Acht vorbildlich renovierte Denkmäler in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie in der Stadt Ansbach hat der Bezirk Mittelfranken in diesem Jahr ausgezeichnet. Die FLZ stellt sie in loser Folge vor.
Im Ortskern von Welbhausen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) in der Uffenheimer Straße 14b schließt sich – mit der Giebelseite angefügt an ein etwas größeres Nachbargebäude – ein eingeschossiger Satteldachbau an, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Trotz seiner kleineren Gestalt verfügt es über „bemerkenswerte Ausstattungsdetails” wie eine biedermeierliche Doppelflügeltür, stellten die Denkmalschützer des Bezirks Mittelfranken fest.
Mehrere Mesusa-Abdrücke an Türzargen im Inneren verweisen auf seine ehemals jüdische Bewohnerschaft. Eine Mesusa ist eine Schriftkapsel, die in traditionellen jüdischen Haushalten an vielen Türpfosten angebracht wird. Tatsächlich befand sich genau gegenüber die Synagoge von Welbhausen. Die jüdische Gemeinde zählte zeitweise zu einer der größten der Region, bis sie sich um 1900 auflöste, nachdem die meisten Mitglieder ins nahe Uffenheim gezogen waren.
Die Synagoge wurde verkauft und auch die anderen ehemaligen Wohnhäuser der Landjuden fanden neue Besitzer. Seit 1973 hatten die Großeltern des Eigentümers in dem Häuschen gelebt. Die letzten Jahre stand es jedoch leer.
In mehrjähriger Eigenleistung wurde das stark renovierungsbedürftige und eigentlich unbewohnbare Haus wieder instand gesetzt. Das Dachtragwerk hat man repariert und mit alten Ziegeln neu gedeckt. Zur Belichtung des Dachgeschosses baute man historisierende Dachflächenfenster ein. Die erhaltenen Fenster sind aufgearbeitet und mit Innenverglasung versehen.
Für die Übernahme der Haustür fand man eine ebenso originelle wie funktionale Lösung: Die Türflügel wurden auf einer fest schließenden Haustüre montiert, so dass das äußere Erscheinungsbild bleiben konnte. In steter Abstimmung mit den Behörden fanden alle Umbauten auch im stark überformten Inneren des Hauses statt. Der Grundriss wurde bereinigt, ein Stahlträger im Erdgeschoss eingezogen.
Die Innendämmung der Außenwände besteht nun aus kalkverputzten Perlite-Platten, die restlichen Fachwerkwände mit Lehmputz-Gefachen blieben sichtbar. Befundfenster ermöglichen einen Einblick auf die historische Wandgestaltung. Nach einem neuen, dämmenden Bodenaufbau hat man die alten Böden wieder eingesetzt.
Geheizt wird, neben dem neuen Kamin, zurückhaltend und denkmalschonend lediglich mit Elektro und Infrarottafeln. „In sehr guter Materialwahl wurde der Bestand perfekt aufgearbeitet”, heißt es in der Laudatio des Bezirks. Der Bewohner des Hauses habe ein neues Kapitel der Hausgeschichte aufgeschlagen und damit auch ein sprechendes Zeugnis der Ortsgeschichte gesichert.