für ihn eine Wertschätzung und er sieht diese „nicht als Verschärfung“ mit Blick auf private Bauvorhaben. „Es ändert eigentlich nicht viel.“ Weltzer: „Alle Bauvorhaben werden ausführlich besprochen und generell wird ja versucht, den Bedürfnissen der Leute zu entsprechen.“

Thema in der Bürgerversammlung

Bei zwei Detwangern, mit denen die Redaktion gesprochen hat, ist die Enttäuschung über das komplette Verfahren groß. „Man wird vor vollendete Tatsachen gestellt“, bemängelt ein Detwanger (Name ist der Redaktion bekannt). Die Stadt kommuniziere mit den Detwangern „überhaupt nicht“, findet er. Er habe aus Zufall von den Plänen erfahren. „Wenn man so überfahren wird, was will man dann noch machen?“ Er bemängelt, dass es keine Info-Veranstaltung gegeben habe.

„Man fühlt sich verarscht”

Ein anderer Detwanger (Name ist der Redaktion ebenfalls bekannt) fasst es kurz und knapp so zusammen: „Man fühlt sich mal wieder verarscht.“ Auch er erwähnt die von den Stadträten Wack und Sommer bereits genannte Unterschriftenliste und meint dazu: „Die Argumente der Detwanger werden mit Ignoranz gestraft.“ Und er erzählt von einer Beobachtung, die er im Lauf dieses Jahres gemacht habe: So hätten einige Detwanger „noch schnell“ PV-Anlagen auf ihre Dächer aufbringen lassen. Ganz ausführlich soll über das Thema noch einmal in der Bürgerversammlung für Detwang gesprochen werden. Sie findet am Montag, 25. November, ab 20 Uhr statt.

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