Große Erleichterung bei den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern, die die entscheidende Sitzung des Marktgemeinderats Lichtenau besuchten: Im Bereich der kommunalen Jugendarbeit bleibt alles, wie es ist.
Das Gremium hat sich gegen den Vorschlag der evangelischen Kirchengemeinde entschieden, das Gemeindehaus zu mieten, um das Jugendzentrum dorthin umziehen zu lassen. Mit zwölf zu drei Stimmen fiel die Entscheidung recht klar aus. Für die Jugendlichen ändert sich allerdings nur vorerst nichts. Denn der Rat kann sich gut vorstellen, die Gespräche über den Standort der Einrichtung in absehbarer Zeit wieder aufzunehmen.
„Dass das Jugendzentrum für alle Zeit beim Rosengarten bleibt, ist nicht in Stein gemeißelt“, sagte Roland Treiber (UWG). „Die Schule hat beispielsweise auch einen schönen Außenbereich.“ Jugendzentrums-Leiterin Heike Rosenkranz habe sich in der Vergangenheit grundsätzlich für eine Verlegung offen gezeigt. Kategorisch abgelehnt habe sie in erster Linie das Gemeindehaus.
Auch Bürgermeister Markus Nehmer (SPD) stimmte gegen die Anmietung des Anwesens. „Das würde zum einen unsere finanzielle Flexibilität weiter einschränken, zum anderen würden wir das Jugendzentrum ohne zwingende Notwendigkeit verlagern“, erläuterte er sein Votum. Das Gebäude am Rosengarten weise schließlich keine Mängel auf und verursache aktuell keine weiteren Kosten.
Zwar habe er sich in der Vergangenheit anders geäußert. Allerdings hätten sich seitdem die Umstände und damit auch seine Meinung geändert: „Die von der Kirchengemeinde vorgebrachten Synergieeffekte durch eine Zusammenführung der kommunalen und kirchlichen Jugendarbeit unter einem Dach sind so nicht mehr gegeben, denn die Jungschar und die Pfadfinder sind zwischenzeitlich ins Haus der Begegnung umgezogen.“
Zuvor hatte der Marktgemeinderat einen Antrag der Grünen mit knapper Mehrheit von acht zu sieben Stimmen abschlägig beschieden. Die Fraktion sprach sich dafür aus, die Entscheidung noch einmal zu vertagen und zunächst einen moderierten Dialog mit allen Beteiligten zu führen. In den Fokus genommen werden sollte vor allem die städtebauliche Entwicklung des historischen Ensembles Burg, Kirche und Marktplatz.
Denn die Entscheidung gegen den Mietvertrag hat für die Gemeinde einen entscheidenden Nachteil, auf den auch die Grünen in ihrem Antrag hinwiesen: Möglicherweise werde die evangelische Kirchengemeinde das Anwesen veräußern. Es käme in private Hände, die Einflussnahme der Kommune wäre dadurch stark begrenzt. „Wir sollten auf der Basis von Fakten und nicht von Emotionen entscheiden und uns nicht unter Druck setzen lassen“, sagte Manfred Eschenbacher (Grüne). Es bestehe noch Informationsbedarf, beispielsweise zu möglichen Umbaukosten des Gemeindehauses. Da gehörten alle Fakten auf den Tisch.
Der Marktgemeinderat war aber mehrheitlich der Ansicht, dass das Thema zum einen ausführlich besprochen sei und zum anderen die Vorteile des Status Quo – das Jugendzentrum bleibt im Rosengarten – überwiegen. Seit Pfarrer Claus Ebeling dem Gremium die im Kirchenvorstand entstandene Idee vorgestellt hatte, die kommunale Einrichtung ins Gemeindehaus umzusiedeln, war das Thema bei mehreren Gelegenheiten engagiert diskutiert worden. Auch zu Ortsterminen hatte man sich getroffen.
Wenn das Gebäude am Rosengarten frei werde, schaffe dies Platz für ein Café als Treffpunkt und Begegnungsort – so das stärkste Argument für den Vorschlag der Kirche. Eine Belebung der Gastronomieszene wünschen sich auch große Teile der Bevölkerung. Es fehlen jedoch sowohl mögliche Betreiber als auch ein Konzept.
Jugendzentrums-Leiterin Heike Rosenkranz stellte im Gegenzug im Mai sehr überzeugend die Nachteile dar. Im Gemeindehaus habe man keinen attraktiven Außenbereich. Die Raumaufteilung auf mehrere kleinere Zimmer und zwei Etagen bringe außerdem Schwierigkeiten für die pädagogische Arbeit und die Aufsichtspflicht mit sich. Im Rosengarten steht ein großer Raum zur Verfügung. Zur Unterstützung dieser Position hatte sie vor vier Monaten eine Gruppe von über 40 Personen, bestehend aus Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern, ins Rathaus mitgebracht. Bei der jüngsten Sitzung waren es noch einmal über 30.
„In der heutigen Abstimmung ging es um die Anmietung des Gemeindehauses, nicht darum, ob wir ein Café möchten oder nicht“, machte Markus Nehmer deutlich. Die Diskussion über die Belebung der Gastronomieszene und des historischen Ortskerns gehe weiter.