Debatte über gleiche Chancen an Schulen: „Wir werden den Kindern nicht gerecht” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.11.2025 09:14

Debatte über gleiche Chancen an Schulen: „Wir werden den Kindern nicht gerecht”

Andreas Schalk (CSU), Felix Locke (Freie Wähler), Christian Zwanziger (Bündnis 90/Die Grünen), Elternvertreterin Melanie Rödel, Schulleiter Johannes Stegmann und Moderator Christoph Weidmann (von links) bei der Podiumsdiskussion.  (Foto: Daniela Ramsauer)
Andreas Schalk (CSU), Felix Locke (Freie Wähler), Christian Zwanziger (Bündnis 90/Die Grünen), Elternvertreterin Melanie Rödel, Schulleiter Johannes Stegmann und Moderator Christoph Weidmann (von links) bei der Podiumsdiskussion. (Foto: Daniela Ramsauer)
Andreas Schalk (CSU), Felix Locke (Freie Wähler), Christian Zwanziger (Bündnis 90/Die Grünen), Elternvertreterin Melanie Rödel, Schulleiter Johannes Stegmann und Moderator Christoph Weidmann (von links) bei der Podiumsdiskussion. (Foto: Daniela Ramsauer)

Unterschiedliche Fähigkeiten fördern, und kein Kind auf seinem Weg durch die Schullaufbahn zurücklassen – ist das möglich? Unter anderem darum ging es an der Grund- und Mittelschule (GMS) Bechhofen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) Mittelfranken hatte zum Austausch und zur Diskussion geladen.

Sabine Bösl, die Leiterin der Abteilung Schulpolitik beim BLLV, unterbricht ihre Rede. Einer der drei Schüler, die für die Veranstaltung „Umgang mit Heterogenität” die Licht- und Tontechnik vorbereitet haben, hat ihr auf die Schulter getippt. „Wir sind jetzt fertig und wünschen Ihnen noch einen schönen Nachmittag”, mit diesen Worten verabschiedet sich der Junge.

„Schule soll kein Ort für Gleichmacherei sein”

Für Schulleiter Gerhard Bräunlein ist dieser kurze Auftritt ein Zeichen dafür, dass an seiner Schule in Bechhofen im Landkreis Ansbach so manches richtig läuft. „Die Schüler führen das Wort und trauen sich selbstständig zu agieren”, freut sich der Gastgeber der Veranstaltung, zu der rund 50 Lehrerinnen und Lehrer sowie Vertretende aus der Politik gekommen sind. An seiner Schule wird versucht, auf die Heterogenität, also die Verschiedenheit der Kinder, einzugehen.

„Schule soll kein Ort für Gleichmacherei sein”, sagt Bräunlein. Um auf die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in Bechhofen einzugehen, wurden im gesamten Schulgebäude Lernecken und -räume eingerichtet. In Gruppen üben die Kinder hier eigenständiges Arbeiten. „Mutige, selbstbestimmte Kinder, die wissen, was sie können”, wachsen im Idealfall für Schulleiter Bräunlein an seiner Schule heran.

Dieser Idealfall, den Gerhard Bräunlein schildert, ist auch für Sabine Bösl vom BLLV erstrebenswert. „Bildung ist ein Menschenrecht. Es darf nicht sein, dass die Herkunft entscheidet, wer Zugang hat”, sagt sie. Mit verschiedenen Veranstaltungen unter dem Motto „Bildung gerecht gestalten” macht der BLLV Mittelfranken aktuell auf die Missstände im Bildungssystem aufmerksam.

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Auch Spätstarter sollten abgeholt werden

Zum Thema äußerten sich bei einer Podiumsdiskussion auch Vertretende aus Politik und dem Schulbereich. „Es ist hart für Kinder und auch die Eltern, dass die Schülerinnen und Schüler ab der vierten Klasse in eine Bahn geworfen werden”, klagt Melanie Rödel, Elternvertreterin an der Grund- und Mittelschule Bechhofen. Manche Kinder seinen „Spätstarter”. Auch diese sollten eine Chance erhalten und zum richtigen Zeitpunkt in das geeignete Schulsystem abgeholt werden.

„Wir werden den Kindern nicht gerecht, weil wir ihnen nicht genug Zeit geben können”, bedauert Johannes Stegmann, Schulleiter der Mittelschule Feuchtwangen-Land. Die Stundenzahl, die Lehrerinnen und Lehrern für den Unterricht zusteht, sei zu knapp. Vieles, was für Kinder mit speziellem Förderbedarf getan werde, geschehe „on top”.

„Die Lehrer müssten mehr Unterricht halten”

Der Meinung, dass einiges getan wurde, um die Situation an Schulen zu verbessern, ist Andreas Schalk, Abgeordneter der CSU im Landtag. „In den vergangenen Jahren haben wir die Zahl der Stellen für Lehrkräfte kontinuierlich aufgebaut”, sagt er. Allerdings fehlte es oft an Personen, um diese auch zu besetzen. Seiner Ansicht nach ist das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Schulkindern und Lehrkräften „so gut wie nie”. Mit Blick auf die hohe Teilzeitarbeitsquote in diesem Berufsfeld meint er. „Die Lehrer müssten nur motiviert werden, etwas mehr Unterricht zu halten.”

Der Freie Wähler-Bezirksvorsitzende Felix Locke hingegen ist der Meinung, dass „ein wertschätzender Umgang” mit den Pädagoginnen und Pädagogen wichtig ist. „Das familienfreundliche Teilzeitmodell sollte beibehalten werden, da es attraktiv ist”, meint er.

In der Dreigliedrigkeit des Schulsystems (Mittelschule, Realschule und Gymnasium) und dem frühen Zeitpunkt, zu dem entschieden wird, wohin die Kinder wechseln müssen, sieht Christian Zwanziger, Landtagsabgeordneter des Bündnis 90/Die Grünen, „eine Riesenhürde”. Ein „guter Ganztag”, in welchem die Schülerinnen und Schüler intensiv betreut und zu gegebenen Zeitpunkt aufgeteilt würden, wäre seiner Meinung nach eine bessere Lösung. Für die Kinder sei Schule „ein zentraler Lebensort”, so wie es für Erwachsene das berufliche Umfeld ist. „Warum wird das nicht besser gestaltet?”, fragt Zwanziger.

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